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Herr der Ringe: Film oder Buch?


Guest Anselm
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Tolkien hat viel Symbolik verwendet. Jackson scheint kaum etwas davon verstanden zu haben.
Das ist durchaus möglich. Jackson wollte in erster Linie die Geschichte verfilmen, die Symbolik war ihm zumindest egal.

Man muss bedenken, dass es ein ungeheuerliches Budget benötigt hat, das Buch zu verfilmen. Darin lag die Gefahr, selbiges in den Sand zu setzen. Um das nicht zu tun, musste sich Jackson zu einem großen Teil an den Massengeschmack, den Zeitgeist, ranschmeißen. Das muss man nicht mögen, aber zu ändern ist es nicht. Die Alternative wäre gewesen, es sein zu lassen. (ok, ok, ich vermute hier finden sich gewiss einige, die genau das bevorzugt hätten ...)

Ich bleibe mal bei Faramir. Es fällt ja auf, dass er eine Zeitraffer-Charakterentwicklung durchmacht: Am Anfang fast ein zweiter Boromir, am Ende von TTT schon mehr oder weniger der Buch-Faramir. Jackson hat die Bedeutung von Faramir also zumindest teilweise verstanden, ihn aber trotzdem abgeändert. Die Zeit die man in der SEE von TTT verwendet, Faramirs Verhältnis zu Boromir zu beschreiben, hätte man auch dazu nutzen können, den vermeintlich unrealistisch edlen Faramir korrekt einzuführen. Die Veränderung ist in meinen Augen dennoch keine Willkür. Dadurch, dass PJ die Geschichte chronologisch erzählt fällt der Höhepunkt des vierten Buchs, Cirith Ungol, in den dritten Teil. Die Reise von Frodo, Sam und Gollum in den Zwei Türmen endet auf einmal mit dem Abschied von Faramir und ein echter Spannungshöhepunkt fehlt. Also musste künstlich einer geschaffen werden. Faramir wurde zum Hindernis für den Ringträger und verschleppt ihn nach Osgiliath wo ihn beinahe ein Nazgul erwischt (Mein Lieblingszitat, Sam:"Wir sollten gar nicht hier sein, Herr Frodo.", ach nee...). Das Ergebnis ist nicht logisch, weicht furchtbar vom Buch ab und ist im Endeffekt auch nur überschaubar spannend, aber ich kann zumindest nachvollziehen, warum Jackson keine andere Wahl sah. Sich am Original zu halten wäre an dieser Stelle für den Durchschnittszuschauer unbefriedigend gewesen.

Genau wie die Krege-Übersetzung des Herrn der Ringe. Doch bei einer Film-/Hörspiel/Spiel-Umsetzung bzw. Übersetzung eines Buches kommt es nicht auf den Zeitgeist an, ganz im Gegenteil - es geht um die korrekte Umsetzung.
Wieso nicht? Eine Umsetzung eines Buches sollte immer mit dem Buch verglichen werden. Wenn man den Anspruch erhebt, Bücher verfilmen zu wollen, sollte man auch die Bücher verfilmen, und nicht die Bücher verfälschen. Sicher gibt es immer mal Szenen, welche nicht exakt verfilmt werden können, aber eine Verfälschung des Buches lässt sich dadurch nicht rechtfertigen.
Eine Übersetzung und eine Adaption sind etwas vollkommen verschiedenes. Bei einer Adaption, sei es für Leinwand oder Bühne, überträgt man eine Geschichte in eine vollkommen anderes Medium, nicht nur in eine andere Sprache. Natürlich ist nicht alles, was Jackson getan hat gutzuheißen, aber wenn man jeder Verfilmung das Original gegenüberstellen würde, würde nur sehr wenig übrigbleiben.

Ich habe am Sonntag "Fight Club" gesehen. Zweifelsohne ein guter Film, aber wenn man das Buch im Hinterkopf hat kommt man aus dem Augenrollen kaum noch heraus.

Das witzige an der Krege-Übersetzung ist ja, dass noch nicht einmal der Zeitgeist getroffen wird. :-O

Für mich ist der Filmcharakter viel interessanter und vielschichtiger als der im Buch, der nur ein oberflächlicher Helden-Prototyp ist. Nicht mal Aragorn im Film ist so ein perfekter Held. Das ist zwar alles nicht Tolkien-gemäß, aber dem Zeitgeist entsprechend: ""Gebrochene Helden" sind interessanter als sterile Superhelden.
Eben. Das ist die Fehleinschätzung. In ein "Genre Fantasy" hätte Tolkien sich nie eingliedern können -die anderen Geschichten seiner Zeit die darin Platz gefunden hätten (wie z.B. Conan) sind radikal anders im Stil. Das Genre, in dem Tolkien sich platzieren wollte ist nicht mehr "Fantasy" als das Nibelungenlied, das Rolandslied oder die Hervararsaga "Fantasy" sind. Wir haben es nicht mit "sterilen Superhelden" zu tun, sondern mit charakterlichen Archetypen.
Das ist jetzt Spekulation, aber kann es sein, dass der "gebrochene Held" oder "Antiheld" ein moderner Archetyp ist? Der Held, der Fehler hat und somit menschlich und zugänglich ist? Die archaischen Archetypen entsprachen in ihrer Entstehungszeit ja auch dem damaligen Zeitgeist. Es ist interessant wie sich beispielsweise der Charakter Siegfrieds in den verschiedensten Versionen innerhalb von 1500 Jahren immer wieder verändert hat, und dem jeweils regierendem Zeitgeist, teilweise unbewusst, angepasst wurde.

Tolkien hat keine Fantasy geschrieben. Er hat eine Geschichte im Stil alter Sagen verfasst und dadurch das Genre Fantasy (mit-)begründet. Tolkien hat eigentlich gegen den Zeitgeist geschrieben, weshalb auch lange niemand das noch archaischere Silmarillion verlegen wollte. Die meisten Fantasy-Werke nach Tolkien halten sich an den Zeitgeist.

Ich entschuldige mich für das fiese Doppel-Zitieren und schließe mit den Worten:

Zeitgeist ist der einzige Geist, der nicht wehtut.

(Wenn ich mich nur erinnern könnte, woher ich dieses Zitat kenne :kratz: )

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Was ist daran hä?

Ich hätte den Artikel gerne auf deutsch gelesen. Ist ja schön, dass du so gut englisch kannst. Ich kann es nicht.

Für mich ist HdR ein Fantasy-Roman, nicht mehr und nicht weniger. Ein exzellent geschriebener Fantasy-Roman. Aber Tolkien ist nicht die Bibel. Sicher wollte er eine Art Saga schreiben in der Art wie das Nibelungenlied, Beowulf usw... Das Fantasy-Genre existierte ja zu dieser Zeit noch nicht. Tolkien hat es sozusagen erst erschaffen mit seinem Werk. Trotzdem finde ich, dass man nicht zuviel in Tolkiens Bücher hineininterpretieren sollte. Ich habe ja schon einige Stuß-Bücher darüber gelesen, wie z.B. "Jungfrauen im Nachthemd und blonde Krieger aus dem Westen".

Excalibur kenne ich nicht.

Wenn ein Regisseur ein Buch verfilmt, dann kann er sich auch die künstlerische Freiheit nehmen und seine eigene Interpretation daraus machen. Ich behaupte mal, dass man Tolkiens Symbolik in einem Film nicht so verwirklichen kann. Die Filme sind nun mal eine "Massenware", für ein Millionenpublikum ausgerichtet, das vorher größtenteils noch nie was von HdR gehört hat. Deswegen hatte man PJ wohl auch Daumenschrauben angesetzt, eine hollywood-taugliche Story daraus zu machen und die Charaktere insoweit auch abzuändern. Dass das auch teilweise in die Hose ging, will ich gar nicht abstreiten. Für mich war es ein Fehler, Kankra in den 3. Teil hineinzunehmen. Damit fehlt in TTT ein spannender Höhepunkt im Hobbit-Erzählstrang und in ROTK fielen dann wichtige andere Szenen heraus. Am besten, man hätte Kankra gleich ganz weggelassen.

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Das ist durchaus möglich. Jackson wollte in erster Linie die Geschichte verfilmen, die Symbolik war ihm zumindest egal.

Die Symbolik ist aber TEIL der Geschichte. Eine Geschichte ist mehr als nur Charaktere und Plotelemente.

Man muss bedenken, dass es ein ungeheuerliches Budget benötigt hat, das Buch zu verfilmen. Darin lag die Gefahr, selbiges in den Sand zu setzen. Um das nicht zu tun, musste sich Jackson zu einem großen Teil an den Massengeschmack, den Zeitgeist, ranschmeißen. Das muss man nicht mögen, aber zu ändern ist es nicht. Die Alternative wäre gewesen, es sein zu lassen. (ok, ok, ich vermute hier finden sich gewiss einige, die genau das bevorzugt hätten ...)

Toll, soll heissen: Weil die Leute da draussen alle dumme Ignoranten sind machen wir nur noch Filme für dumme Ignoranten? Ich denke nicht, dass eine derartige Geringschätzung der Zuschauer besonders sinnvoll ist.

Die Veränderung ist in meinen Augen dennoch keine Willkür. Dadurch, dass PJ die Geschichte chronologisch erzählt fällt der Höhepunkt des vierten Buchs, Cirith Ungol, in den dritten Teil. Die Reise von Frodo, Sam und Gollum in den Zwei Türmen endet auf einmal mit dem Abschied von Faramir und ein echter Spannungshöhepunkt fehlt. Also musste künstlich einer geschaffen werden. Faramir wurde zum Hindernis für den Ringträger und verschleppt ihn nach Osgiliath wo ihn beinahe ein Nazgul erwischt (Mein Lieblingszitat, Sam:"Wir sollten gar nicht hier sein, Herr Frodo.", ach nee...). Das Ergebnis ist nicht logisch, weicht furchtbar vom Buch ab und ist im Endeffekt auch nur überschaubar spannend, aber ich kann zumindest nachvollziehen, warum Jackson keine andere Wahl sah. Sich am Original zu halten wäre an dieser Stelle für den Durchschnittszuschauer unbefriedigend gewesen.

Was du sagst läuft letzten Endes darauf heraus, das Jackson Änderungen machen musste, weil er Änderungen gemacht hat. Damit aber wird die Änderung zum reinen Selbstzweck.

Eine Übersetzung und eine Adaption sind etwas vollkommen verschiedenes. Bei einer Adaption, sei es für Leinwand oder Bühne, überträgt man eine Geschichte in eine vollkommen anderes Medium, nicht nur in eine andere Sprache.

Siehe mein englisches Zitat weiter oben:"The canons of narrative art in any medium cannot be wholly different..."

Natürlich ist nicht alles, was Jackson getan hat gutzuheißen, aber wenn man jeder Verfilmung das Original gegenüberstellen würde, würde nur sehr wenig übrigbleiben.

Sicher. Die Frage ist aber, ob der Filmemacher etwas herausgearbeitet hat oder ob er etwas hineingearbeitet hat, was vorher nicht da war.

Das ist jetzt Spekulation, aber kann es sein, dass der "gebrochene Held" oder "Antiheld" ein moderner Archetyp ist? Der Held, der Fehler hat und somit menschlich und zugänglich ist? Die archaischen Archetypen entsprachen in ihrer Entstehungszeit ja auch dem damaligen Zeitgeist. Es ist interessant wie sich beispielsweise der Charakter Siegfrieds in den verschiedensten Versionen innerhalb von 1500 Jahren immer wieder verändert hat, und dem jeweils regierendem Zeitgeist, teilweise unbewusst, angepasst wurde.

Tolkien hat keine Fantasy geschrieben. Er hat eine Geschichte im Stil alter Sagen verfasst und dadurch das Genre Fantasy (mit-)begründet. Tolkien hat eigentlich gegen den Zeitgeist geschrieben, weshalb auch lange niemand das noch archaischere Silmarillion verlegen wollte. Die meisten Fantasy-Werke nach Tolkien halten sich an den Zeitgeist.

Ja, die meisten. Die meisten davon sind auch Ramsch. Nettes Zeug um sich die Zeit zu vertreiben, aber nicht mehr. Dagegen stehen Autoren wie Ursula LeGuin und andere, die eben NICHT ihr Werk auf dem Altar des Kommerzes opfern und der breiten Masse geben was die breite Masse eben haben will, sondern denen es darauf ankommt, eine Geschichte zu schreiben, die sich nicht in Trivialitäten verliert. (Mal ein Beispiel aus dem Bereich Science Fiction: Es ist nunmal ein Unterschied, ob ich über Heftromane rede, oder über Stanislav Lem oder Isaac Asimov.) Und wenn der "gebrochene Held" ein moderner Archetyp ist, was tut's zur Sache? Moderne Archetypen haben ihren Platz unter den Hobbits -und da finden wir ja auch den gebrochenen Helden. Die anderen Charaktere sollen eben gerade NICHT modern sein, sondern nicht zuletzt illustrieren, das auch das Alte noch die Menschen berühren kann. Wenn ich aber alles Alte weichspüle und modernisiere, dann verhindere ich, dass Tolkien eines seiner Kernanliegen erreicht. Mehr noch: Ich gebe Wasser auf die Mühlen derer, die Tolkien in einem Atemzug mit Groschenromanen nennen.

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Für mich ist HdR ein Fantasy-Roman, nicht mehr und nicht weniger. Ein exzellent geschriebener Fantasy-Roman. Aber Tolkien ist nicht die Bibel.

Für manche mögen Tolkiens Schriften aber heiliger sein als die Bibel. Denn Tolkien erschuf nicht nur einen Fantasy-Roman. Wenn jemand die Bibel in so einer Weise abändern würde, dann würde die halbe Welt auf den Regisseur einprügeln. Diejenigen jedoch, welche nichts auf den Sinn der Bibel geben, würden sich nicht darüber mokieren, sondern einfach nur den Film toll finden (wenn er denn toll gemacht wurde).

Das gleiche gilt bei Tolkien. Diejenigen, welche den Sinn hinter LotR kennen und verstehen, sehen auch wie grausam dieser mißhandelt wurde.

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Ich hätte den Artikel gerne auf deutsch gelesen. Ist ja schön, dass du so gut englisch kannst. Ich kann es nicht.

Das kann man auch anders ausdrücken.

"Die Maßstäbe erzählerischer Kunst können nicht in jedem Medum vollständig andere sein."

Für mich ist HdR ein Fantasy-Roman, nicht mehr und nicht weniger. Ein exzellent geschriebener Fantasy-Roman. Aber Tolkien ist nicht die Bibel. Sicher wollte er eine Art Saga schreiben in der Art wie das Nibelungenlied, Beowulf usw... Das Fantasy-Genre existierte ja zu dieser Zeit noch nicht. Tolkien hat es sozusagen erst erschaffen mit seinem Werk.

Falsch. Ich verweise nochmal auf Robert E. Howards Conan und vergleichbares Material (Fritz Leiber etc.) Das Genre"Weird Fiction", was Fantasy-, SF- und Horrorgeschichten von z.B. Lovecraft abdeckte, hatte damals mit "Weird Tales" sogar schon ein eigenes Magazin, in dem regelmäßig Geschichten veröffentlicht wurden. Nur: Tolkien hatte mit all dem nichts zu tun.

Trotzdem finde ich, dass man nicht zuviel in Tolkiens Bücher hineininterpretieren sollte. Ich habe ja schon einige Stuß-Bücher darüber gelesen, wie z.B. "Jungfrauen im Nachthemd und blonde Krieger aus dem Westen".

Dann solltest du weniger Stuß lesen und lieber was vernünftiges. Jackson ist der, der HINEINinterpretiert. Lies doch mal Shippey. Oder Jane Chance. Oder, oder, oder. Ach so, du willst ja englische Literatur beurteilen, ohne Englisch zu könne. Dann bleibt dir aber immer noch Shippeys "Autor des Jahrhunderts", denn der ist übersetzt worden. Wenn du dich hauptsächlich mit Ramsch beschäftigst, solltest du trotzdem nicht davon ausgehen, dass es nur Ramsch gibt. Es gibt im Übrigen auch auf Deutsch genügend akademisches Material -z.B. das auch in diesem Forum schon zitierte Jahrbuch der DTG, Hither Shore,

Wenn ein Regisseur ein Buch verfilmt, dann kann er sich auch die künstlerische Freiheit nehmen und seine eigene Interpretation daraus machen.

Nur hat Jackson das nicht gemacht. Eine Interpretation muss sich immer am Text rechtfertigen. Wer Material eines anderen umsetzt hat eben KEINE vollständige künstlerische Freiheit. Wer Freiheit will, soll selber schaffen.

Ich behaupte mal, dass man Tolkiens Symbolik in einem Film nicht so verwirklichen kann.

Ich habe bereits das Gegenteil gezeigt. Im Übrigen, wenn ich nicht alles verwirklichen kann, dann wenigstens einen Teil, und ich sollte erkenntlich machen, dass ich den Rest verstanden habe.

Die Filme sind nun mal eine "Massenware", für ein Millionenpublikum ausgerichtet, das vorher größtenteils noch nie was von HdR gehört hat. Deswegen hatte man PJ wohl auch Daumenschrauben angesetzt, eine hollywood-taugliche Story daraus zu machen und die Charaktere insoweit auch abzuändern. Dass das auch teilweise in die Hose ging, will ich gar nicht abstreiten. Für mich war es ein Fehler, Kankra in den 3. Teil hineinzunehmen. Damit fehlt in TTT ein spannender Höhepunkt im Hobbit-Erzählstrang und in ROTK fielen dann wichtige andere Szenen heraus. Am besten, man hätte Kankra gleich ganz weggelassen.

Das kann PJ aber nicht. Kankra ist ein riesiges Monster. PJ LIEBT riesige Monster. Hast du dir schonmal überlegt, wie der Höhlentroll sich durch Moria bewegt hat, wenn er durch keinen Türrahmen passt? Hast du dir schonmal überlegt, wie man Mumakil von dieser Größe überhaupt halten kann? Riesige Monster sind für PJ Selbstzweck, und um nichts in der Welt würde er sie sich entgehen lassen.

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Toll, soll heissen: Weil die Leute da draussen alle dumme Ignoranten sind machen wir nur noch Filme für dumme Ignoranten? Ich denke nicht, dass eine derartige Geringschätzung der Zuschauer besonders sinnvoll ist.
Vielleicht habe ich das etwas zu drastisch formuliert. Es ist aber leider eine Tatsache, dass man ohne Berücksichtigung der dummen Ignoranten nicht genügend Leute ins Kino kriegt um eben ein derart riesiges Budget wieder rein zu kriegen, oder dies zumindest befürchten muss. Wann war zuletzt ein nicht massen-tauglicher Film wirklich erfolgreich? Das ist leider nicht zu ändern. Unterm Strich hat Jackson die Kurve eigentlich ganz gut gekriegt. Wieviele Oskars haben die drei Filme zusammen bekommen, 17?

Was du sagst läuft letzten Endes darauf heraus, das Jackson Änderungen machen musste, weil er Änderungen gemacht hat. Damit aber wird die Änderung zum reinen Selbstzweck.
Ich glaube nicht, dass die Erzählreihenfolge, die Tolkien verwendet, im Film funktioniert hätte. Also: Cirith Ungol muss in den dritten Teil, da es da chronologisch hingehört. Also: Scheinbare Notwendigkeit Faramirs Charakter zu ändern. Eine Änderung bedingt die andere, das ist noch kein Selbstzweck. Zumindest nicht an dieser Stelle. Ich sehe allerdings auch Stellen, die vollkommen unmotiviert verändert wurden (s.o.).

Siehe mein englisches Zitat weiter oben:"The canons of narrative art in any medium cannot be wholly different..."
Ist das aus den Briefen? Bei allem Respekt vorm Meister, die Meinung teile ich nicht so ganz...

Und wenn der "gebrochene Held" ein moderner Archetyp ist, was tut's zur Sache?
Tut gar nichts zur Sache, war eigentlich fast OT :schaem: .

Wenn ich aber alles Alte weichspüle und modernisiere, dann verhindere ich, dass Tolkien eines seiner Kernanliegen erreicht. Mehr noch: Ich gebe Wasser auf die Mühlen derer, die Tolkien in einem Atemzug mit Groschenromanen nennen.
Da hast du leider, leider Recht. So toll die Filme, meiner Meinung nach, auch geworden sind, dem Ansehen des Buches haben sie eher geschadet. Ich erinnere mich an die vielen abwertenden Blicke als der Herr der Ringe bei den 50 besten Büchern auf Platz 1 landete...

Mit diesem Ruf kämpft allerdings auch das gesamte Genre, die Fantasy noch mehr als die Science Fiction.

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So, ich wollte eigentlich nichts zum Thema sagen, aber irgendwie MUSS das jetzt sein. :bengel:

Ich kann die Bibel auch "spannender" erzählen, indem ich eine Splatterpunk-Geschichte draus mache -Tote gibt's genug. Ob ich dem Stoff damit gerecht werde, ist eine andere Frage. Ich kann das neue Testament auch spannender machen, indem ich aus Jesus einen Aufwiegler mache, der die mühsam errichtete Pax Romana bedroht, einen Aufrührer, der sich nicht scheut, die Massen zur Schlachtbank zu hetzen. Ob ich dem Charakter und dem Stoff damit gerecht werde ist eine andere Frage.

Komm mir nicht mit dem Vergleich zwischen der Bibel und HdR! :grummel:

Ich habe bereits das Gegenteil gezeigt. Im Übrigen, wenn ich nicht alles verwirklichen kann, dann wenigstens einen Teil, und ich sollte erkenntlich machen, dass ich den Rest verstanden habe.

Tut mir mir Leid, ich verstehe diese Aussage nicht ganz. :kratz:

Das kann PJ aber nicht. Kankra ist ein riesiges Monster. PJ LIEBT riesige Monster. Hast du dir schonmal überlegt, wie der Höhlentroll sich durch Moria bewegt hat, wenn er durch keinen Türrahmen passt? Hast du dir schonmal überlegt, wie man Mumakil von dieser Größe überhaupt halten kann? Riesige Monster sind für PJ Selbstzweck, und um nichts in der Welt würde er sie sich entgehen lassen.

Dass PJ Monster mag, weiss spätestens seit King Kong jedes Kind. :-O

Aber ist dir mal in den Sinn gekommen, dass es auch eine ganze Menge anderer Leute giebt, denen riesige Monster gefallen? Und dieses Leuten ist es vollkommen egal, ob sich ein Mumak von dieser Grösse halten kann oder nicht.

Noch eine Frage:

Bist du der Meinung, dass die Szene in RotK, als Legolas bei der Schlacht auf den Pellenor-Feldern einen Mumak tötet und Gimli ihn mit "Der zählt trotzdem nur als Einer!" anfährt, überflüssig und unpassend ist?

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Weil ein himmelweiter Unterschied zwischen den beiden Büchern besteht. HdR ist ein Roman, eine erfundene Geschichte, die zur Unterhaltung dient. (Natürlich eine extrem fantasievolle und tiefgreifende Geschichte, ja eigentlich ist es eine ganze Welt, die der Genialität eines Mannes entsprungen ist.)

Edited by Beleg Langbogen
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So, ich wollte eigentlich nichts zum Thema sagen, aber irgendwie MUSS das jetzt sein. :bengel:

Komm mir nicht mit dem Vergleich zwischen der Bibel und HdR! :grummel:

Tolkien selbst hat Szenen aus HdR mit Elementen aus der Bibel verglichen, willst du ihn belehren, was er mit HdR zu tun und zu lassen hat?

Tut mir mir Leid, ich verstehe diese Aussage nicht ganz. :kratz:

Welche, es sind mehrere:

A)Ich habe bereits gezeigt, dass die Symbolik durchaus durchführbar ist -das zerbrochene Schwert findet sich in mindestens einem anderen Film als Symbol, und jener Film ist auch sonst sehr symbollastig (Parzival entledigt sich unter Wasser seiner Rüstung, damit er (fast) nackt vor den Gral treten kann; das Land siecht, wenn der König siecht und blüht wieder auf, wenn der König wiederauflebt; Merlin als Traum etc.)

B)Niemand bezweifelt, dass man nicht alle Symbole so gut rüberbringen kann, sei es aus Zeitgründen, sei es, weil ein Symbol im Film nicht so wirkt -das heisst aber nicht, das man einfach mal kurz alles über Bord wirft

C)Wenn man die Symbole nicht bringt, dann sollte das, was man bringt, zeigen, dass man ihre Bedeutung für die Geschichte verstanden hat.

Aber ist dir mal in den Sinn gekommen, dass es auch eine ganze Menge anderer Leute giebt, denen riesige Monster gefallen? Und dieses Leuten ist es vollkommen egal, ob sich ein Mumak von dieser Grösse halten kann oder nicht.

Ist dir auch mal in den Sinn gekommen, dass es auch eine ganze Menge anderer Leute gibt, die Groschenromane für das Beste seit der Erfindung des Rades halten? Muss ich Groschenromane deswegen toll finden? Muss ich ihnen literarische Qualität zuschreiben, nach dem Motto: Millionen Fliegen können nicht irren?

Noch eine Frage:

Bist du der Meinung, dass die Szene in RotK, als Legolas bei der Schlacht auf den Pellenor-Feldern einen Mumak tötet und Gimli ihn mit "Der zählt trotzdem nur als Einer!" anfährt, überflüssig und unpassend ist?

Ich verweise auf meine Begründung meiner ursprünglichen Weigerung, hier näher auf meine Ablehnung der Filme einzugehen.

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Weil ein himmelweiter Unterschied zwischen den beiden Büchern besteht. HdR ist ein Roman, eine erfundene Geschichte, die zur Unterhaltung dient. (Natürlich eine extrem fantasievolle und tiefgreifende Geschichte, ja eigentlich ist es eine ganze Welt, die der Genialität eines Mannes entsprungen ist.)

Wenn man aber von der Verfilmung/Umsetzung/Interpretation eines Werkes spricht, dann tut es nichts zur Sache, ob nun eine Geschichte aus religiösen, wissenschaftlichen und unterhaltungstechnischen Gründen niedergeschrieben wurde.

Eine Verfälschung des Inhalts bleibt eine Verfälschung des Inhalts. Deswegen kann man meiner Meinung nach auch einen Vergleich zur Bibel hinzuziehen.

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Weil ein himmelweiter Unterschied zwischen den beiden Büchern besteht. HdR ist ein Roman, eine erfundene Geschichte, die zur Unterhaltung dient. (Natürlich eine extrem fantasievolle und tiefgreifende Geschichte, ja eigentlich ist es eine ganze Welt, die der Genialität eines Mannes entsprungen ist.)

Die Bibel, bzw. Teile daraus, sind bereits mehrfach verfilmt worden. Im Übrigen gibt es ein paar Milliarden Menschen auf der Erde, für die die Bibel auch eine mindestens in Teilen erfundene Geschichte ist.

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  • 2 weeks later...

Die Filme sind wirklich gut, besonders die SEE. Gute Schauspieler. Christopher Lee und vor allem Ian Mc Kellen sind einfach genial. Aber an die Bücher kommen sie auf keinen Fall heran.

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Guest Unknown_X

Die Filme sind wirklich gut, besonders die SEE. Gute Schauspieler. Christopher Lee und vor allem Ian Mc Kellen sind einfach genial. Aber an die Bücher kommen sie auf keinen Fall heran.

Das sehe ich genauso.Ich habe die Filme zuerst gesehen,und danach erst die Bücher gelesen.Die Filme sind ohne Zweifel genial,meiner Meinung nach,perfekte Schauspieler,denen die Rollen wie auf den Leib geschneidert zu scheinen.Aber die Bücher sind einfach besser,ganz klar.

Man könnte die Bücher auch nie so detailliert verfilmen,das ist unmöglich.

Greetz,

Unknown_X

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Ich finde auch die Bücher viel eindrucksvoller!

Aber auch die filme (extended version) sind gut gemacht ;-)

Edited by xerocs
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Guest Túrin Turambar

Genau meine Meinung!

Die Filme hätten viel länger sein müssen, um auch nur annähernd an den Detailreichtum der Bücher heranzukommen - dann wären es aber wahrscheinlich nicht mehr so gute Filme geworden, vor allem keine kommerziell erfolgreichen!

Dennoch glaube ich auch, dass die Filme fast das ganze potential für einen Film ausgeschöpft hat.

Aber an die Bücher kann man einfach nicht herankommen.

Edited by Túrin Turambar
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Ich möchte mal Bernd Eichinger zitieren, aus einem Interview bezüglich der neuen Buchverfilmung "Elementarteilchen":

AP: Der Stoff galt bislang als unverfilmbar. Wie lange hat es gedauert, Sie vom Gegenteil zu überzeugen?

Eichinger: Man musste mich nicht überzeugen - im Gegenteil. Seit vielen Jahren sagt man, dass es Vorlagen gibt, die nicht verfilmbar sind. Beispielsweise jetzt bei «Parfum». Natürlich konnte man «Elementarteilchen» nicht eins zu eins verfilmen. Deshalb war auch die Arbeit am Drehbuch eine sehr intensive. Das hat relativ lange gedauert. Man muss selbstverständlich vorher genau herausarbeiten, wo die Kernstücke eines Romans sind.

Die Frage aber, ob Jackson die Kernstücke von HdR herausgearbeitet hat, muss ich für mich und nach der Sekundärliteratur, die ich gelesen haben, mit "nein" beantworten. Er hat die Schale gezeigt, nicht den Kern.

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Guest Túrin Turambar

Da hast du recht.

Zum Teil haben die Drehbuchschreiber auch Dinge hereininterpretiert, die einfach so nicht im Text stehen oder denen Tolkien anderswo widersprochen hat. Das hat dann auch mit den zahlreichen Änderungen zusammen, die sie vorgenommen haben.

In der SEE sagen sie zum Beispiel, dass Freundschaft das wichtigste an HdR sein, obwohl Tolkien selbst gesagt hat, dass eher die Vergänglichkeit des Lebens wichtig ist. Deshalb durfte Sam im Film auch nicht mit in Kankras Lauer, da man ja den Bruch in der Freundschaft betonen wollte.

Auch in den anderen Filmen gibt es viele Änderungen, die mir nicht gefallen, wie, dass die Elben nach Helms Klamm kommen.

Statt solcher Sachen hätte ich mir eher mehr Tiefgang, zum Beispiel mehr Vermittlung der Hintergründe oder mehr Lieder/Gedichte, gewünscht.

Trotzdem bleibe ich dabei, auch wenn ich nicht mehr so sehr von den Filmen überzeugt bin, dass die Filme das Potential sehr gut ausschöpfen.

Edited by Túrin Turambar
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Statt solcher Sachen hätte ich mir eher mehr Tiefgang, zum Beispiel mehr Vermittlung der Hintergründe oder mehr Lieder/Gedichte, gewünscht.

Klar, das hätten wir uns alle gewünscht. Aber für "normale" Kinogänger wäre es nicht sehr ansprechend gewesen (ich behaupte jetzt einfach mal, dass beispielsweise 90 Prozent der Kinobesucher mit dem Namen "Earendil" nichts anfangen können). Und PJ musste natürlich auch auf den kommerziellen Erfolg seines Filmes achten. :-)

Mich haben eher ander Sachen geärgert, die überflüssig waren (eg. Aragorns Sturz nach dem Kampf mit dem Wargreiter, das Nichtbeachten der geographischen Lage des Anduin, nachdem Aragorn und Co die Pfade der Toten verlassen etc.)

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Dem schließe ich mich voll und ganz an. Wer betrachtet Gedichte oder Lieder (Volkslieder) denn noch als zeitgemäß? Das hätte niemanden, außer die Tolkienfans angesprochen oder jedenfalls durfte er es mit der Anzahl der Lieder nicht übertreiben. Deswegen ist Herr der Ringe auch eher zum Actionfilm mutiert, denn anders hätte PJ nie ein so breites Publikum erreicht, denn so spricht er die Fans an und die Ottonormal-Kinogänger.

Da wären ihm nur zwei Möglichkeiten geblieben, wenn er den Film anders hätte machen wollen: Entweder Schulden machen, weil der Film kein Erfolg gewesen wäre oder aber diesen Film gar nicht erst produzieren. Und da bin ich doch froh, dass es den Film gibt und er so ein Erfolg war.

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Guest Túrin Turambar

Ich habe ja bereits in meinem Beitrag davor gesagt, dass ich finde, dass die Filme sehr gut sind, auch wenn sie nicht so detailreich sind.

Ich habe außerdem gesagt, dass sie andernfalls nicht erfolgreich gewesen wären. Das ist mir alles klar, deshalb bin ich mit den Filmen ja auch vollkommen zufrieden.

Mein letzter Beitrag war eher auf Tyelkormo bezogen. Er hat recht, die Kernstellen wurden nicht alle gezeigt, stattdessen anderes, das ich für überflüssig oder sogar schlecht halte, wie ich auch zu zeigen versucht habe.

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Mich haben eher ander Sachen geärgert, die überflüssig waren (eg. Aragorns Sturz nach dem Kampf mit dem Wargreiter, das Nichtbeachten der geographischen Lage des Anduin, nachdem Aragorn und Co die Pfade der Toten verlassen etc.)

Den Sturz finde ich nicht so daneben, er zeigt eben wie dramatisch der Kampf ist, und er ermöglicht das wunderschöne Tor-Aufreiß-Bild nachher. Außerdem gehört es halt zur Eowyn-Handlung, für die PJ sich nun mal entschieden hat. Was mich immer ärgert, ist die frauenfeindliche Kartoffelsuppen-Szene - in jeder Beziehung daneben! :mecker:

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Klar, das hätten wir uns alle gewünscht. Aber für "normale" Kinogänger wäre es nicht sehr ansprechend gewesen (ich behaupte jetzt einfach mal, dass beispielsweise 90 Prozent der Kinobesucher mit dem Namen "Earendil" nichts anfangen können). Und PJ musste natürlich auch auf den kommerziellen Erfolg seines Filmes achten. :-)

PJ hat etliche derartige Details in den Film reingebracht, wo sie absolut nichts zur Handlung beitragen (z.B. Barahirs Ring) Das Problem ist eben m.e. gerade, dass er den Film voll mit Belanglosigkeiten gesteckt hat nach dem Motto "Nah, wer hat's gesehen?" aber die Substanz der Geschichte an der Oberfläche abgehobelt hat.

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Den Sturz finde ich nicht so daneben, er zeigt eben wie dramatisch der Kampf ist, und er ermöglicht das wunderschöne Tor-Aufreiß-Bild nachher. Außerdem gehört es halt zur Eowyn-Handlung, für die PJ sich nun mal entschieden hat. Was mich immer ärgert, ist die frauenfeindliche Kartoffelsuppen-Szene - in jeder Beziehung daneben! :mecker:

Einspruch!!!! :mecker:

Wenn ich mich recht entsinne ,ist irgendwo in den Büchern auch von den (nicht gerade berauschenden :-O )

Koch- "fähigkeiten" Eowyns die Rede!

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