Wir haben ja bereits darüber gesprochen, dass die Umschreibung „three Elven-kings“ im Ringgedicht je nach Interpretation nicht unbedingt Anspruch auf historische Korrektheit oder eine im wissenschaftlichen Sinn korrekte Terminologie erheben kann. Ich bin nun allerdings neulich anderenorts auf eine Theorie gestoßen, die dieses Problem auflösen möchte. Ihr zur Folge stimmen die drei Könige aus dem Ringgedicht durchaus mit drei, während der Erschaffung der Ringe der Macht lebenden Elbenkönigen überein. Neben Gil-galad als Hochkönig der Noldor, seien dies Oropher als Gründer des Waldreichs und Amdír von Lórien. Rückblickend betrachtet scheint mir das formal zuzutreffen, allerdings gibt es mehrere Einwände. Zum einen wurde Amdír erst sehr spät ins Werk aufgenommen, genau genommen erst als Tolkien die Geschichte von Galadriel und Celeborn ausarbeitete. Als Tolkien das Ringgedicht schrieb, konnte er diese drei also nicht gemeint haben. Natürlich kann man sagen, dass auch eine nachträgliche Überarbeitung die Gültigkeit dieser Theorie nicht unbedingt wiederlegt. Wir hatten bereits gesehen, wie das Ringgedicht zahlreiche Überarbeitungen der Geschichte unverändert überdauerte und mit einer alternativen Lesart in Einklang gebracht werden konnte. Diese veränderte Lesart ist allerdings belegt. Zum anderen erscheint mir fraglich, ob die Beziehungen zwischen den Noldor, insbesondere dem Haus Fëanors, und den Sinda derart waren, dass Celebrimbor zwei der Drei für die Grauelben reserviert haben könnte. Für mich liegt es näher zu vermuten, dass Tolkien die drei Häuser der Noldor im Sinn hatte, als er das Ringgedicht schrieb und deshalb - da es Galadriel noch nicht gab - ganz allgemein von drei Königen sprach. Aber bestimmt gibt es noch andere Sichtweisen.