Was zuvor geschah: Anariel erreichte Isengard und begann den Aufstieg in den Turm. Sie wachte auf dem Schlachtfeld auf und bemerkte, dass alle Orks tot waren und sie gerade so überlebte. Mit letzter Kraft hievte sie sich auf ihr Pferd, das einen Unterschlupf suchte.
Post 4
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Die Frau befand sich in schwindelerregender Höhe und hielt sich mit Händen und Füßen an den spitzen, herausragenden Zacken Orthancs fest. Zwischen ihr und dem sicheren Erdboden war bereits eine große Distanz, sodass sie ein Fall sicherlich umbringen würde. Eine falsche Bewegung, ein Ausrutscher und es wäre vorbei! Zum Glück erreichte sie jedoch bald schon ein offenes Fenster. Unter diesem befand sich eine Art Gitter, sodass sie sich daran hochziehen, und dann in den Turm einsteigen konnte. Endlich war sie an ihrem Ziel angelangt. Beinahe jedenfalls, denn nun galt es das Licht am Ende des Tunnels zu finden. In der Schwärze des Turms, den weißen Zauberer! Saruman!
Nachdem sie so leise sie es vermochte - und Anariel war geübt darin, mucksmäuschenstill zu sein - durch die Gänge und Zimmer des Turms schlich, führte sie ihr Weg immer weiter nach unten, ehe sie am Ende einen großen Raum erreichte, zu dem sie von einer Art Empore, die eigentlich nichts weiter als ein Fenster war, herabsah. Es war zweifellos das Herzstück des Turms. In der Mitte des Raumes befand sich ein schwarzes Podest, das der Form nach in etwa der des Turms entsprach. Darauf ruhte eine kleine, schwarze Steinkugel, die ihr sehr bekannt vorkam: ein Palantír!
Vom Podest aus, in gerader Linie an der Wand gegenüber, war ein weit in die Höhe reichender, übergrößer Thron, auf welchem der weiße Zauberer still saß. An die Wand gelehnt daneben, befand sich sein langer, schwarzer Zauberstab, mit der unverwechselbaren, weißen Kugel in der gezackten Krone. Was Saruman dort machte, konnte Anariel nicht ausmachen. Aber er schien sie bisher nicht bemerkt zu haben. Das Blut in ihren Fingern begann zu brodeln. Sie fasste langsam an ihren Gürtel und zog vorsichtig einen Dolch hervor. Egal wie, sie musste ihre Waffe in ihr Ziel bohren und diesem Scheusal, das sie alles gekostet hatte, ein für alle Mal ein Ende bereiten! Sie war so kurz davor!
Dann verging die Stille. ''Ich habe dich bereits erwartet'', sprach die tiefe Stimme des Zauberers, ohne, dass dieser sich zu ihr umdrehte, sie ansah, oder augenscheinlich entdeckte. Für Anariel fühlte es sich aber so an, als wären alle Blicke auf sie gerichtet und die Stimme dröhnte in ihrem Kopf, als hätte er wieder Besitz von ihr ergriffen. Wie eine gewaltige Orgel hallte die Stimme in diesem hohen Raum. Ihr Echo wurde von allen Seiten reflektiert und auf sie wie ein Pfeilhagel gefeuert. Saruman hatte sie sicherlich entdeckt und ihr Überraschungsmoment war dahin! Ein eisiger Schauer lief ihr den Rücken herunter und sie spürte ein Gefühl der Angst in ihr aufkochen. Große Angst! Sie schloss ihre Augen...
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...und öffnete diese wieder. Sie fand sich erneut in einer unbekannten Situation und an einem unbekannten Ort wieder. Unter ihr war jedoch etwas Bekanntes: der warme und weiche Rücken ihres Pferdes. Sie umklammerte es fest, als gäbe es ihr irgendwie Lebenskraft zurück. Sie erinnerte sich nun auch, was zuvor passierte. Ihr treuer Begleiter hatte sie vom Schlachtfeld aus in Sicherheit gebracht und ein geschütztes, sicheres Lager für sie gefunden. ''Danke'', sagte sie schwach. Es war das erste Wort, dass ihr seither über die Lippen kam und es war mit großer Anstrengung verbunden.
Das Erste und Lebensrettende, was Anariel danach tat, war ihr letztes Proviant herunterzuwürgen und einen großen, einzigen Schluck von ihrem Wasserschlauch zu nehmen. Danach waren alle ihre Vorräte aufgebraucht. Aber das spielte nun keine Rolle, denn wenn sie überleben wollte, dann musste sie jetzt alles daran setzen und konnte nicht rationieren. Wenn sie überlebte, dann würde sie später noch die Gelegenheit bekommen, alles wieder aufzufüllen. Die Dunkelheit hatte bereits eingesetzt, da spürte sie hinter all den Schmerzen und der Kraftlosigkeit, dass doch ein wenig Leben in sie zurückgekehrt war und sie nutzte dies, um ein kleines Feuer zu machen.
Nun saß sie zusammen mit ihrem vierbeinigen Begleiter am wärmenden Feuer und zog ihr Schwert aus den Flammen heraus. Die Spitze glühte in tiefem orange und eine kleine Flamme tanzte auf der Klinge. Sie hielt das kalte, spiegelklare Ende vor ihr Gesicht und musterte sich kurz in dessen Glanz. Sie erkannte zwischen all dem getrockneten Dreck und Blut, die sich beide in ihrem Gesicht auch wie eine Bemalung vermischt hatten, lediglich eine lange Wunde, die an ihrer Stirn begann, durch ihr Auge und dann schräg an der Wange herunterlief und etwa in der Mitte aufhörte. Zum Glück war diese nicht zu tief und blutete nicht mehr. Sie würde aber sicherlich eine Narbe hinterlassen. Mittlerweile war der Schmerz, den sie zuerst im ganzen Köper fühlte, verschwunden und sie begann einzelne, eher gezielte Schmerzen zu empfinden. Ihr Körper glich einem Schlachtfeld. Weiter unten an diesem spürte sie einen sehr starken Schmerz, der wahrlich nichts Gutes erahnen ließ! Sie zog ihr zerfetztes Unterhemd bis unter die Brust hoch und erschrak. Drei tiefe und lange Wunden klafften schräg ihren Bauch entlang und bis zu ihrer Hüfte. So tief, dass es einem Wunder gleich kam, dass sie wieder aufgewacht war. Es war ein noch größeres, dass sie es bis hierher geschafft hatte!
Sie hielt einen Moment inne und presste die glühende Spitze des Schwertes nacheinander gegen die Wunden, schrie nach jedem Mal noch lauter, bis alle geschlossen waren. Dann wand sie sich an Ihr Reittier und meinte sarkastisch: ''Ich glaube, dass nun kein Mann mehr möchte, dass ich ihm ein Kind schenke!'' Daraufhin konnte sie ihr Schwert nicht mehr halten und es fiel auf den Boden. Anariel sackte zusammen und blieb regungslos neben Ross und Feuer liegen.