Im Zeitalter der Influencer, bei denen man sich eine vorgefertigte Meinung abholen kann, ist das doch nicht verwunderlich. Besonders im englischsprachigen Raum, wo Meinungsmacher mit großer Reichweite auf Twitter, YouTube & co. wie Nerdrotics sich als 'kritische Beobachter der Popkultur' betrachten. Deren Content lässt sich wohl mit 'Heutzutage ist alles schlecht!' und 'Es gibt keinerlei Raum für Grauzonen!' zusammenfassen. Ein/e Twitter-User/in hat es vor kurzem meiner Ansicht nach auf den Punkt gebracht; "Heutzutage ist alles 'männlich' oder 'politisch' - 'heterosexuell' oder 'politisch' - 'weiß' oder 'politisch'." Auch deswegen darf man nicht müde werden zu betonen, in welch einer Gesellschaft man sich befindet, wenn man diesen Menschen zuhört oder gar zustimmt. Man spricht von #RespectTheLore, hat aber einen Kulturkampf auf dem Rücken Tolkiens im Sinn. Differenzierte Töne, Individualität oder Selbstreflexion ob der eigenen Privilegien sind dort nicht erwünscht.
Am Beispiel von Mariana Rios Maldonado, einem Mitglied der Tolkien Society und der LGBTQ+-Community, zeigt sich der komplette Wahn- und Irrsinn. Nach Aussagen, die sie bezüglich Tolkien und der anstehenden Prime-Serie tätigte, wurde sie über Social Media - so scheint es - von einigen Irren physisch bedroht. Kurze Zeit später sperrte sie ihren Twitter-Account zum Teil für neue Follower und Kommentare. Auch Corey Olsen, besser bekannt als "Tolkien Professor", setzt sich auf Twitter regelmäßig mit einigen dieser Irren auseinander. Dabei ist seine Geduld und Professionalität immer wieder bewundernswert. Für alle, die ein Interesse an seinen und den differenzierten Sichtweisen auch von Dr. Maggie Parke haben, sei deren Podcast Other Minds and Hands(mittwochs um 22.00 Uhr MEZ) auf YouTube und Twitch zum Thema Tolkien Adaptionen (auch der anstehenden Prime-Serie) wärmstens zu empfehlen.
Zur Frage des Threads: Ich denke, dass der menschliche Verstand zu weitaus mehr fähig ist, als stets nur einen 'Daumen hoch' oder einen 'Daumen runter' zu verteilen - zumindest sollte er es im Idealfall sein. Und wenn man sowohl Peter Jacksons Adaptionen, als auch The Rings of Power voneinander, aber auch von Tolkiens Werken separiert, als jeweils eigenständig/koexistent betrachtet, muss man es nicht so heiß essen, wie es gekocht wird. Das eine wird das andere nicht verändern.