Sowohl das eine als auch das andere kann so oder so aussehen. Wenn man jemanden Überfällt, nimmt man auch nicht einfach den nächsten der vorbei kommt, man beurteilt die Lage nach den Äusserlichkeiten wie Kleidung, Schmuck, aber vor allem auch nach Geschlecht und Hautfarbe. Vermutlich ist niemand so dämlich und überfällt einen zwei Meter grossen Afro-Amerikaner, zumindest nicht allein. Ist auch Rassismus, wenn auch zu wohle der normalerweise diskriminierten. Die Polizei geht ähnlich vor, sie suchen sich einfach gerne die "Schwachen" raus, die, von denen sie annehmen, dass sie keinen Rechtsschutz haben, oder kein Geld für einen Anwalt oder was auch immer. Oft ist es leider so, dass sie besser davon kommen, wenn sie jemanden einer Randgruppe anpeilen.
Es ist ja nicht so, als würden die Polizisten nur Schwarze und Syrer oder was auch immer angreifen. Ebenso sind es Obdachlose und Junkies, oft auch junge Damen die alleine sind und und und. Aber diese Fälle ziehen halt nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich, Rassismus ist halt viieel spannender und schlimmer. Das Problem liegt nicht am Rassismus, sondern, wie ich es nenne, am "Kleiner-Sch****-Syndrom". (Weiss nicht ob ich solche Worte verwenden darf, darum die Sternchen). Sie fühlen sich einfach stärker und mächtiger, wenn sie Schwächere drangsalieren und verletzen können oder gar dürfen. Würde es diesen Polizisten nicht an Liebe, Respekt oder Selbstwertgefühl mangeln, da bin ich mir ganz sicher, würden sie den Rassismus auch ganz bald sein lassen.
Das ist meiner Meinung nach die Rechtfertigung. Ich spreche aber vom Grund des Individuums. Normalerweise sind das irgendwelche Existenzängste. Geht auch in das hinein was Du gesagt hast, man fühlt sich unter seinesgleichen oft wohler. Aber der Unterschied ist, dass bei einer Segregation ein gesellschaftliches Ding läuft. Die Gesellschaft baut sich aus dem Individuum auf. Wenn jetzt also viele Leute einer Gesellschaft Angst haben, andere Leute nehmen ihnen das Hab und Gut oder Land weg, dann greift das auf die Gesellschaft über. Wenn die Gesellschaft so denkt, sieht man statt zum Nachbarn zum Nachbarsvolk. Oder auch beides. Nur, dass der Futterneid beim Nachbarn den meisten egal ist, während es unter Gesellschaften Rassismus genannt wird. Bekämpft man jetzt aber den Rassismus, weitet sich das Problem nur aus. Das sieht man ja sehr gut in Amerika gerade. Die Ku-Klux-Klans und Nazigruppen dort haben mehr Zulauf als seit langer Zeit und sie können auch immer mehr Aktionen machen. Es ist wie in der Physik, eine Kraft wirkt immer in beide Richtungen. Würde man jetzt aber nicht aktiv den Rassismus bekämpfen, sondern diesen ständigen Futterneid, hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe.
Aber ich sehe schon, ich sollte wahrscheinlich aufhören, in diesem Thread zu schreiben. Ich denke, viele von Euch, die hier das hier lesen, beschäftigen sich so gut wie nur damit, was Rassismus für Symptome hat. Gewalt und Diskriminierung, mehr gibt's da nicht, oder? Zumindest habe ich sehr das Gefühl, den Antworten nach. Es ist natürlich einfach, etwas als Quatsch ab zu tun, wenn es den eigenen Horizont übersteigt. Darum bitte ich euch alle: Macht euch eigene Gedanken zu diesem Thema, aber mehr, als nur Nachrichten lesen und das erste was euch dazu in den Sinn kommt ist auch Richtig. Rassismus ist ein sehr vielschichtiges Thema, auf Vorurteilen basierend, welche zwar als schlecht angesehen werden, evolutionstechnisch aber sehr wertvoll waren. Klar kommt die Zeit, wo man sich anpassen muss und ablegen, was nicht mehr gebraucht wird. Dennoch sind sie in unseren Genen (noch) verankert. Ich finde das ein sehr Interessantes Thema, über das man viel debattieren, philosophieren und Gedanken austauschen kann. Aber ich werde mich aus diesem Thread hier zurück ziehen, da er mir zu öffentlich ist. Wenn jemand gerne über dieses Thema spricht, ohne einen festen Standpunkt zu vertreten (was in Diskussionen übrigens selten hilfreich ist) und auch gerne mal unkonventionelle Gedanken darüber hören und teilen möchte, darf natürlich gerne persönlich auf mich zu kommen. Euch anderen stelle ich noch eine letzte Frage (Antworten lese ich gerne, werde aber selber nicht mehr darauf antworten): Was habt ihr das Gefühl, was Rassismus nachhaltig bekämpfen kann? Etwa Demos? Alle Nazis abmurksen? Misstrauische, fremdenfeindliche (nicht direkt rassistische) und uninteressierte Menschen dazu zwingen, sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen statt sie in Frieden leben zu lassen?
Und ich wollte bezüglich Horizont und so niemanden beleidigen. Aber 70% von dem, was mir erwidert wurde, könnte mir auch ein Kind über Rassismus sagen. Dafür, dass Ihr guten Leute Rassismus für so ein grosses Thema haltet, redet Ihr ziemlich oberflächlich darüber. Auch ich halte es für ein grosses Thema, aber so wie's aussieht, mache ich mir mehr komplexe Gedanken, die diesem grossen Thema würdig sein könnten.
Wer braucht Nuancen, wenn es Vielschichtigkeit gibt.