Meiner Meinung nach verstärkt der Ring die Gier, die Gier nach Macht, Reichtum, Größe und er verstärkt auch den Ehrgeiz.
Da kommt er halt bei Hobbits an die falschen Geschöpfe. Denn in Hobbits steckt nur sehr wenig Ehrgeiz und auch nur rudimentäre Gier und wenn ist es eher Gier nach Bier (ups das reimt sich sogar) und nicht die Gier nach Macht.
Ich stelle mir das ein bisschen so vor, als würde der Ring Ultraschall aussenden. Menschen sind da eher wie Fledermäuse und hören ihn dann, während bei Hobbits nur sehr wenig ankommt. Dieses wenige braucht dann sehr viel Zeit um zu verändern.
Smeagol hat entsprechend dem beispiel ein Talent zum Hören hoher Frequenzen. Er hat eine Disposition, eine Anfälligkeit für den Ring.
Aber der Ring bewirkt auch bei Smeagol nicht das, was vorgesehen ist. Statt sich mit Hilfe des Rings an die Spitze seiner Gesellschaft zu setzen und Macht auszuüben und zu Unterdrücken, versteckt sich Smeagol unter dem Berg, wird zu Gollum und nützt dem Ring gar nichts.
Hobbits und Ring, das funktioniert nicht im Sinne des Erfinders.
So ist also Frodo schon mal ein Stück weit geschützt vor der Verführung.
Er ist halt leider nicht geschützt vor der Last.
Ich weiß nicht, ob jemand von euch schon einmal mit Leuten mit Depressionen zu tun hatte. Diese Menschen empfinden alles als sehr anstrengend. Schon das Aufstehen morgens wird zu einem Kraftakt, jeder Schritt ist belastend und kostet viel Energie.
Ich habe immer gedacht, dass Frodo den Ring in etwa so empfindet. Und je näher der Ring der Vernichtung kommt, je mehr er sich sträubt von Frodo getragen zu werden, desto schlimmer wird die Last.
Deswegen bestreitet Frodo keinen Kampf, deswegen kümmert er sich nicht um den Proviant, er hat einfach keine Kraft dafür übrig. Er steckt sozusagen in einer tiefen Depression. Anfangs ist es noch nicht so schlimm, deswegen findet er genug Energie um ohne Sam über den See zu wollen, aber je länger Frodo den Ring trägt, desto schlimmer wird es.
Frodo fühlt sich mit Gollum verbunden, aber ich glaube nicht, dass sie ähnliches durchmachen. Denn für Gollum ist der Ring ja nicht direkt eine Last, eher Gesellschaft und Trost in der Dunkelheit. Frodo hat nur keinen anderen von dem er denkt, sie wären sich ähnlich. Mit der Veränderung seiner Gefühlswelt fühlt Frodo sich ganz allein auf der Welt, sehr weit weg von den anderen Hobbits.
Also ist alles, an was er sich klammern kann Gollum. Er versteht nicht, dass der Ring für ihn anders wirkt als für Smeagol, erstens weil die charakterlichen Grundvorraussetzungen ganz andere sind und zweitens weil die Ziele für den Ring ganz andere sind. Aber diese Parallele, den Ring zu besitzen, lässt Frodo eine Verbindung spüren und stellvertretend für sich für Gollum hoffen. Frodo kann sich im Augenblick nicht selber retten, aber wenn er es schafft, Gollum zu retten, dann kann er sich nach der Mission vielleicht selbst retten, dann gibt es Hoffnung für ihn.
Gollum kann man meiner Meinung nach nicht retten. Tatsächlich sehe ich es ein bisschen als Logikfehler, dass er nicht wie Bilbo nach Verlust des Rings schneller nachaltert. Was will man für ein Geschöpf, das 500 Jahre über seine eigentliche Lebensspanne hinaus gelebt hat noch für Zukunftspläne schmieden?
Frodo jedenfalls mag ich, weil er tapfer kämpft. Nicht wie Sam gegen äußere Feinde, sondern gegen Innere. Das sieht man nicht gleich so offensichtlich, ist in meinen Augen trotzdem bewundernswert.