Stimmt, Literatur und Kino sind komplett unterschiedliche Dinge. Sehe ich genauso.
Nur bin ich mir sicher, dass mir die HdR-Filme auch nicht sonderlich gefallen würden, wenn ich die Bücher nicht kennen würde.
Ich finde allerdings, dass sie sehr gute Unterhaltung auf Popcorn-Niveau bieten. Und vielleicht brauchen sie auch gar keine andere Rechtfertigung.
Mir gefällt bspw. der erste Alien-Teil hundertmal besser als der zweite Teil, obwohl der zweite Teil in Sachen Action einiges mehr zu bieten hat. M.E. ist der erste Alien-Teil ein cineastisches Meisterwerk, auf den zweiten Teil trifft das genauso eher nicht zu. Ich weiß noch, wie in den 90er Jahren in Foren darüber diskutiert wurde, wer den HdR denn nun verfilmt. Ist da nun doch irgendwie Disney daran beteiligt oder nicht … usw. Da gab es auch Diskussionen über den Regisseur. Mit Jackson hätte da niemand gerechnet (Braindead).
Unverfilmbar galt er v.a. deshalb, weil die Nachlassverwalter von Tolkien gewisse Ansprüche hatten und der HdR in den 80er und 90ern eher unpopulär war. Damit war ein riesiges Risiko bei einer Verfilmung verbunden. Zudem war die Technik nicht so ausgereift, Massenszenen möglichst kosteneffizient zu erzeugen.
Das ist immer das Problem bei Gratwanderungen - man will (oder muss) es allen recht machen. In dem Fall musste man das Massenpublikum bedienen, damit sich der Film rentiert. Das kann man wirtschaftlich durchaus nachvollziehen.
Ich werde aber wohl nie begreifen, warum die von euch genannten Banalitäten so krassen Einzug in den Film nehmen durften.
Jackson verfilmte die Bücher so, wie sie geschrieben sind. Das Tolle an Tolkien ist ja, dass er in wenigen Sätzen beim Leser ein Bild (z.B. einer Landschaft) im Kopf erzeugt, wo gar nicht so viel relevanter Spielraum bleibt. Einige finden das langweilig, ich schätze das sehr.
Jackson (un natürlich sein Team) ändern und kürzen aber an manchen Stellen die offensichtlich von Tolkien ungemein geschätzte Continuity zur Unlogik, die dabei gewonnene Zeit wird mit selbstgeschriebenen, teilweise haarsträubenden Abläufen und vollkommen überzogenen Action-Szenen und v.a. grauseligen Dialogen gefüllt . Da sollten meines Erachtens auch die Fans kritischer sein, zumal Tolkien vermutlich selbst nicht mit diesen Filmen zufrieden gewesen wäre. Ja, ja, ich weiß: wer weiß das schon …
Hätten die Filme nicht so viele Fremdscham-Szenen, würden sie mir übrigens auch besser gefallen. Wenn ich z.B. einem Freund den ersten Alien-Teil zeigen würde, würde ich in vielen Szenen gespannt auf seine Reaktion warten, weil ich da viele Stellen absolut „cool“ finde.
Das gibt’s leider bei den Hdr-Filmen gar nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn ich an die Zeitraffer-Szenen am Fluss denke, den dämlichen Gesichtsausdruck von Elrond in Bruchtal bei der Besprechung (als die feixen Mithobbits doch auch so gerne mitkommen wollen), oder die unvermeidliche Arwen mit ihrem entstellenden Backenschrämmchen an der Furt die witzfigurigen, relativ harmlos wirkenden Reiter anflüstert – das ist für mich wirklich irgendwie Fremdscham hoch hundert. Das ist so blöde uncool umgesetzt, dass es mir den Spaß am gesamten Film rauben kann? Wie ein schlechter Witz in einer Komödie, der mir den Spass an einem ganzen Film nehmen kann. Und das sind nur kurze Szenen, die mir jetzt spontan einfallen.
Naja, jetzt habe ich mal meine Meinung v.a. zum ersten Teil geäußert.
Ich stelle mir echt die Frage, wie gut die Filme hätten werden können, wenn ein wirklich guter Regisseur die Filme gemacht hätte (Kubrick, Spielberg, Annaud, etc.). So jemand mit wirklich eigener Handschrift...