Man kann an dieser Diskussion sehr schön sehen, finde ich, dass die Beurteilung von Filmelementen davon abhängt, welche Erzähltheorie man selber hat.
Ich selber käme nicht auf die Idee, von Filmen oder Erzählungen grundsätzlich zu fordern, dass Personen individuell dargestellt werden müssen. Das entspricht einer bestimmten Auffassung von Erzähltheorie, die nicht allgemeingültig ist.
Ich selber bin aber auch nicht besser: ich habe von der HdR-Verfilmung Innovation erwartet und empfand gähnende Langeweile, weil man, wie ich damals empfand, einfach nur das Buch nachgeäfft hat.
Eigentlich ist meine Theorie, dass man Filmen und Erzählwerken nicht die eigene Erzähltheorie aufdrückt und sich beschwert, dass die Macher andere künstlerische Wege gegangen sind, sondern dass man erst mal versucht, den Film daraufhin zu untersuchen, welche Erzähltheorie ihm zugrunde liegt.
Irgendwann werde ich die HdR-Verfilmung daraufhin auch mal untersuchen, derzeit leide ich immer noch unter dem Schock, dass diese Verfilmung null Inspiration in mit hat wecken können.
Die Hobbit-Verfilmung aber hat mich von Anfang an fasziniert, weil da eben so gar nicht die klassische Erzähltheorie bedient wird, sondern - auf mich - eher surreal gewirkt hat. Insofern kann ich da auch keinen Kitsch sehen bei Tauriel.
Und schon gar nicht kann ich darum von der Taurielgestaltung erwarten - siehe meinen Beitrag weiter oben zu gathames Ausführungen - , dass Tauriel sich dem historischen Mittelalter gemäß zu verhalten habe und nicht modern zu sein habe.
Denn die gesamte Hobbit-Verfilmung war meinem Empfinden nach eine Antwort auf Fragen der realen Gegenwart (Was geschieht, wenn man Anspruch auf ehemalige Gebiete erhebt?), und sie hat mit surrealer Bildgestaltung gearbeitet.