Noch mal zu Boromir, auch wenn das hier eigentlich OT ist inzwischen: ich habe mir den Text noch mal angesehen und versucht mir vorzustellen wie er auf mich wirken würde wenn ich den Film nicht vorher gekannt hätte. Und meinem Eindruck nach ist dieser Text schon darauf angelegt dass man als Leser wenigstens einen ganz leisen Verdacht gegen Boromir entwickeln soll, wenn das auch lange nicht so deutlich gemacht wird wie in der Filmszene. Dass Boromir darauf besteht den Ring als Hilfsmittel zu benutzen und sich davon auch nicht abbringen lässt, das ist natürlich einerseits schon sehr nachvollziehbar. Es ist ihm halt verzweifelt wichtig Gondor zu schützen, und er ist ja nun mal von allen Anwesenden derjenige der rein geografisch am nächsten "dran" ist an der Bedrohung durch Mordor. Andererseits ist da dieses nebenbei erwähnte "Glitzern" in den Augen über das man schnell hinweg liest. Da steckt schon die Gefahr drin dass Boromirs Bedürfnis sein Land zu schützen "umkippt" und zu etwas Anderem, Gefährlicherem werden könnte. - Die Frage welcher von den späteren Chronisten dieses "Glitzern" beobachtet haben könnte, halte ich eher für zweitrangig; die Bemerkung musste einfach rein in den Text, egal auf welchem Weg. Aber wenn man es schon fragt, dann ist Bilbo am ehesten derjenige dem ich diese Beobachtung zutraue.
So wie die Szene im Buch beschrieben ist halte ich es für gut vorstellbar dass Elrond an Boromirs Reaktion nichts findet das ihn misstrauisch machen könnte. In der Filmversion allerdings ist es auch für Elrond unübersehbar. Aber das spielt insofern keine Rolle als Elrond da nicht entscheidet wer sich den Gefährten anschließt. Und nachdem er die Teilnahme von Gandalf, Aragorn, Legolas und Gimli abgenickt hat, kann er Boromir ja nun nicht gut ablehnen.
Was übrigens die Verheiratung von Arwen betrifft: wenn ich mich da jetzt richtig erinnere ist das weniger ein Rassismus- als ein Standesproblem: "Sie steht zu hoch für dich" (oder so ähnlich). Ich glaube mich zu erinnern dass Elrond im Buch Aragorn erklärt, er könne Arwen nur dann bekommen, wenn er König von Gondor und Arnor würde, das müsste irgendwo in den Anhängen stehen. Und als Aragorn König geworden ist bekommt er Arwen dann ja auch problemlos. - Übrigens, bitte nicht vergessen: Aragorn ist mit Elrond verwandt, er ist ein sehr, sehr entfernter Neffe gewissermaßen. Aragorn stammt von den Königen von Númenor ab, und der erste König von Númenor war Elronds Bruder Elros, der sich als Halbelb für das sterbliche Leben der Menschen entschieden hatte.
- Aber zurück zum Thema. Eigentlich ging es ja um die frage ob Tolkien Rassist war. Um das beurteilen zu können müsste man genaugenommen wesentlich mehr seiner Texte kennen als es bei mir der Fall ist, ich kenne halt nur "Herr der Ringe" wirklich gut. Und wenn man an diese Frage von "Herr der Ringe" aus herangeht, dann muss man eigentlich nicht bei den "freien Völkern" anfangen, sondern eben gerade bei den "unfreien Völkern", denn wie die Gegner geschildert werden ist meist viel aufschlussreicher als wie die Verbündeten geschildert werden. Die Hauptgegner sind nun mal praktisch die Orks. Und die sind in dieser Hinsicht natürlich auch ein Problem weil sie offenbar kein normales Volk darstellen das sich auf normalem Wege entwickelt hat, sondern weil sie wenigstens teilweise das Ergebnis von Zuchtexperimenten zu sein scheinen. Aufschlussreicher könnte da die Beschäftigung mit der Frage sein wie die menschlichen Völker dargestellt werden die sich mehr oder weniger freiwillig mit Sauron verbündet haben.