Eindeutig Herr der Ringe, schon alleine von der Buchvorlage.
Herr der Ringe hat für eine Filmtrilogie eine ausreichende Buchvorlage (man musste ja sogar noch viel rauslassen), in der die Charaktere sind für mich ausgearbeiteter und tiefer sind. Die Hobbit-Trilogie hat ein dünnes Büchlein mit kaum ausgearbeiteten Charakteren (z.B. haben die Zwerge ja nicht wirklich irgendwelche Eigenschaften, die sie auch nur ansatzweise unterscheidbar machen. Thorin sticht hervor weil er der Chef ist und Bombur weil er dick ist. Am besten finde ich ja Bards Einführung - motzend im Hintergrund, dann wird beiläufig erwähnt, dass er edler Abstammung ist und er tötet den Drachen). Dem Film hätten ein paar Stunden und Teile weniger besser getan - ein Film hätte vermutlich ausgereicht. Aber da sieht man halt auch, wie wichtig es ist, die richtige Länge für den Film zu bekommen - anfangs war ja HDR auch als ein Film geplant. Und das wäre wohl kolossal schief gegangen, wenn man versucht hätte, dieses Mammutwerk in einen Film zu quetschen. Deutlicher Punkt für Herr der Ringe.
Dazu kommt noch, dass Herr der Ringe mehr "bodenständig" wirkte - da gabs wenig Nachbearbeitung, die Schauspieler sind in Rüstung durch die Natur gerannt (z.B. Sean Bean, da meinte Jackson halt auch meiner Erinnerung nach in einer SEE, dass es sowas bei einer Hollywood-Produktion nicht geben würde, das ein Schauspieler so lange Strecken in voller Montur rennen würde. Und man sehe die ganze Emotion auf Beans Gesicht). Der Hobbit wurde - sei es weil es nun "State of the Art" ist oder sei es aus anderen Grüden - viel mehr mit Greenscreen gedreht, es gab weitaus mehr CGI (man denke an die Kostüme aus HDR im Vergleich) und das ganze wirkt hollywoddesk glattgebügelt. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Hollywood auf dem Love Triangle bestand. Nach meiner Einschätzung hatte Herr der Ringe einfach die Freiheit, ein "Underdog" sein zu dürfen, an den kein großes Studio irgendwelche Erwartungen hatte.
Kommen wir noch schnell zu den nackten Daten:
The Fellowship of the Ring hatte ein Budget von 93 Millionen und spielte weltweit über 888 Millionen ein, The Two Towers und The Return of the King hatten ein Budget von jeweils 94 Millionen und spielten über 943 Millionen bzw. über 1,1 Milliarden ein.
An Unecpected Journey hatte ein Budget von 180 Millionen und spielte etwas über 1 Milliarde ein, Desolation of Smaug ein Budget von 191 Millionen und spielte etwas über 958 Millionen ein, Battle of the 5 Armies kostete zwischen 250 und 300 Millionen und spielte etwas über 956 Millionen ein.
Nach der Branchenverlustformel (Einspielergebnis/2 - Produktionskosten) waren also alle Filme kein Flop. Es ist aber interessant zu beobachten, dass bei Herr der Ringe nach dem ersten Teil die Einspielergebnisse stiegen, beim Hobbit war es genau umgekehrt (und ich glaube nicht, dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass die Karten für den Hobbit - vor allem mit 3-D-Aufschlag - wohl mehr gekostet haben als beim Herr der Ringe).