Nach dem Kampf gegen die Orks und den langen Diskussionen mit den neu angekommenen Elben zieht Eldanáro sich für eine Weile zum Nachdenken zurück. Die Neuigkeiten sind alarmierend und stellen ihn vor die schwerste Entscheidung dieser gemeinsamen Reise, die er gemeinsam mit den anderen angetreten ist. Zwei Verpflichtungen, denen er beiden nachgehen müsste, um die Ehre seines gegebenen Wortes zu wahren. Aber er kann nicht an zwei Orten zugleich sein. Er muss diese Entscheidung treffen, für die es kein Richtig und kein Falsch gibt.
Die Gruppe, die gemeinsam losgezogen ist, um das Kettenhemd nach Minas Tirith zu bringen, exisitiert schon längst nicht mehr in ihrer ursprünglichen Besetzung. Einige mussten gehen, andere kamen dazu. Ob das Kettenhemd je Minas Tirith erreicht, scheint unklarer denn je zuvor. Eldanáro würde alles tun, um diesen Auftrag zu erfüllen. Er weiß, dass er niemand anderem in der Gruppe vertrauen kann, den Auftrag schlussendlich auszuführen, denn jedes einzelne Mitglied kann plötzlich durch dringlichere Verpflichtungen ereilt werden, die die Weiterreise unmöglich machen.
Eldanáro hat immer gedacht, dass ihn dieses Schicksal nicht ereilen kann. Dass er frei sei, Mittelerde nach seinem Gutdünken zu bereisen, und deswegen einem Auftrag ohne Unterlass nachgehen könnte.
Die Ankunft seines Volkes hier hat ihn anderes gelehrt. Egal wie alt ich werde, ich kann immer noch etwas lernen, denkt er bei sich.
Schwer wird sein Herz, denn er weiß, dass er die Entscheidung bereits getroffen hat. Es gibt größere Aufgaben zu bewältigen, die er nicht vernachlässigen kann wegen des Geschenkes von einem Vater an den Sohn. Er kann und darf sich seiner Verantwortung gegenüber seinem Volk nicht entziehen.
Eldanáro blickt sich um. Sein Weg hat ihn, ohne dass er es bewusst wahrgenommen hätte, in den Wald an einen kleinen Fluss geführt. Er beugt sich herab, um von dem Wasser zu trinken. Dann geht er zurück ins Dorf und sucht seine Gefährten auf. Er findet einige von ihnen in der großen Halle, darunter Sullír, Waenhil und Nala.
Seine Miene wird ernst, als er auf die Gefährten zutritt. Einige sind verletzt worden, scheinen aber in stabiler Verfassung zu sein. Gerade in einer solch gefährlichen Situation, auf einer noch gefährlicheren Reise, gibt es keine Worte, die sinnvoll beschreiben könnten, wieso er seine Gefährten im Stich lassen muss.
"Freunde, ich bringe schlechte Nachrichten. Ich bin von Tauriel und ihrer Einheit hier, die uns zu Hilfe gekommen sind, aufgesucht worden, um König Thranduil bei einer strategischen Mission zu unterstützen. Ich habe leider nicht die Möglichkeit, diesen Hilferuf zugunsten unserer Reise abzulehnen. Sie brauchen mich in Grünwald. Düsterwald..."
Eldanáro hält kurz inne, sammelt seine Gedanken. "Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich nach der Mission zu euch zurückkehren werde. Aber die Zeiten sind gefährlich und unberechenbar. Wo ihr sein werdet, wie lange die Mission dauern wird, wie ich von eurem Ort erfahren könnte... es sind viele Faktoren, die ich nicht durchschauen kann. Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, und sei es erst, nachdem die Gemeinschaft ihr Ziel erreicht hat."
Er schließt die Augen und neigt den Kopf, berührt sanft mit der Hand seine Brust auf der Höhe des Herzens.
"Elbereth behüte euch, und Earendil scheine euch in der Dunkelheit mit seinem Licht."