Auch Garwulf überkommt Schwermut bei den vielen schlechten Nachrichten und seine Gedanken richten sich in weite Ferne. Seine Stimme ist ruhig als er von dem Fluss und dem Wasser darin spricht, als wäre es ein eigenes Lebewesen, ein Geist des Wassers der weit reisen und viel sehen kann. Eine seltsame Vorstellung, aber eine schöne, fast tröstliche. Denn auch wenn sie alle eines Tages vergangen und begraben sind, so fließ das Wasser immer weiter, springt gluckernd und fröhlich über die Steine und kümmert sich nicht um die Sorgen von vergänglichen Menschen.
Kaum jedoch hat sie ihn auf die Geräusche aufmerksam gemacht, wird aus dem stillen Dichter, der vorsichtige Krieger, als den sie ihn kennen gelernt hat. Er befreit sich von seiner Last, zieht sein Schwert und positioniert sich vor ihr, um sie schützen zu können. Bereit sich jedem Feind und jeder Gefahr zu stellen, fordert er denjenigen, der das Pferd gelenkt hat auf, sich zu erkennen zu geben.
Nala, die mit keiner Aufregung mehr gerechnet hat, weicht einen Schritt zurück und will Garwulf doch nicht allein lassen. Im Zweifel wird sie Hilfe aus dem Haupthaus holen, aber vielleicht es ist ja gar nicht notwendig.
Aus der Schwärze der Nacht schält sich der Umriss eines hoch gewachsenen Mannes, mit dunklen Haaren, dunklen Augen und dunklem Gewand. Er führt ein schönes, beeindruckendes Pferd an einer Leine, das schwer schnauft und nassgeschwitzt ist. Nala fällt es viel leichter das Tier einzuschätzen, als den Mann. Es scheint ein Hengst zu sein, mit langen, geraden Glieder die für einen schnellen Ritt taugen. Es ist eindeutig kein Ackergaul oder ein Kutschpferd und noch dazu wohl genährt und gut gepflegt. Das Zaumzeug scheint von guter Qualität, doch nicht zu edel oder protzig. Dies zu dem Bogen auf dem Rücken des Mannes gerechnet, steht vor ihnen wohl kein Händler oder Viehhirte. Vielleicht ein weit reisender Jäger oder ein Kundschafter? Nala versteht zu wenig von diesen Dingen um sich wirklich ein Bild machen zu können.
Der Mann spricht mit belegter Stimme, die von Erschöpfung nach einem harten Ritt zeugen könnte, davon, dass er und andere Überfallen wurden und er als einziger mit dem Leben davonkommen konnte. Er beteuert Hilfe zu suchen und keine bösen Absichten zu hegen. Vorsichtig geht Nala einen Schritt näher heran um ihr Gegenüber besser einschätzen zu können.
„Zeig uns dein Gesicht und verrate uns woher du gekommen bist“ verlangt die junge Frau, wie sie es bei anderen Begegnungen mit Fremden beobachtet hat. „Und wenn du wirklich ein Freund bist, so packe deine Waffen in die Taschen an deinem Pferd, damit wir deine guten Absichten sehen!“ fiel es ihr spontan ein.