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Alatariel

[1] Foreword/Vorwort

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Alatariel

Euch allen ein frohes neues Jahr!

Hier geht es nun los mit der Besprechung von The Fall of Arthur (Übersetzung von Hans-Ulrich Möhring: König Arthurs Untergang).

In diesem Thread soll das Foreword/Vorwort besprochen werden.

Allgemeine Informationen zur Aktion "Gemeinsam Tolkien Lesen" an sich finden sich hier, speziell zur Leserunde über The Fall of Arthur gibt es hier weitere Informationen.

Neue Diskussionsteilnehmer sind jederzeit willkommen!

Viel Spaß bei der Diskussion.

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Alsa

Obwohl ich das Buch noch nicht gelesen habe, habe ich auf einigen Internet-Seiten die Information gefunden, dass "Arthur" vermutlich in den Dreißiger Jahren entstanden ist, wohl noch vor dem Beginn der Arbeit am "Hobbit". Und der "Hobbit" soll ja auch zu dieser Zeit begonnen worden sein.

Das lockt mich nun, das Buch zu lesen und hier zu diskutieren, denn mich interessiert der frühe Tolkien. Ich möchte gerne Aspekte dafür, warum Tolkien überhaupt mit dieser Form der Literatur begonnen hat. 

Und vielleicht ist da gerade was im "Vorwort" zu finden?

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Aelfwine
Am 2.1.2018 um 20:38 schrieb Alsa:

Das lockt mich nun, das Buch zu lesen und hier zu diskutieren, denn mich interessiert der frühe Tolkien. Ich möchte gerne Aspekte dafür, warum Tolkien überhaupt mit dieser Form der Literatur begonnen hat. 

Und vielleicht ist da gerade was im "Vorwort" zu finden?

Ja, da wirst du fündig (falls du das Buch noch nicht haben solltest), wenn auch nur knapp.

Mir fehlt im Moment leider die Zeit, näher darauf einzugehen – unter anderem, weil ich meinen ersten Post für diesen Thread vorbereite. Aber vielleicht ist da draußen jemand, der da schnell mehr beisteuern kann. Da hätte ich z.B. Berenfox in Verdacht… ;-)

 

Tolkiens Beschäftigung mit dem Stabreim begann schon relativ früh, natürlich auch bedingt durch sein Studium/seinen Beruf. Zu dem Thema findest du einiges in den folgenden Büchern:

1.     Tolkien, The Legend of Sigurd & Gudrún.

2.     Tolkien, Beren and Lúthien.

3.     The History of Middle-earth (U.a.: Bd. 3: The Lays of Beleriand).

4.     Tolkien, Beowulf. A Translation an Commentary together with Sellic Spell.

Vermutlich auch in der Carpenter-Biographie und den beiden Shippey-Büchern „Road to Middle-earth“ und „Author of the Century“. Und ein Blick in „The J.R.R. Tolkien Companion and Guide“ von Scull & Hammond lohnt sich in der Regel auch. Da gibt es auf jeden Fall einen Eintrag zu „Poetry“.

bearbeitet von Aelfwine

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Alsa

Ich habe das Buch inzwischen, das Vorwort auch schon ein paarmal gelesen und einiges andere im Buch überflogen.

Ich bin froh, dass ich es gekauft habe, denn ich bin da tatsächlich auf Material gestoßen, das meine Lieblingsthemen betrifft. :-) Zum Stabreim werden wir bestimmt außerdem noch kommen. 

Danke schon mal für die Anregungen, Aelfwine.

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Aelfwine

So, dann will ich mal den Anfang machen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Vorwort, das Christopher Tolkien ziemlich knappgehalten hat, furchtbar viel Diskussionsstoff hergibt. Ganz im Gegensatz zum Thema „König Arthur/Artus“, dass als Forschungs-/Beschäftigungsfeld eigentlich kaum mehr zu überblicken ist.

Aber ich möchte hier einfach erstmal unsere Quellen (auf die teilweise im Vorwort bereits eingegangen wird) zusammenfassen, einschließlich der – möglicherweise nützlichen – Quellen Tolkiens und schließlich den Blick auf die Materie und evtl. brauchbare Vorlagen Tolkiens richten, bzw. hinweisen. Einiges muss ich erst (wieder-)lesen, ob es unseren Zwecken wirklich dient.

Ziel dieses Beitrags ist es, einen Grundstock für einen „Handapparat“ zu bilden, der bei der Lektüre und dem Verständnis von The Fall of Arthur hilfreich sein könnte, auch wenn das erst auf die hinteren Teile des Buchs zutreffen sollte.

Selbstredend kann es sich dabei nur um eine Auswahl handeln. Die Reihung der Titel ist weitgehend willkürlich und stellt keine Beurteilung des Inhalts dar. Teilweise gibt es die Werke auch von anderen Verlagen, aber ich habe jeweils die mir vorliegende Ausgabe angegeben. Viele davon sind vergriffen und bei jenen, von denen ich es mit Sicherheit weiß, habe ich es nach dem Verlag angegeben.

 

Noch etwas in eigener Sache: Die Artikelserie von Todd Jensen (Nr. 20 dieser Liste) besitze ich nicht. Hat die zufällig jemand und kann sie mir, oder uns, in irgendeiner Art und Weise zur Verfügung stellen?

Zu Nr. 7: Ich besitze nur die Ausgabe von 2006. Hat jemand die Neue? Oder noch besser beide und kann sagen , wie weit die sich voneinander unterscheiden?

 

An Primärquellen zu The Fall of Arthur/Tolkien und Arthur haben wir:

1.     Carpenter, Letters (Nr. 165 bezieht sich direkt auf The Fall of Arthur; König Artus wird in den Briefen häufiger erwähnt).

2.     Carpenter J.R.R. Tolkien. A Biography.

3.     Malory, Die Geschichte von König Artus und den Rittern der Tafelrunde (Insel Verlag).

4.     Brian Stone, King Arthur’s Death (Penguin, vergriffen; enthält den Alliterativ Morte Arthure und den Stanzaic Le Morte Arthur).

5.     Simon Armitage, The Death of King Arthur: A New Verse Translation (nur der o.g. Alliterativ Morte Arthure; liegt mir aber leider nicht vor).

6.     Tolkien, On Fairy Stories (ich benutze die Ausgabe hg. von Verlyn Flieger & Douglas A. Anderson).

 

Sekundärquellen zu The Fall of Arthur/Tolkien und Arthur:

7.     Scull/Hammond, The J.R.R. Tolkien Companion and Guide, Bd. 1: Chronology (1930, 1934, 1955), Bd. 2: Reader’s Guide. (Artikel: „Arthur and the Matter of Britain“!!!, „Beowulf“, „Chambers, Raymond Wilson“, „Poetry“).

8.     Mark Atherton, There and Back Again. J.R.R. Tolkien and the Origins of The Hobbit.

9.     Hammond/Scull, The Lord of the Rings. A Reader’s Companion.

10.  Carpenter J.R.R. Tolkien. A Biography.

11.  Shippey,  J.R.R. Tolkien. Author of the Century.

12.  Shippey, The Road to Middle-earth.

13.  Garth, Tolkien and the Great War.

14.  Hither Shore 3 (2006): History of Middle-earth.

15.  Hither Shore 4 (2007): Tolkiens kleinere Werke.

16.  Hither Shore 8 (2011): Tolkien und das Mittelalter.

17.  The History of Middle-earth (Bde. 3, 5, 9, 10, 12).

18.  Rateliff, The History of The Hobbit.

19.  Caughey, Old and Middle English Influences in The Fall of Arthur (In: The Journal of Inklings Studies; online abrufbar: http://inklings-studies.com/wp-content/uploads/2015/03/jis_3-2-10_caughey_on_tolkien_fall-of-arthur1.pdf).

20.  Todd Jensen, Tolkien and Arthur (in: Beyond Bree (erscheint monatlich), September 1988, November 1988, Juli 1992, September 1992, November 1992, Januar 1993, März 1993, April 1993).

 

Weitere Literatur zum Sagenkreis, seiner Entstehung, dem historischen Arthur und mittelalterliche Quellen:

21.  Simek, Artus-Lexikon. Mythos und Geschichte, Werke und Personen der europäischen Artusdichtung (Reclam; ganz hervorragendes Lexikon zum Sagenkreis!).

22.  Achnitz, Deutschsprachige Artusdichtung des Mittelalters. Eine Einführung (De Gruyter; geht auch auf die Entstehung ein).

23.  Brogstitter, Artusepik (Metzler, vergriffen; dito).

24.  Gottzmann, Artusdichtung (Metzler, dito).

25.  Ashe, König Arthur. Die Entdeckung von Avalon (Econ).

26.  Ashe, Kelten, Druiden und König Arthur. Mythologie der Britischen Inseln (Walter).

27.  Ohff, König Artus. Eine Sage und ihre Geschichte (Piper).

28.  Tolstoy, Auf der Suche nach Merlin. Mythos und geschichtliche Wahrheit (Diederichs Verlag oder auch Heyne).

29.  Langosch, König Artus und seine Tafelrunde. Europäische Dichtung des Mittelalters (Reclam, leider vergriffen; hervorragende Textsammlung, enthält u.a. auch eine deutsche Übersetzung des Artus-Teils der „Geschichte der Könige von Britannien“ von Geoffrey von Monmouth).

30.  Geoffrey of Monmouth, The History of the Kings of Britain (Penguin).

31.  Nennius, Historia Brittonum. Zweisprachige Ausgabe (Marix Verlag).

32.  Laymon, Brut (habe ich nicht und habe auch noch keine passende Ausgabe gefunden).

33.  Birkhan, Keltische Erzählungen vom Kaiser Arthur. 2 Bde. (Phaidon, vergriffen).

34.  Staines, The Complete Romances of Chrétien de Troyes (Indiana University Press).

35.  Fichte, Mittelenglische Artusromanzen (Hirzel).

 

Das muss jetzt erst mal reichen. Die Liste ist ohnehin schon länger geworden als ich dachte und wollte. Wenn mir noch etwas Wichtiges einfällt, werde ich es nachtragen… oder jemand anderes. 😉

Nochmals: das ist eine subjektive Auswahl an Literatur und sie erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, kann es auch gar nicht. Ich meine auch nicht, dass jeder alles lesen muss (das sprengt auch diesen Rahmen), aber das ein oder andere könnte durchaus weiterhelfen…

 

bearbeitet von Aelfwine

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Alsa
vor 15 Stunden schrieb Aelfwine:

 

 

Wow, Aelfwine, da hast Du ja schon mal sehr viel Arbeit und Kenntnis investiert. 

Ich selber, gestehe ich gleich zu Beginn, interessiere mich zu diesem Zeitpunkt nicht so sehr für die Artus-Tradition an sich, sondern für die Art und Weise der Umarbeitung durch Tolkien.

Natürlich müsste man theoretisch dazu eigentlich erst die alten Varianten alle kennen: aber dazu haben wir ja Christopher Tolkien, der in diesem Buch auf die Stellen hingewiesen hat, die Tolkien sozusagen neu erfunden hat,

Christopher deutet sogar vorsichtig den Grund für die Umarbeitung, und das gibt meines Erachtens guten Diskussionsstoff. 

Interessant ist für mich vor allem, dass Christopher in dem Buch darauf hinweist, dass sein Vater das Avalon der Artussage mit seinem Tol Eressea - vor allem in der HoME - gleichsetzt bzw. beide als zwei unterschiedliche Ausgestaltungen einer "Urwahrheit" auffasst. Wie weit diese Tatsache die Deutung des "Fall of Arthur" beeinflusst, ist für mich spannend zu untersuchen. 

Das würde dann ermöglichen, das "Mittelerde" Tolkiens ebenfalls nur als eine Ausgestaltung einer Grundsicht Tolkiens aufzufassen. Dazu bietet Christopher ebenfalls in diesem Buch Material, wenn er von Pseudohistorie etc. spricht.

 

Jetzt komme ich zu dem Vorwort selber:

  1. In dem Titel "The Fall of Arthur" schwingt für mich eine Zweitbedeutung mit, die in der Übersetzung "König Arthurs Untergang" nicht mitschwingt: nämlich dass es sich auch um den "Fall" des Arthur handeln könnte. Ich habe bisher keine Ahnung, ob es sich darum auch handelt, aber ich weiß, wie oft Tolkien von diesem "Fall" - in existentieller Hinsicht - in anderen Werken oder Briefen spricht. 
  2. Auf Seite 9/10 der deutschen Ausgabe zitiert CT aus einem Brief von 1955, in welchem Tolkien die Hoffnung äußert, das Gedicht noch zum Abschluss zu bringen. - Das könnte mit der Überlegung von CT, warum sein Vater das Werk nicht vollendet hat - weil die Idee der runden Welt und des Geraden Weges entstanden ist (S. 11 des Voworts mit Verweis auf S. 183 bis 188) - positiv oder negativ in der Dsikussion unterstützt werden.
  3. Christopher überlegt, wann das 'Werk begonnen sei. 1934 jedenfalls war es schon begonnen: das beweist ein Brief von Chambers (Vowort S. 10). CT vermutet, dass es 1931 begonnen wurde - falls ich das richtig verstanden habe. Seine Begründung finden wir auf Seite 11.

 

So weit erst mal.

bearbeitet von Alsa

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Torshavn
Am 6.1.2018 um 00:57 schrieb Aelfwine:

Ziel dieses Beitrags ist es, einen Grundstock für einen „Handapparat“ zu bilden, der bei der Lektüre und dem Verständnis von The Fall of Arthur hilfreich sein könnte, auch wenn das erst auf die hinteren Teile des Buchs zutreffen sollte.

 

Am 6.1.2018 um 00:57 schrieb Aelfwine:

Ich meine auch nicht, dass jeder alles lesen muss (das sprengt auch diesen Rahmen), aber das ein oder andere könnte durchaus weiterhelfen…

Vielen lieben Dank für deine Mühe. Einige der Titel sind mir durchaus bekannt (auch wenn die Lektüre schon jahrelang zurück liegt) und stehen auch hier in meinem Buchregal. Aber ich halte es hier erstmal (du sagst es ja auch) mit Cristopher Tolkiens Aussage, das man den Text durchaus auch alleinstehend genießen kann. Deshalb freue ich mich auch, das CT das Vorwort so schön kurz gehalten hat.

Am 6.1.2018 um 16:38 schrieb Alsa:

In dem Titel "The Fall of Arthur" schwingt für mich eine Zweitbedeutung mit, die in der Übersetzung "König Arthurs Untergang" nicht mitschwingt: nämlich dass es sich auch um den "Fall" des Arthur handeln könnte. Ich habe bisher keine Ahnung, ob es sich darum auch handelt, aber ich weiß, wie oft Tolkien von diesem "Fall" - in existentieller Hinsicht - in anderen Werken oder Briefen spricht. 

Meines Wissens (die erste Lektüre liegt ein dreiviertel Jahr zurück) geht es im dem Buch tatsächlich um den Untergang, das Ende von König Arthur. Erläuter doch bitte etwas konkreter, was du mit dem 'Fall' in existentieller Hinsiht meinst.

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Alsa
vor 4 Stunden schrieb Torshavn:

Meines Wissens (die erste Lektüre liegt ein dreiviertel Jahr zurück) geht es im dem Buch tatsächlich um den Untergang, das Ende von König Arthur. Erläuter doch bitte etwas konkreter, was du mit dem 'Fall' in existentieller Hinsiht meinst.

Es gibt bei Tolkien doch zum Beispiel: "The Fall of Númenor". Die Insel geht unter, ja. Aber es gibt einen Grund, warum sie untergeht. Sie hat ihre Grenzen überstiegen, wollte Unsterblichkeit. Das war ein "Fall" - so wie Adam und Eva "gefallen" sind.

Ich wollte den religiösen Touch dabei vermeiden und sagte darum "in existentieller Hinsicht". 

Reicht das erst mal an Erklärung, Torshaavn? Ich möchte mich nicht in eine reine Spekulation vergaloppieren. Nur spricht Tolkien dermaßen oft von dem "Fall der Menschheit", dass mir diese Begrifflichkeit hier sehr stark aufgefallen ist.  

bearbeitet von Alsa

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Torshavn
Am 8.1.2018 um 11:24 schrieb Alsa:

Es gibt bei Tolkien doch zum Beispiel: "The Fall of Númenor". Die Insel geht unter, ja. Aber es gibt einen Grund, warum sie untergeht. Sie hat ihre Grenzen überstiegen, wollte Unsterblichkeit. Das war ein "Fall" - so wie Adam und Eva "gefallen" sind.

Ich wollte den religiösen Touch dabei vermeiden und sagte darum "in existentieller Hinsicht". 

Reicht das erst mal an Erklärung, Torshaavn? Ich möchte mich nicht in eine reine Spekulation vergaloppieren. Nur spricht Tolkien dermaßen oft von dem "Fall der Menschheit", dass mir diese Begrifflichkeit hier sehr stark aufgefallen ist.  

Interpretierst du da nicht ein bißchen viel in das Wort 'Fall'. Natürlich gibt es Gründe dafür, warum Artus scheitert bzw. fällt. Aber ich finde es führt ein bißchen weit diesen 'Fall' Arthurs als 'Fall' der Menschheit zu sehen. Doch wahrscheinlich verstehe ich dich da auch falsch.

Vielleicht wird im Laufe der Lektüre klarer warum Tolkien dieser Stoff am Herzen lag.

Ich meine mich zu erinnern, das Tolkien mal gesagt hat, er wolle mit Mittelerde einen Mythos für England schaffen und hat Artus als bestehenden Mythos ausgeschlossen. Deshalb hatte mich das Erscheinen dieses Buches sehr überrascht.

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Berenfox

So kurz das Vorwort auch ist, so klar ist es auch. Christopher vermag das Entstehungsdatum des Werks zwar nicht eindeutig festzulegen, aber er gibt einen sehr guten Überblick über die Schaffensphasen seines Vaters, in die das Werk eingeordnet werden kann. Die wenigsten Leser werden sich mit dem poetischen Werk Tolkiens vor dem "Hobbit" auseinandergesetzt haben. Umso erfreulicher ist es, dass Christopher hier einen kleinen Überblick gibt. Besonders die gravierenden Umwälzungen in Tolkiens Kosmos, die mit "The Lost Road" und dem "Hobbit" schließlich zu Númenor, dem Zweiten Zeitalter und der "world made round" führten, kann man meiner Ansicht nach schwerlich überschätzen. Ein deutlicher Indikator dafür ist, dass der unermüdliche Gedichteschreiber Tolkien ab Mitte der 1930er Jahre abgesehen von wenigen Ausnahmen nur noch Gedichte zu seinen beiden großen Romanen verfasst hat.

Zwischen 1914 und dem "Hobbit" Mitte der 1930er Jahre hatte Tolkien jedoch unglaublich viele Gedichte zu unterschiedlichsten Themen produziert. In zwei Disziplinen hat er es dabei zu wahrer Meisterschaft gebracht: lange Geschichten in Gedichtform zu erzählen; und den Stabreim zu beherrschen. Ersteres kann man in seinen unzähligen "Lays" bewundern, vom übersichtlichen "Lay of Aotrou and Itroun" bis hin zum endlosen "Lay of Leithian". Mit zweiterem hat er sich in der Fachwelt durch seine Übersetzungen alt- und mittelenglischer Werke einen Namen gemacht, wie auch mit dem (ausnahmsweise auch abgeschlossenen) "Lay of Sigurd and Gudrún". Im "Fall of Arthur" finden wir beide dieser Eigenschaften miteinander kombiniert.

Natürlich wurde schon in Carpenters Tolkien-Biografie aus dem "Fall of Arthur" zitiert. Eine Überraschung war die Veröffentlichung daher für mich nicht. Im Gegenteil hatte ich schon lange darauf hingefiebert (so wie ich auch aktuell nicht erwarten kann, welches der vielen unveröffentlichten Tolkien-Gedichte als nächstes erscheinen wird - und wer es herausgeben wird).

Dass dieses Gedicht aber ein wenig aus Tolkiens Werk herausfällt lässt sich nicht leugnen. Es gehört nicht direkt zum nordischen Sagenkomplex, den Tolkien in mehreren Gedichten verarbeitet hat. Auch könnte man sich fragen, warum Tolkien nicht eher die Gedichte aus seinem eigenen Kosmos vervollständigt hat, das "Lay of the Children of Húrin" zum Beispiel, das ja ebenfalls im Stabreim verfasst wurde. Der "Arthur" sticht da schon etwas heraus.

Die Themenwahl mag überraschen. Tolkien hat sich gelegentlich vom Arthur-Stoff distanziert. Zum Einen, weil Tolkiens Steckenpferd die Angelsachsen gewesen sind - jene Angeln und Sachsen, die nach dem Abzug der Römer in England einfielen und sich ausgerechnet als die _Gegner_ des großen Sagenkönigs hervortaten (und die keltischen Ureinwohner nach Wales und die französische Bretagne vertrieben). Zum Andern, weil der Arthur-Stoff stark französisch und (von den unterlegenen Kelten) anti-angelsächsisch geprägt ist - und schließlich von eben jenen französischen Normannen wieder zurück nach England gebracht wurden, die 1066 die Angelsachsen besiegten. Beides hat Tolkien daran gehindert, die Arthur-Legenden als einen _englischen_ Mythos ("englisch" in Abgrenzung zu "britisch') anzusehen. Was Tolkien aber nun daran so fasziniert hat, dass er dem "Fall of Arthur" ein eigenes Werk widmen wollte, lässt sich vielleicht im Laufe der Lektüre herausfinden. Ein anderer interessanter Aspekt wird sein, inwieweit sich Tolkien von seinen Vorlagen entfernt und aus dem Stoff etwas Eigenes erschaffen hat. Seit Carpenter hielt sich ja das Gerücht, dass Arthurs Gemahlin Guinever von Tolkien als bösartig dargestellt wird...

Jedenfalls freue ich mich sehr auf die Lektüre mit euch und auf die neuen Perspektiven, die sich dadurch eröffnen werden.

bearbeitet von Berenfox

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Alsa
vor 3 Stunden schrieb Torshavn:

Doch wahrscheinlich verstehe ich dich da auch falsch.

Ich glaube, in dem Fall tatsächlich. :-)

Ich habe das Poem ja noch gar nicht gelesen. - In dem Begleitthread hattest Du geschrieben, dass man einfach seine Gedanken hinschreiben könne.  Und zu dem Titel war mir dann die Doppelbedeutung des Begriffes "fall" aufgelfallen, und ich habe das in den Thread, der für das "Vorwort° reserviert ist, hingeschrieben, damit man das dann eben in den folgenden Threads überprüfen kann. 

 

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Alsa
Am 6.1.2018 um 00:57 schrieb Aelfwine:

7.     Scull/Hammond, The J.R.R. Tolkien Companion and Guide, Bd. 1: Chronology (1930, 1934, 1955), Bd. 2: Reader’s Guide. (Artikel: „Arthur and the Matter of Britain“!!!, „Beowulf“, „Chambers, Raymond Wilson“, „Poetry“).

 

Zu diesem Buch habe ich zwei Fragen:

1.  Worauf beziehen sich die Zahlen, die ich in dem Zitat gefettet habe? 

Entweder ich bin grad doof, oder es ist wirklich unklar. Ich besitze die beiden Bände. Sie sind im Jahr 2006 publiziert worden. Jahreszahlen können es also nicht sein. Seitenzahlen aber auch nicht; beide Bände zusammen erreichen keine 1930 Seiten.

2.  Scull/Hammond haben jüngst - Oktober 2017 - dieses Werk in überarbeiteter und erweiteter Form  neu herausgegeben.

Es ist nun dreibändig.

Leider auch teuer. Irgendwann werde ich sie mir kaufen, aber meine Frage an die, die diese Bücher schon kennen: 

Ist das, was Tolkiens "The Fall of Arthur" betrifft, dort ebenfalls überarbeitet worden? - Immerhin ist Tolkiens "Arthur" ja erst 2013  erschienen und kann in der zweibändigen Ausgabe von Scull/Hammond noch nicht voll berücksichtigt worden sein.

 

Dazu dann noch ein weiterer Punkt, den ich möglicherweise irgendwo schon mal thematisiert habe:

3.  Christopher Tolkien erläutert die Arthur-Tradition  in Tolkiens "The Fall of Arthur" nicht um ihrer selbst willen, sondern nur in der Hinsicht, was sein Vater an dieser Tradition verändert hat. 

Das heißt für mich dann: Warum hat Tolkien dermaßen viel Zeit dafür investiert, da es ja doch schon genug Arthur-Variationen gab?

Von anderen Schriftstellern weiß ich: Wenn sie antike Stoffe aufgreifen und neu gestalten, dann geht es ihnen um die Deutung ihrer eigenen Zeit. Und meine Frage wäre dann: Was will Tolkien mit dieser Umgestaltung mitteilen? Was war ihm da wichtig? 

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Berenfox

Ja, die überarbeitete Version des Reader's Guide enthält einen langen neuen Artikel über "The Fall of Arthur". Ob auch in der Chronology etwas hinzugefügt wurde habe ich noch nicht überprüft, wäre aber anzunehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Zahlen, die du in deinem ersten Punkt gefettet hast, Jahreszahlen in der Chronology sein könnten.

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Berenfox

@Aelfwine Die neue Hammond / Scull Ausgabe steht mir - wie auch die alte - zur Verfügung. Bisher habe ich noch nicht groß verglichen, zumindest ist ein fast siebenseitiger Artikel zum hier besprochenen Buch hinzugefügt worden. Den Inhalt teile ich natürlich gern, auch für bestimmte Vergleichsanfragen bin ich natürlich zu haben.

Ob ich die Artikel von Todd Jensen in "Beyond Bree" hier habe muss ich erstmal checken, aber ich fürchte nicht.

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Aelfwine
vor 18 Stunden schrieb Alsa:

Zu diesem Buch habe ich zwei Fragen:

1.  Worauf beziehen sich die Zahlen, die ich in dem Zitat gefettet habe? 

Entweder ich bin grad doof, oder es ist wirklich unklar. Ich besitze die beiden Bände. Sie sind im Jahr 2006 publiziert worden. Jahreszahlen können es also nicht sein. Seitenzahlen aber auch nicht; beide Bände zusammen erreichen keine 1930 Seiten.

 

vor 17 Stunden schrieb Berenfox:

Ich könnte mir vorstellen, dass die Zahlen, die du in deinem ersten Punkt gefettet hast, Jahreszahlen in der Chronology sein könnten.

Das ist vollkommen richtig, die Jahreszahlen beziehen sich auch die "Chronology".

vor 17 Stunden schrieb Berenfox:

Den Inhalt teile ich natürlich gern

Das wäre super! ;-)

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Alatariel

Danke, Aelfwine, für die Literaturliste. Das ist ein hilfreiche Zusammenstellung für den Anfang.
 

Am 05/01/2018 um 23:57 schrieb Aelfwine:

Ich bin mir nicht sicher, ob das Vorwort, das Christopher Tolkien ziemlich knappgehalten hat, furchtbar viel Diskussionsstoff hergibt. Ganz im Gegensatz zum Thema „König Arthur/Artus“, dass als Forschungs-/Beschäftigungsfeld eigentlich kaum mehr zu überblicken ist.

Nein, viel Diskussionsstoff bietet es wohl nicht. Meine Hauptmotivation dem Vorwort trotzdem einen eigenen Thread zu widmen war 1) um neuen Diskussionteilnehmern ein wenig "Vorlaufzeit" zu geben, da zu Neujahr erst der letzt Newsletter verschickt wurde und 2) um Platz für eben jene allgemeineren Fragen und Diskussionen rund um den Arthur Stoff zu bieten.

Am 10/01/2018 um 16:59 schrieb Berenfox:

Dass dieses Gedicht aber ein wenig aus Tolkiens Werk herausfällt lässt sich nicht leugnen. Es gehört nicht direkt zum nordischen Sagenkomplex, den Tolkien in mehreren Gedichten verarbeitet hat. Auch könnte man sich fragen, warum Tolkien nicht eher die Gedichte aus seinem eigenen Kosmos vervollständigt hat, das "Lay of the Children of Húrin" zum Beispiel, das ja ebenfalls im Stabreim verfasst wurde. Der "Arthur" sticht da schon etwas heraus.

Wobei wir nicht vergessen sollten, dass ja auch die Neufassung von Artusepikableger "Sir Gawain" schon ein gewisser "Kompromiss" in diese Richtung war. Obgleich sie für Tolkien die Möglichkeit bot sich mit seinem geliebten Stabreim zu befassen, ist der Stoff unbestreitbar der eines höfischen Romans in der französischen Tradition - inklusiver all der religiösen Motive.
Ich frage mich, ob nicht seine neue Professur auch eine Rolle gespielt haben mag und er nach Möglichkeiten suchte, die Inhalte des Lehrplans mit seinen eigenen Interessen zu verbinden. Weiß jemand zufällig, ob er ähnlich wie zu Sir Gawain auch zur Artussage allgemein Vorlesung gehalten hat?

 

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