Verstehe, dann hätte ich mir einen Teil der Argumentation also sparen können Gut, deiner Einordnung ist ja nun sonst eher wenig hinzuzufügen. Dadurch dass du hier ... .... ein weiteres Szenario, also die geplante Verteilung der Drei vor der Enthüllung von Saurons Plänen, zusätzlich zu den beiden genannten Szenarien Bestimmung und Verteilung, einführst, sind werkgeschichtlich und handlungstechnisch alle Konstellationen abgedeckt - und es zeigt sich, dass die Idee der Verteilung der Drei auf die drei Noldor-Häuser dann doch bis zu eben diesem Wendepunkt in der Geschichte beibehalten werden kann. Ich kann deine Einwände gegen Elrond bzw. Galadriel als legitime Vertreter ihrer Häuser bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, halte sie aber für zu rigoros. Beide sind de facto Herrscher, auch wenn sie „nur“ die Titel Lord und Lady tragen. Ich glaube, dass die Gleichsetzung des Begriffs „Elven-kings“ aus dem Ringgedicht mit dem der „Thronfolger“ zu eng ist. Aber das berührt die Wortwahl in Gedichten im allgemein und ist ein anderes Thema. Außerdem sind beide in den Versionen, in denen sie als Ringträger in Frage kommen, die letzten Vertreter ihrer Häuser, so dass die Frage, ob sie erbberechtigt sind, rein formaler Art ist. Es wäre nun nicht uninteressant zu überlegen, unter welchen Umständen die spätere faktische Verteilung von der Planung abweichen konnte bzw. warum die beabsichtigte Verteilung nicht beibehalten wurde. Wenn wir die beiden Fassungen des Szenarios betrachten, denke ich, müssen wir besonderes Augenmerk darauf legen, welche Version der Geschichte Galadriels zu Grunde liegt: in der älteren Fassung gilt es nur die wenigen Angaben aus dem Lord of the Rings selbst zu beachten; in der jüngeren können wir aber darüber hinaus auf die wesentlich detailreicheren Darstellungen aus den Unfinished Tales zurückgreifen. Beginnen wir mit der älteren Fassung (also Version 2): Celebrimbor für Haus Fëanor, Gil-galad für Haus Fingolfin und Galadriel für Haus Finarfin. Hier ist der Fall eigentlich recht einfach: Galadriel wird als letzte Vertreterin des Hauses Finarfin und de facto Herrscherin mit einem Ring bedacht, unabhängig davon, ob sie einen formalen Thronanspruch besitzt oder nicht. Und sie erhält ihn auch nach der Enthüllung. Es gibt keine Angaben in der Geschichte oder in den Anhängen, die dem entgegenstehen. Im Szenario der jüngeren Fassung (Version 1) finden wir: Celebrimbor für Haus Fëanor, Gil-galad für Haus Finarfin und Elrond für Haus Fingolfin. Wenn wir hier zusätzlich zur letzten Fassung des LotR auf die ebenfalls jüngeren Darstellungen in den UT zurückgreifen, lesen wir, dass Galadriel sich auf jeden Fall, als die Drei geschmiedet wurden, bereits in Lorínand aufgehalten haben muss. Sinnvollerweise berücksichtigen wir auch die Darstellung, nach der es wegen ihrer negativen Einschätzung Annatars zuvor zu Konflikten gekommen war. In diesem Fall wird dies später, nachdem Celebrimbor zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Galadriel mit ihrer Einschätzung Recht hatte, ein wesentlicher Faktor für die faktische Verteilung der Ringe, also genau genommen der Rettung der Drei vor dem Zugriff Saurons, gewesen sein. Galadriel erhält, obwohl nicht eingeplant, da sie aber letztlich Celebrimbors Vertrauen gewonnen hat, einen der Ringe. Gil-galad erhält die beiden anderen und gibt einen an Círdan weiter. In beiden Versionen, aber in der letzten ganz besonders, mag man sich fragen, warum ein Ring an Círdan statt an Elrond gegeben wurde. Versprach man sich durch eine größere Streuung ein vermindertes Risiko der Entdeckung - oder war es so wie in der Interpretation in The Rings of Power, dass Elrond den Gebrauch der Ringe, als von Sauron inspirierte Werke nach wie vor ablehnte? Davon abgesehen sind wir aber wieder bei der Frage angelangt, von welchen Annahmen wir grundsätzlich ausgehen dürfen. Haben Annatar und Celebrimbor möglicherweise darüber gesprochen, wie die Ringe (ob nur die Neun und die Sieben, oder auch die Drei sei erstmal dahingestellt) verteilt werden sollten? Wer verfolgte welche Absichten? Von Seiten Annatars bestand das Interesse, die Elben allesamt unter seine Kontrolle zu bringen. Und Celebrimbors Interesse war es, es seinem Großvater gleichzutun. Dazu bedurfte es einer umfassenden Anerkennung. Gil-galad würde das gewiss miteinbeziehen. Es würde aber auch die Berücksichtigung Galadriels in der älteren Version bzw. Elronds in der jüngeren rechtfertigen. Was nun Gildor Inglorion angeht: den unwahrscheinlichen Fall vorausgesetzt, dass Tolkien ihm tatsächlich eine tragende Rolle in der Geschichte zugewiesen, aber vergessen hat, dies sonst noch irgendwo zu erwähnen, wäre er, wenn ich das richtig sehe, vor Galadriel erbberechtigt. Das würde viele Fragen aufwerfen. Aber sollen wir diesen tatsächlich nachgehen?