Blauborke Geschrieben 10. März Geschrieben 10. März (bearbeitet) Im Thread „Wer ist der Mächtigste?“ entwickelte sich, fast 17 Jahre nachdem der Thread eröffnet worden war, erneut eine lebhafte Diskussion um die Bedeutung und die Erscheinungsformen von Macht bei Tolkien. Ausgangspunkt war ein Post von @SirLacy, der anmerkte, dass die Frage, wer der Mächtigste sei, im „Der Herr der Ringe“-Kontext irrelevant sei. Denn am Ende entscheide nicht das Wesen mit der größten Macht das Schicksal Mittelerdes, sondern eines der am wenigsten mächtigen Wesen, ein Hobbit. Außerdem verweist SirLacy darauf, dass andere Figuren, wie etwa Gandalf oder Aragorn, agieren, ohne fortwährend ihre zweifellos vorhandene Macht gänzlich auszuschöpfen. Aragorn sei zudem ein Beispiel dafür, dass große Macht nicht zwangsläufig mit großer Pracht verbunden sei. Tom Bombadil führt SirLacy als weiteren Beleg an, da dieser unempfänglich für die Wirkung der Macht des Einen Rings sei. Er fragt dann allerdings, ob Toms Widerstandskraft nicht auch als eine Form von Macht anzusehen sei. @gathame bezweifelt, dass es bei Tom Bombadil einer Widerstandskraft bedürfe, da Macht ihn einfach nicht interessiere. Insofern sei dies kein Indiz dafür, dass Bombadil über Macht verfüge. Außerdem ergänzt sie SirLacys Ausführungen dahingehend, dass es, wie das Beispiel Frodos zeige, auch um Willenskraft gehe, die sie als stille Macht bezeichnet. Das Nicht-zur-Schau-stellen von Macht wertet gathame als ein den Herrn der Ringe über gewöhnliche David-besiegt-Goliath-Geschichten hinaushebendes Motiv und verweist in diesem Zusammenhang auf das Gedicht „All That Is Gold Does Not Glitter“. @Gandalf der Graue stellt fest, dass Hobbits ebenfalls für die Macht des Rings anfällig seien und wirft die Frage auf, ob nicht auch Samwise gefährdet war, den Ring zum Schutz der Hobbits und des Auenlands einzusetzen und so vom Ring korrumpiert zu werden. @gathame bestätigt, dass auch Hobbits vom Einen Ring korrumpiert werden können und wirft daran anknüpfend die Frage auf, ob der Ring nicht selbst das Verhalten auslöse, das letztendlich zu seiner Zerstörung geführt habe. @Gandalf der Graue fragt darauf Bezug nehmend, warum dieses Verhalten vom Einen Ring ausgelöst werde: ob es mit einer von Sauron intendierten Eigenschaft des Rings, immer zu seinem Schöpfer zurückkehren zu wollen, zusammenhänge, oder ob der Ring gar ein eigenes Wesen besitze. @Eriol schließlich wirft die Frage auf, ob es dem Bösen nicht grundsätzlich zu eigen sei sich selbst zu zerstören. @Eldacar gibt hinsichtlich des Nicht-zur-Schau-Stellens von Macht zu Bedenken, dass Aragorn mit seinem Verhalten beim Eintritt in der Halle Meduseld Macht und Selbstanspruch - im Unterschied zu Gandalf - doch sehr deutlich zur Schau stelle. Er impliziert, dass nicht-menschliche Akteure einen anderen Umgang mit ihrer Macht pflegen. Eldacar verweist dann auf die Verwendung der Wörter mighty und powerful zur Beschreibung von Macht im englischen Original und stellt die These auf, dass might positiv im Sinne individueller Stärke verwendet werde, power hingegen immer negativ belegt sei -, außer in den Fällen, in denen göttliche Macht gemeint sei. Die Frage, ob das Böse sich tendenziell selbst vernichte, verneint Eldacar und verweist darauf, dass es auch unter größten Anstrengungen kaum zu bezwingen sei. Vielmehr - und hier schließt sich der Kreis zur Ausgangsthese von SirLacy - sei im Kampf gegen das Böse meist nur die Fähigkeit, unter großen Leiden auszuharren, bis ein glücklicher Umstand das Blatt wendet, entscheidend. Wenn diese Wendung, wie im Fall Gollums, vom jemand Bösem bzw. Korrumpierten verursacht werde, entstehe der Eindruck, das Böse habe sich selbst zerstört,. Ein Eindruck, der letztlich nur die Entwicklung, die zu diesem Punkt geführt habe, überdecke. @Blauborke merkt ergänzend zu Eldacars Ausführungen an, dass die Formulierung, dass das Böse sich selbst zerstöre, missverständlich sei, weil sie verschleiere, dass auf Seiten des Bösen unterschiedliche Akteure am Werk sind, die u.U. miteinander konkurrieren und deren Aktivitäten so zum Untergang des jeweils anderen führen können. Eine quasi metaphysische Anlage zur Selbstzerstörung, wie von Eriol angedeutet, sieht er aber nicht und verweist als Beleg auf die Schöpfungsgeschichte im Silmarillion. Hinsichtlich des nicht-zur-Schau-Stellens von Macht merkt Blauborke an, dass geschichtliche Entwicklungen zu dieser Zurückhaltung geführt hätten, und stellt die These auf, dass das Motiv „All That Is Gold Does Not Glitter“ein originäres Phänomen des Dritten Zeitalters beschreibe. weiterhin offene Fragen (in einer für weitere Punkte offenen Liste): - geht es im Herrn der Ringe um Macht? - welche Erscheinungsformen von Macht gibt es? - verfügt Tom Bombadil über Macht und falls ja, in welcher Form? - war Samwise gefährdet, weil er möglicherweise willens gewesen wäre, den Ring zum Schutz des Auenlandes einzusetzen? - löst der Ring das Verhalten aus, dass zu seiner Zerstörung führt? Und falls ja, warum und wie wird dieses Verhalten durch den Ring ausgelöst? - gehen Menschen anders mit ihrer Macht um, als andere Wesen in Mittelerde? Bearbeitet 10. März von Blauborke 3 Zitieren
gathame Geschrieben 11. März Geschrieben 11. März Erst mal: vielen Dank für die Thread-Eröffnung und die Zusammenfassung der bisher angesprochenen Fragen! Die Liste der weiterhin offenen Fragen ergänze ich erst mal nicht, denn sie umfasst wirklich schon genug Diskussionsmaterial für den Anfang. Ich fange ganz einfach mal mit einem Beitrag zur ersten Frage an: Geht es im Herrn der Ringe um Macht? Wenn man jemanden fragt worum es in dieser Geschichte eigentlich geht, dass wird Macht vielleicht nicht das erste sein was erwähnt wird. Da kommt wahrscheinlich eher etwas in dem Sinne "Kampf gegen das Böse". Wobei wir dann allerdings doch gleich beim Thema "Macht" landen. Denn offenbar hat das Böse Macht, sonst könnte man keine interessante Geschichte darüber erzählen wie es bekämpft wird. Und damit haben wir schon eine erste Frage: Wie äußert sich die Macht des Bösen und wie versucht es seine Macht zu bewahren und auszudehnen? Und damit sind wir auch gleich beim Thema der Ringe. Und auch das Böse zu bekämpfen erfordert Macht, augenscheinlich. Diese Macht kann allerdings sehr verschiedene Gesichter haben. Manchmal ist es militärische Macht, manchmal hat es auch einfach mit Willenskraft zu tun (wobei das ja nun keinesfalls "einfach" ist). In jedem Fall geht es hier, in "Herr der Ringe", allerdings nicht um Macht an sich, es geht um Macht als Mittel zum Zweck. Es geht nicht darum Macht zu haben damit man mächtig ist, es geht darum Macht zu haben weil man ein Ziel erreichen will. Macht ist nicht das eigentliche Thema, aber Macht ist wichtig als Mittel zum Zweck. - Das waren nur mal ein paar kurze Überlegungen, bin in Eile. Vielleicht helfen sie trotzdem ein bisschen weiter. Zitieren
Blauborke Geschrieben 12. März Autor Geschrieben 12. März Meine Überlegungen gehen in eine ähnliche Richtung. Es lässt sich sicherlich nicht leugnen, dass das Streben nach Macht und der Umgang mit Macht zentrale Themen im Herrn der Ringe sind. Schon wenn ich die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen müsste, käme ich um die Erwähnung von Macht oder Herrschaft nicht herum. Allerdings habe ich in diesem einen Punkt Zweifel: vor 20 Stunden schrieb gathame: In jedem Fall geht es hier, in "Herr der Ringe", allerdings nicht um Macht an sich, es geht um Macht als Mittel zum Zweck. Es geht nicht darum Macht zu haben damit man mächtig ist, es geht darum Macht zu haben weil man ein Ziel erreichen will. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob man das so kategorisch sagen kann. Ich frage mich, ob diese Form von Herrschaft, die Sauron anstrebt, nicht Machtausübung um ihrer selbst willen ist, da damit ja nichts anderes bezweckt wird. Zitieren
Eldacar Geschrieben 12. März Geschrieben 12. März Ich weiß noch nicht, ob ich die Formulierung so mag wie sie gerade ist, aber ich glaube "Machtausübung um ihrer selbst willen" geht eher in die "richtige" Richtung als Macht als Mittel zum Zweck. Sauron ist ja in vielerlei Hinsicht eine direkte Fortsetzung von Melkor, dessen Name selbst als "He who arises in might" also "Er der in der Macht ersteht" übersetzt wird. Das ist ja nicht gerade ein Zufall. Es gibt ja keinen wirklichen Grund dafür, dass er sich versucht über den Willen Erus hinwegzusetzen. Er ist selbstherrlich, geltungssüchtig, hasserfüllt und sucht nach Macht für sich über andere wo sie weder angebracht ist noch ihm zusteht. Macht ist vielleicht nicht unbedingt die gesamte Natur des Bösen bei Tolkien aber zumindest mal dessen initialer Treiber. Zitieren
gathame Geschrieben 13. März Geschrieben 13. März Stimmt schon: ich hatte bei meinen Überlegungen zu wenig an Sauron gedacht, und dem geht es ja doch, soweit ich sehe, durchaus um "Machtausübung um ihrer selbst willen", zumindest ist ein anderes Motiv für sein Machtstreben für mich im Moment nicht erkennbar. Dass dann andere Personen ihre Macht, in welcher Form auch immer, als Mittel zu Zweck nutzen um Sauron zu bekämpfen ist tatsächlich sekundär, genaugenommen. Die Geschichte fängt damit an, dass Sauron die Macht will, nicht zu einem bestimmten Zweck, sondern um ihrer selbst willen. Sauron ist "der Herr der Ringe", und sie sind von ihm als Kontrollmechanismus konzipiert um alle die seinem Machtstreben gefährlich werden könnten (Menschen, Zwerge, Elben) in seinem Sinn zu manipulieren. Also fängt die Geschichte genaugenommen mit Saurons Streben nach Macht an, mit seinem Wunsch alle anderen Lebensformen zu kontrollieren. Und vermutlich verblüfft es ihn außerordentlich dass er da gelegentlich auf Gegenwehr stößt oder auch einfach auf Gleichgültigkeit gegenüber einer solchen Macht die offenkundig nicht jeden beeindruckt. Tom Bombadil beeindruckt sie nicht, und die Zwerge zum Beispiel sind auch nicht sonderlich beeindruckt. Dies sind Reaktionen die für Sauron jenseits des Vorstellbaren liegen. Vermutlich versucht er auch gar nicht erst Wesen die er für schwach hält zu beherrschen, für die Hobbits sind keine Ringe vorgesehen. Ich fände es im Moment wichtig zu verstehen warum Sauron die Macht tatsächlich will. Gibt es da irgendeinen Grund der mir entgeht? Denn genaugenommen finde ich es ein ziemlich dummes Konzept Macht haben zu wollen nur damit man eben mächtig ist. Zitieren
Tolwen Geschrieben Samstag um 14:20 Geschrieben Samstag um 14:20 (bearbeitet) Am 13.3.2026 um 12:31 schrieb gathame: Sauron ist "der Herr der Ringe", und sie sind von ihm als Kontrollmechanismus konzipiert um alle die seinem Machtstreben gefährlich werden könnten (Menschen, Zwerge, Elben) in seinem Sinn zu manipulieren. Also fängt die Geschichte genaugenommen mit Saurons Streben nach Macht an, mit seinem Wunsch alle anderen Lebensformen zu kontrollieren. Und vermutlich verblüfft es ihn außerordentlich dass er da gelegentlich auf Gegenwehr stößt oder auch einfach auf Gleichgültigkeit gegenüber einer solchen Macht die offenkundig nicht jeden beeindruckt. Tom Bombadil beeindruckt sie nicht, und die Zwerge zum Beispiel sind auch nicht sonderlich beeindruckt. Dies sind Reaktionen die für Sauron jenseits des Vorstellbaren liegen. Vermutlich versucht er auch gar nicht erst Wesen die er für schwach hält zu beherrschen, für die Hobbits sind keine Ringe vorgesehen. Die Zwerge sind m.E. schon beeindruckt und benutzen die durch die Sieben verliehene - gesteigerte - Macht ja auch ausgiebig für die Mehrung ihres materiellen Reichtums. Das ist anders als bei Menschen oder Elben (die Ringe verleihen Macht entsprechend der Natur der Träger/Nutzer). Was Sauron überraschte war der Widerstand der Zwerge gegen eine externe Kontrolle (so wie bei den Elben geplant und bei den Ringgeistern verwirklicht) - die bei den Zwergen nie funktionierte. Hobbits sind in dem Zusammenhang ein interessanter Punkt. Ihre uns bekannte Frühgeschichte beginnt um das Jahr 1000 des Dritten Zeitalters mit ihrem Fortzug aus ihren damaligen Siedlungsgebieten in den Anduintälern, d.h. ca. 3.000 Jahre nach der Herstellung der Ringe. Wie lange sie dort lebten und wo sie evtl. vorher lebten, ist uns unbekannt. Theoretisch wäre es möglich (m.E. aber unwahrscheinlich), dass es sie als "Hobbits" zur Zeit der Ringherstellung noch gar nicht gab. Zudem sind sie streng genommen auch Menschen (also Zweitgeborene) und somit nicht zwangsläufig a priori von den Zweitgeborenen als Träger eines Ringes zu trennen. Viel wichtiger ist m.E. der letzte von dir angesprochene Aspekt (habe ich im Zitat mal fett hervorgehoben). Aus den vorhandenen Quellen lässt sich m.E. auch noch nicht mal mit erhöhter Wahrscheinlichkeit schliessen, dass Ringe der Macht überhaupt für andere Völker als Elben (und Sauron) gemacht wurden (d.h. die Absicht der Schmiede bzgl. der Verteilung der Ringe). Hierfür wird meist das Ringgedicht als Beleg herangezogen, doch ist das m.E. kein sehr stichhaltiges Argument. Aus meiner Sicht ist es viel wahrscheinlicher, dass das Ringgedicht "nur" den faktischen Zustand hinsichtlich des Verbleibs bzw. der Verteilung der Ringe der Macht nach ZZ 1700 beschreibt - und nicht die Absicht bei der Herstellung. All dies wird im Thread Nenya und dessen Kraft ausführlich mit Texthinweisen diskutiert. Hierbei spielt der Zeitpunkt der innerweltlichen Entstehung des Ringgedichtes eine zentrale Rolle. Die vorhandenen Indizien deuten m.E. auf einen Entstehungszeitpunkt um die Zeit des Letzten Bundes herum. Auch das wird im genannten Thread thematisiert. In der Tat spielten weder Menschen noch Zwerge bei Saurons Plan mit den Ringen eine Rolle - eben weil er sie als zu wenig mächtig und damit nicht wichtig genug einschätzte. Zudem betrachtete er Menschen sowieso schon als recht gefügig. Dies legt nahe, dass es aus Saurons Sicht im Originalplan keine Ringe brauchte, um sie effektiv zu beherrschen. Zwerge und Menschen rückten erst ins Zentrum seiner Betrachtung als der Plan mit den Elben gescheitert war und er eine Alternative brauchte. Am 13.3.2026 um 12:31 schrieb gathame: Ich fände es im Moment wichtig zu verstehen warum Sauron die Macht tatsächlich will. Gibt es da irgendeinen Grund der mir entgeht? Denn genaugenommen finde ich es ein ziemlich dummes Konzept Macht haben zu wollen nur damit man eben mächtig ist. Sowohl bei Melkor als auch Sauron spielt der Gestaltungswille die zentrale Rolle: Sie wollen die Dinge entsprechend ihren Vorstellungen regeln und dulden dabei keinen Widerspruch. Letzteres liegt natürlich an ihrem Stolz - der hat aber auch einen nicht "bösen" Anfang, nämlich ihre objektiv viel tieferen Einsichten in Arda (aufgrund ihrer Eigenschaft als Ainur im Gegensatz zu Elben oder Menschen) und deren Funktion. Hieraus leiten sie dann das "Recht" ab, anderen Personen verbindlich vorzugeben, wie sie zu leben und was sie zu tun haben (eben weil sie viel weiser und weitblickender seien). Die Probleme fangen dann damit an, wenn andere - aus ihrer Sicht "geringere" - Wesen wie Elben oder Menschen nicht dieser Meinung sind. Auch in den Briefen beschreibt Tolkien Saurons ursprüngliche Absicht im Zweiten Zeitalter als nicht gänzlich böse, sondern die eines Reformers nach einer Katastrophe. Erst mit der Zeit glitt dies dann in die böse-kontrollierende Variante ab. Bearbeitet Samstag um 14:59 von Tolwen 1 Zitieren
gathame Geschrieben Samstag um 18:29 Geschrieben Samstag um 18:29 Das ist ein interessanter Gedanke: das Ringgedicht beschreibt eher den faktischen Zustand zu einer bestimmten Zeit als die ursprüngliche Planung. Das klingt ja genaugenommen auch schon sehr statistisch, die Elben haben so und so viele Ringe, die Zwerge haben so und so viele, die Menschen haben so und so viele. Ursprünglich geht es Sauron ja tatsächlich um die Elben. Menschen und Zwerge nimmt er als weniger wichtig wahr, und (auch das ist ein wichtiger Hinweis) die Hobbits existierten vielleicht überhaupt noch nicht. Für Sauron werden Menschen und Zwerge wirklich genaugenommen erst interessant als mit den Elben nicht alles so läuft wie er es gerne hätte. Und das leuchtet mir ein: bei Sauron spielt der Gestaltungswille eine ganz zentrale Rolle. Er geht (ebenso wie Melkor) davon aus dass er seiner Natur nach tatsächlich eine tiefere Einsicht in die Dinge hat, und davon leitet er für sich das Recht ab anderen Personen wie etwa Elben oder Menschen vorzugeben wie sie zu leben und was sie zu tun haben. Und das wäre ja als solches tatsächlich nicht grundsätzlich böse. Allerdings, in dem Moment wo Elben oder Menschen nicht seiner Meinung sind und nicht so reagieren wie gewünscht "kippt" Saurons Reaktion und er versucht sie zu kontrollieren, und zwar versucht er das zunehmend gewaltsam. Da entsteht dann wirklich diese "böse-kontrollierende Variante" und rückt mehr und mehr in den Vordergrund. Ich frage mich gerade was der "Eine Ring" speziell mit dieser böse-kontrollierenden Variante von Saurons Gestaltungswillen zu tun hat. Mir fehlt dazu im Moment noch die logische Begründung, aber ich habe einfach den Eindruck dass der Eine Ring genau diesen Aspekt von Sauron verkörpert. Zitieren
Blauborke Geschrieben Samstag um 19:16 Autor Geschrieben Samstag um 19:16 vor 17 Minuten schrieb gathame: Das ist ein interessanter Gedanke: das Ringgedicht beschreibt eher den faktischen Zustand zu einer bestimmten Zeit als die ursprüngliche Planung. Na ja, da sind sich nicht alle Gelehrten so sicher wie @Tolwen Aber das ist Thema in einem anderen Thread Noch eine kleine nachgeschobene Randnotiz von mir zum vermeintlichen "Streben nach Macht" bei Sauron und Melkor. Ich würde nicht sagen, dass die beiden nach Macht streben, sie sind mächtig - und sie nehmen für sich in Anspruch - auch weil sie sich, wie Tolwen sagt, durch ihre "tieferen Einsichten in Arda (aufgrund ihrer Eigenschaft als Ainur)" dazu legitimiert fühlen -, diese Macht uneingeschränkt ausüben zu können. Das ist möglicherweise an sich noch nicht böse, darin liegt aber schon die Wurzel allen Übels. Steht auch so in der Ainulindalë Zitieren
Tolwen Geschrieben Samstag um 19:16 Geschrieben Samstag um 19:16 vor 20 Minuten schrieb gathame: Und das leuchtet mir ein: bei Sauron spielt der Gestaltungswille eine ganz zentrale Rolle. Er geht (ebenso wie Melkor) davon aus dass er seiner Natur nach tatsächlich eine tiefere Einsicht in die Dinge hat, und davon leitet er für sich das Recht ab anderen Personen wie etwa Elben oder Menschen vorzugeben wie sie zu leben und was sie zu tun haben. Und das wäre ja als solches tatsächlich nicht grundsätzlich böse. In Tolkiens Arda schon, denn damit beraubt er sie ihres freien Willens. Er möchte sie beherrschen und dass sie so handeln, wie er es will oder für richtig hält. Dieser Wunsch nach Ordnung der Dinge an sich ist nicht böse, doch je mehr er beinhaltet, Elben, Menschen und/oder Zwerge zu lenken und zu beherrschen, umso mehr wird er "böse". Der Kernauftrag und Gebot Erus an die Ainur (inkl. Melkor und Sauron) war zwar Arda zu bauen und gestalten, doch nicht anzustreben, die Kinder Erus zu beherrschen - und sei es mit den besten Absichten. Die Ainur sind in Tolkiens Weltentwurf nur so etwas wie "engelsgleiche Hausmeister", welche die Welt für Erus Kinder (Elben, Menschen und Zwerge) bewohnbar machen sollen. Diese sollen sich dort frei entfalten und ihre eigenen Möglichkeiten entdecken und entwickeln. Sie sollen nicht durch die Ausübung überlegener Macht und/oder Herrlichkeit der Ainur hierin gehemmt oder beeinflusst werden. Aus diesem Grunde gab es unter den Valar ja eine lange und heftige Debatte, ob sie die Elben nach Aman einladen sollten. Dies geschah mit den allerbesten Absichten: Sie sollten vor Melkor geschützt werden und in Frieden leben können (und etwas Egoismus war auch dabei, denn so hatten die Valar die Gesellschaft der Elben). Doch damit begaben sich die Valar auf den schlüpfrigen Pfad, die Elben zu beeinflussen. Natürlich waren sie in einem Dilemma - überliessen sie sie Mittelerde und hielten sich auftragsgemäß raus, so riskierten sie ein schlimmes Schicksal für die Elben in Melkors Herrschaftsbereich. Mischten sie sich ein, so riskierten sie eine schwer kalkulierbaren Eingriff in die freie und eigenständige Entwicklung der Elben. Den Valar war all dies klar und eben deshalb war es lange und heftige Debatte. Der nächste Schritt ist dann nicht nur dieses noch gute Motiv des Beschützens, als nächstes kommt Unterrichtung, dann Lenkung und dann Beherrschung. Es ist wie im richtigen Leben - der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert. Der Endpunkt - Herrschaft ohne Widerspruch - ist das, was Melkor und ganz besonders Sauron anstrebten, die Valar aber aus Weisheit nicht. Mit einer solchen Beherrschung durch einen mittelirdischen "Luzifer" wären die Kinder Erus nur noch Sklaven seines Willens und dessen beraubt, was ihre Existenz im Kern ausmacht: Wesen mit einem freien Willen und Möglichkeit zur eigenständigen Entwicklung. vor 20 Minuten schrieb gathame: Allerdings, in dem Moment wo Elben oder Menschen nicht seiner Meinung sind und nicht so reagieren wie gewünscht "kippt" Saurons Reaktion und er versucht sie zu kontrollieren, und zwar versucht er das zunehmend gewaltsam. Da entsteht dann wirklich diese "böse-kontrollierende Variante" und rückt mehr und mehr in den Vordergrund. Herrschaft war von Anfang an Saurons Ziel bei dem Ringprojekt. Hätte es geklappt, wäre es die elegante Variante gewesen. Als dies durchschaut wurde, wechselte er problemlos zur Gewalt. Ich würde sagen, dass Sauron da Pragmatiker war und das jeweils effizienteste und erfolgversprechendste Mittel anwendete. vor 20 Minuten schrieb gathame: Ich frage mich gerade was der "Eine Ring" speziell mit dieser böse-kontrollierenden Variante von Saurons Gestaltungswillen zu tun hat. Mir fehlt dazu im Moment noch die logische Begründung, aber ich habe einfach den Eindruck dass der Eine Ring genau diesen Aspekt von Sauron verkörpert. Der Eine Ring ist von Anfang an ein Machtmittel, welches ihm erlaubt, die geringeren Machtmittel (die Elbenringe) zu kontrollieren. Es ist eine Erweiterung seiner Möglichkeiten: Ohne den Ring wäre sein unmittelbarer Einfluss nicht so weitreichend, auch über große Distanzen. Auch als er noch auf das Gelingen seines ursprünglichen eleganten Planes bauen konnte war der Ring von vornherein das Mittel, diese Pläne zu verwirklichen. Ohne ihn hätte Sauron nicht so wirken können. In diesem Sinne war er also ein Machtmultiplikator. 1 Zitieren
gathame Geschrieben Sonntag um 12:15 Geschrieben Sonntag um 12:15 Das ist ein ganz wichtige Aspekt, finde ich: Sauron beraubt die Menschen/Elben/Zwerge ihres freien Willens, oder er versucht es zumindest. Und das widerspricht dem Gedanken dass die Menschen/Elben/Zwerge die Möglichkeit haben sollen sich frei zu entfalten und zu entwickeln, unabhängig von einer Beeinflussung durch die Ainur. Sie sollen Wesen mit einem eigenen Willen sein und die Möglichkeit haben sich eigenständig zu entwickeln. Und genau darüber setzt sich Sauron hinweg. Und wie das abläuft hast du ja schon optimal beschrieben. Das fängt wirklich nicht unbedingt "böse" an. Sauron will die Entwicklung der Dinge lenken weil er eben überzeugt ist es wirklich besser zu wissen. Das fängt wirklich mit einer Art von Beschützenwollen an, weil er eben weiser und stärker ist als diese anderen Wesen. Er will sie unterstützen. Aber da er es eben so viel "besser weiß" wird daraus eben schnell der Versuch die anderen Völker zu lenken, sie in die Richtung zu beeinflussen die ihm richtig erscheint. Und dann ist der Schritt zum Beherrschen eben wirklich nicht mehr weit. - "Wie im richtigen Leben" eben. Mir fällt dazu jetzt gerade eine Parallele ein an die ich in diesem Zusammenhang wirklich noch nicht gedacht habe. Die Entstehung von "Der Herr der Ringe" fällt ja in diese Zeitspanne nach dem zweiten Weltkrieg in die auch das Verschwinden des Kolonialismus gehört. Und Kolonialismus beruhte ja nun mal auch auf der Vorstellung dass die Europäer eine Art "höherer Menschen" seien und dass es ihnen deshalb irgendwie zustände "minder begabte Völker" zu beherrschen, zu deren eigenem Besten. Diese Vorstellung geriet genau zu dieser Zeit erstmals sehr ins Wanken. Ich habe keine Ahnung wieweit Tolkien von dieser Entwicklung beeinflusst war, aber es war damals kaum wirklich möglich von ihr nicht irgendwie betroffen zu sein, in England vermutlich sogar noch viel mehr als hierzulande. Um zu zeigen wie wichtig solche Gedankengänge damals tatsächlich waren möchte ich von einem Gespräch berichten das ich miterlebt habe und das mir sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Das muss nach Lage der Dinge 1960 gewesen sein. also war ich damals acht Jahre alt. Aber ich bin sehr "erwachsen" erzogen worden, und ich wusste auch damals schon was Kolonialismus war, auch wenn ich das Wort eventuell nicht kannte, und ich wusste auch was falsch daran war. Und dann kam eine Jugendfreundin meiner Großmutter zu Besuch, eine Frau die mit einem Missionar verheiratet war und mit ihm jahrzehntelang in Südafrika gelebt hatte. Natürlich hat sie von Afrika erzählt. Und dann kamen halt Sätze die mich einfach fassungslos gemacht haben. "Diese Menschen dort, die sind wie die Kinder." "Die muss man einfach an die Hand nehmen und ihnen zeigen wie man richtig lebt, die verstehen das selber nicht." "Die können nicht selbst über sich bestimmen, dazu reicht ihr Verstand nicht aus. Die brauchen unsere Hilfe." Die Idee dass man das vielleicht auch irgendwie anders sehen könnte war für sie jenseits des Vorstellbaren. Macht es Sinn, solche zeitgeschichtlichen Überlegungen in eine Diskussion wie diese einzubeziehen? Denn Tolkien hat ja nun mal nicht im luftleeren Raum gelebt und geschrieben. Die Weltkriege kann man ja auch nicht ausblenden wenn man Tolkien liest. Zitieren
Blauborke Geschrieben Sonntag um 16:15 Autor Geschrieben Sonntag um 16:15 vor 3 Stunden schrieb gathame: Das fängt wirklich mit einer Art von Beschützenwollen an, weil er eben weiser und stärker ist als diese anderen Wesen. Er will sie unterstützen. Der fürsorgliche Sauron? Ist das nicht ein bisschen sehr wohlwollend? Zitieren
gathame Geschrieben Sonntag um 17:01 Geschrieben Sonntag um 17:01 Klingt in der Tat sehr wohlwollend, zugegeben. Ich halte es allerdings durchaus für vorstellbar dass er das selber so empfindet, auch wenn es natürlich alles andere als das ist. Da gibt es irgendwie schon so eine Entwicklung von "nicht eindeutig und restlos böse" bis zu dem was dann eben am Ende aus ihm wird. Und diese Entwicklung hat durchaus auch damit zu tun dass er auf diesem Weg die Reize der Macht als solche entdeckt. Zitieren
Tolwen Geschrieben Sonntag um 18:16 Geschrieben Sonntag um 18:16 vor 1 Stunde schrieb Blauborke: Der fürsorgliche Sauron? Ist das nicht ein bisschen sehr wohlwollend? Man könnte folgende Passage aus dem Brief 153 in Richtung eines patriarchalischen Saurons deuten, der mit fester aber gütiger Hand die Dinge ordnet, die vom Krieg des Zorns im Chaos zurückgelassen wurden: "But at the beginning of the Second Age he [Sauron] was still beautiful to look at, or could still assume a beautiful visible shape – and was not indeed wholly evil, not unless all 'reformers' who want to hurry up with 'reconstruction' and 'reorganization' are wholly evil, even before pride and the lust to exert their will eat them up." Natürlich wäre dies nur der Anfang. Eventuell könnte man ihn auch noch während des Aufenthaltes in Eregion gerade noch so sehen, aber da kam er ja schon mit einer versteckten und betrügerischen Agenda hin, die schon sehr viel mehr das "strenge" betont. Sein Stolz und Herrschaftsdrang gegen jeden Widerstand waren da schon sehr dominant - nur konnte er es noch problemlos und glaubhaft verbergen. Zitieren
Blauborke Geschrieben Sonntag um 19:12 Autor Geschrieben Sonntag um 19:12 vor 35 Minuten schrieb Tolwen: eines patriarchalischen Saurons [...], der mit fester aber gütiger Hand die Dinge ordnet, die vom Krieg des Zorns im Chaos zurückgelassen wurden Einen Sauron, der die Schäden, die er selbst als Melkors Adjutant maßgeblich mit zu verantworten hat, wieder gutzumachen beabsichtigt, wie es nach den Schilderungen im Silmarillion für ein sehr kurzen Zeitraum gewesen sein muss, würde ich vielleicht als reuigen Sünder und tätigen Büßer bezeichnen. Für den Patriarchen, dem das Attribut gütig zuzuschreiben wäre, sehe ich leider keine Belege. Sauron war zur Wiedergutmachung bereit, aber auch das nur zu seinen Bedingungen. Es mangelte ihm schon an der Bereitschaft sich Manwës Urteil zu stellen. Zitieren
Eldacar Geschrieben Gestern um 19:05 Geschrieben Gestern um 19:05 Sauron ist ganz bestimmt nicht gütig für alle anderen betrachtet, aber wenn wir von der Natur seines Bösen sprechen, dann ist es ja hauptsächlich seine Motivation die zählt und da kann ich mir schon vorstellen, dass er sich selbst zunächst als gütig, oder zumindest wohlwollend in dem Sinne dessen zeigt, dass er den hilflosen Kreaturen Erus den rechten Weg - seinen Weg - zeigt. "Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt" ist dann die Devise, die auf dieses vermeintliche Wohlwollen folgt, wenn sich die vermeintlich hilflosen und niederen Kreaturen nicht auf die Bevormundung einlassen. Objektiv gütig ist er in keinem Fall aber in einer verdrehten, narzisstischen Sicht sah Sauron sich zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmt als so etwas an. Aus Morgoth's Ring habe ich dazu ein (etwas Längeres) Zitat gefunden, was das meiner Meinung nach auch untermauert. Zumindest, sofern man davon ausgeht, dass Sauron seinen Wunsch nach Ordnung als etwas Altruistisches verstanden hat. "The time of Melkor's greatest power, therefore, was in the physical beginnings of the World; a vast demiurgic lust for power and the achievement of his own will and designs, on a great scale. [...] Thus, as 'Morgoth', when Melkor was confronted by the existence of other inhabitants of Arda, with other wills and intelligences, he was enraged by the mere fact of their existence, and his only notion of dealing with them was by physical force, or the fear of it. [...] Hence his endeavour always to break wills and subordinate them to or absorb them into his own will and being, before destroying their bodies. This was sheer nihilism, and negation its one ultimate object: Morgoth would no doubt, if he had been victorious, have ultimately destroyed even his own 'creatures', such as the Orcs, when they had served his sole purpose in using them: the destruction of Elves and Men. [...] Melkor could do nothing with Arda, which was not from his own mind and was interwoven with the work and thoughts of others: even left alone he could only have gone raging on till all was levelled again into a formless chaos. [...] Sauron had never reached this stage of nihilistic madness. He did not object to the existence of the world, so long as he could do what he liked with it. He still had the relics of positive purposes, that descended from the good of the nature in which he began: it had been his virtue (and therefore also the cause of his fall, and of his relapse) that he loved order and coordination, and disliked all confusion and wasteful friction. (It was the apparent will and power of Melkor to effect his designs quickly and masterfully that had first attracted Sauron to him." (Notes on motives in the Silmarillion) 1 Zitieren
Blauborke Geschrieben vor 11 Stunden Autor Geschrieben vor 11 Stunden Dass Sauron sich in der einen oder anderen Phase seines Daseins selbst vormachte, gütig oder fürsorglich zu sein, das mag schon sein - und ist übrigens auch die Interpretation von John Payne und Patrick McKay. Es ist aber zum einen die Frage, wann genau das so gewesen sein könnte, und zum anderen würde ich dem Zitat noch eine weitere Passage aus Tolkiens Essay hinzu fügen, die zeigt, dass die gute Absicht bei Sauron, wenn überhaupt nur schwach mit so etwas wie Mitgefühl, der Basis für Fürsorge und Güte, verknüpft war: „But like all minds of his cast, Sauron’s love (originally) or (later) mere understanding of other individual intelligences was correspondingly weaker; and though the only real good in, or rational motive for, all this ordering and planning and organization was the good of all inhabitants of Arda (even admitting Sauron’s right to be their supreme lord), his’ plans’, the idea coming from his own isolated mind, became the sole object of his will, and an end, the End, in itself.“ (HoMe, Band 10, Morgoth’s Ring, Myths Transformed, Notes on motives in the Silmarillion) Wenn ich darüber nachdenke, in welcher Phase Sauron selbst an seine Güte geglaubt haben könnte, fallen mir eigentlich nur die ersten Jahre und die Zeit nach dem Krieg des Zorns ein. Es gibt relativ wenig Textstellen, die Auskunft über den frühen Sauron geben, also den, der sich noch nicht offiziell Morgoth angeschlossen hat. Aus der Ainulindalë können wir schließen, dass er als einer der Ainur von Eru geschaffen wurde, also noch vor dem Großen Lied. Er war unter denen, die in Ea eintraten und hier war er zuerst im Gefolge Aulës, begann aber bald Melkor zu bewundern und schloss sich ihm an - zuerst und noch während des Frühlings von Arda heimlich. „Now Melkor knew of all that was done; for even then he had secret friends and spies among the Maiar whom he had converted to his cause, and of these the chief, as after became known, was Sauron, a great craftsman of the household of Aule.“ (HoMe, Band 10, Morgoth’s Ring, The Later Quenta Silmmarillion, The Annals of Aman §17) Nachdem die Valar sich nach Aman zurückzogen und Morgoth ganz Mittelerde beherrschte, schloss sich Sauron Morgoth endgültig an. Und wie wir aus den Geschichten des E.Z. wissen, war er fortan nicht für sein Güte bekannt. In seiner Frühzeit mochte Sauron wohl an seine Güte geglaubt haben und während seiner heimlichen Gefolgschaft mag er wohl gedacht haben, dass sein Weg bzw. der Melkors der bessere für Mittelerde sei. Auch hier mögen noch gute Absichten vorhanden gewesen sein, in Anbetracht seines Vorgehens ist es aber schon weniger wahrscheinlich, dass Fürsorge sein Leitmotiv war. Selbsttäuschung wäre also vonnöten gewesen, wenn er sein Vorgehen denn vor sich selbst hätte rechtfertigen wollen. Die zweite Phase, in der es möglicherweise einen Selbstbetrug Saurons gegeben hat, war nach dem Krieg des Zorns: Der Moment der Reue und die Weigerung Saurons, nach Aman zu gehen und um Vergebung zu bitten, wird im Silmarillion beschrieben - ebenso wie der Wandel vom Reformer zum von Stolz und Herrschsucht zerfressenen Prime Dark Lord sich vollzog. „When Thangorodrim was broken and Morgoth overthrown, Sauron put on his fair hue again and did obeisance to Eönwë the herald of Manwë, and abjured all his evil deeds. And some hold that this was not at first falsely done, but that Sauron in truth repented, if only out of fear, being dismayed by the fall of Morgoth and the great wrath of the Lords of the West. But it was not within the power of Eönwë to pardon those of his own order, and he commanded Sauron to return to Aman and there receive the judgement of Manwë. Then Sauron was ashamed, and he was unwilling to return in humiliation and to receive from the Valar a sentence, it might be, of long servitude in proof of his good faith; for under Morgoth his power had been great. Therefore when Eönwë departed he hid himself in Middle-earth; and he fell back into evil, for the bonds that Morgoth had laid upon him were very strong.“ Nun wird beschrieben, wie im Krieg Beleriand im Meer versank und die Elben weiter nach Osten zogen. Dann heißt es: „Elsewhere in Middle-earth there was peace for many years; yet the lands were the most part savage and desolate; save only where the people of Beleriand came. Many Elves dwelt there indeed, as they had dwelt through the the countless years, wandering free in the wide lands far from the Sea; but they were Avari, to whom the deeds of Beleriand were but a rumour and Valinor only a distant name. And in the south and in the further east Men multiplied; and most of them turned to evil, for Sauron was at work. Seeing the desolation of the world, Sauron said in his heart that the Valar, having overthrown Morgoth, had again forgotten Middle-earth; and his pride grew apace. He looked with hatred on the Eldar, and he feared the Men of Númenor who came back at whiles in their ships to the shores of Middle-earth; but for long he dissembled his mind and concealed the dark designs that he shaped in his heart.“ (The Silmarillion, Of the Rings of Power and the Third Age) Im letzten Abschnitt mag so etwas wie Enttäuschung darüber zu erkennen sein, dass die Valar ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, um Mittelerde von neuem zu gestalten. Das wäre ein Punkt, an dem Selbsttäuschung hätte ansetzen können, die ihn dann allerdings auch über seinen Hass auf die Elben und seine Furcht vor den Númenorern hätte hinwegtäuschen müssen. Zitieren
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