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Gedicht der Erlkönig. Wie seht ihr das ????


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Arwen Mirkwood

Hallo Forum Mitglieder.

Ich würde gerne mit Euch über das Gedicht, der Erlkönig sprechen. Ich weiß ja nicht wie ihr es sehr, oder ob ich es so richtig interpretiere, aber ich sehe den Inhalt des Textes irgendwie sehr kritisch und vielleicht auch wegen der Moralvorstellung der Menschen des 21 Jahrhunderts, weil der Erlkönig auf mich so wirkt, als hätte er eine Pädophile Neigung. Ich werde den Text gleich Mal zitieren und die Stellen markieren. Ich bin gespannt wie ihr das seht???

 

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;

Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –

Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
 

So der Link zu der Seite.

https://gedichte-bibliothek.de/pages/lyrik-magazin/gedichtformen/die-ballade-der-erlkoenig.php

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Elenriel

Ist der Erlkönig real hast du recht, denke ich.

Soweit ich weiß ist aber die Deutung weit verbreitet dass der Junge krank und der Erlkönig eine Fieberhalluzination ist.
Dafür sprechen einige Hinweise. Der Vater hält ihn von vornherein fest und warm. Außerdem nimmt der Vater seine Umgebung rationeller wahr und bemerkt den Erlkönig selbst überhaupt nicht. Stattdessen versucht er, den heimischen Hof so schnell wie möglich zu erreichen.
Auch der Tod des Jungen am Ende der Ballade kann auf die Krankheit zurückgeführt werden.

Man kann jedoch auch interpretieren, dass der Vater Schuld an dem Tod des Jungen trägt.
Der Vater hält den Sohn erst sicher und warm, doch als der Junge ihm sagt, dass er angefasst wird und ihm Leid angetan wurde, kann man dies auch so interpretieren, dass der Vater, in seiner Panik und Sorge um den Sohn, diesen zu fest hält und ihn erdrückt, weshalb der Junge auch ächzt.

Edited by Elenriel
  • Looove 1
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gathame

Doch, im allgemeinen geht man davon aus dass der Junge Fieber und deshalb Halluzinationen hat und dass der Angriff des Erlkönigs nicht wirklich stattfindet. Wobei es natürlich irgendwie unklar bleibt, sehr bewusst wahrscheinlich und des Grusel-Effekts halber, ob es da nicht doch irgendwie einen wirklichen Angriff gibt. Immerhin ist der Junge nachher tot. Und dieses "ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt" ist ja schon irgendwie merkwürdig als Fieberhalluzination eines Kindes.

Anmerkung am Rande: meine Schüler (zumeist aus eher bildungsfernen Familien stammend) haben das Gedicht als "Kinderf***ballade" bezeichnet.

  • Looove 1
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Arwen Mirkwood
vor 40 Minuten schrieb gathame:

 

Anmerkung am Rande: meine Schüler (zumeist aus eher bildungsfernen Familien stammend) haben das Gedicht als "Kinderf***ballade" bezeichnet.

Aber die Deutung und ihre Vermutung dahinter, ist aber nicht verkehrt. Es wirkt ja auch so auf mich, als hätte der Erlkönig eine Pädophile Neigung.  

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gathame

Noch eine Anmerkung zum Wort "Erlkönig". Das stammt von Herder, der da dänische Märchen-/Sagentexte ins Deutsche übersetzt hat und ist eigentlich ein Übersetzungsfehler. Mit Erlen hat das nichts zu tun. Dänisch heißt das "Ellerkonge" oder "Elverkonge". "Konge" bedeutet "König", und "Elver" kann man sich (in diesem Forum jedenfalls) vermutlich denken.

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Silene

Das hat nichts mit Pädophilie zu tun, sondern orientiert sich an den alten Sagen über Wechselbälger:

Zitat:"Der Kindertausch wird in den Sagen allgemein der im jeweiligen Volksglauben dominierenden böswilligen Gestalt zugeschrieben. Vorstellungen außerhalb der christlichen Glaubenswelt handeln von Elfen, die in der nordischen Sagenwelt gelegentlich einer Frau ein Kind stehlen und dafür ein Kuckuckskind unterlegen. Solche Fabelwesen, zu denen auch Zwerge und in Skandinavien Trolle gehören, tun dies vor allem deshalb, weil ihre eigenen Kinder so hässlich sind und sie gern die schönen Menschenkinder bei sich aufnehmen möchten." 

Der Erlkönig oder König der Elben will ein wohlgestaltetes Kind haben, nicht um es sexuell auszubeuten, sondern als Kinderersatz um es aufzuziehen. Für mich klingt das so, als hätte der Erlkönig nur Töchter, da will er einen schönen Sohn haben.

In den Legenden lassen die Elben oder andere Sagengestalten immer einen Wechselbalg als Ersatz zurück, der kränklich ist und sehr bald stirbt.
Für mich hörte sich das immer so an, als würden trauernde Mütter sich damit trösten, dass nicht ihr echtes Kind gestorben ist, sondern nur ein kränkliches Abbild und ihr wirkliches Kind als verwöhntes und geliebtes Kind irgendwo bei den Elfen/Elben aufwächst.

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gathame

Stimmt, das erinnert tatsächlich an die Wechselbälger-Sagen. Das könnte wirklich so gemeint sein, viele Einzelheiten passen gut dazu: der Erlkönig spricht nur von seinen Töchtern, von einem Sohn ist nicht die Rede, und er verspricht dass diese Töchter das geraubte Kind versorgen werden. Das Problem ist bloß dass man darauf nur kommen kann wenn man solche Sagen über Wechselbälger kennt, und sehr bekannt sind die offenbar nicht, deshalb wird da halt schon leicht in Richtung Pädophilie gedacht.

Ich kann mich erinnern dass ziemlich viele Leute mit dem Begriff "Wechselbalg"/"changeling" nichts anfangen konnten als der im zweiten "Hobbit"-Film auftauchte. Da fragt Legolas, als er das Kinderbild von Gimli sieht, in erkennbar beleidigender Absicht ob das ein "orc changeling" sei, was dann in der deutschen Synchronisation korrekt zum "Orkwechselbalg" wurde. Und ziemlich wenige Leute wussten was damit gemeint war.

Die Vorstellung dass möglicherweise trauernde Mütter versucht haben sich mit der Vorstellung zu trösten dass ihr Kind bei den Elben/Elfen sei gefällt mir übrigens gut. Und trauernde Mütter gab es viele, es wurden ja nur ungefähr fünfzig Prozent der Kinder erwachsen.

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Arwen Mirkwood

@gathame: Ich habe mir den Text ohne Geschichtliches Hintergrund- Wissen durchgelesen  und eben so verstanden bzw. Interpretiert, mit der Ansicht und des Verständnisses des 21 Jahrhunderts. Für mich wirkt der Erlkönig mit diesen Äußerungen tatsächlich pädophil. 

vor 5 Stunden schrieb gathame:

Noch eine Anmerkung zum Wort "Erlkönig". Das stammt von Herder, der da dänische Märchen-/Sagentexte ins Deutsche übersetzt hat und ist eigentlich ein Übersetzungsfehler. Mit Erlen hat das nichts zu tun. Dänisch heißt das "Ellerkonge" oder "Elverkonge". "Konge" bedeutet "König", und "Elver" kann man sich (in diesem Forum jedenfalls) vermutlich denken.

Ich kann mich sogar daran erinnern, dass in der Grünen Hölle User sogar Thranduil mit dem Erlkönig verglichen haben 

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gathame

Danke für den Link! Der ist tatsächlich informativ. 

Und Thranduil ist nicht nur in der Grünen  Hölle mit dem Erlkönig verglichen worden. Schülerzitat:"Also, irgendwie stell' ich mir den Erlkönig ein bisschen so vor wie diesen Typ da im Film, Thranduil oder so ähnlich." - Na ja, Elbenkönige sind sie ja schließlich auch beide.

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Arwen Mirkwood
Posted (edited)

Gern geschehen 😉😉

Aber so wie ich den Erlkönig sehe und betrachte, kann ich ihn aber bei bestem Willen nicht mit Thranduil vergleichen. Es ist für sehr komisch die beiden miteinander zu vergleichen. 

Edited by Arwen Mirkwood
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