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Torshavn

Opern

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Torshavn

Da wir bisher nur einen Wagner (Ring) Thread haben, eröffne ich hier mal einen allgemeinen Opern Thread.

Gerade habe ich mir den ersten Akt der Zauberflöte angehört, eine Inszenierung von den diesjährigen Salzburger Festspielen. Seit der sechsten Klasse habe ich Mozarts Oper nicht mehr gehört oder gar gesehen. Aber in dieser interessanten Interpretation gibt Klaus Maria Brandauer den Erzähler. Allein deshalb habe ich es gewagt. Ich bin positiv überrascht: mit der Musik kann ich noch immer etwas anfangen.

Wer Lust hat, sich die Zauberflöte anzusehen, findet sie in der arte Mediathek:

Die Zauberflöte von Mozart

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Alsa

Hallo Torshavn,

ganz herzlichen Dank für diesen Thread!

Und vor allem für den Hinweis auf diese neue Zauberflöten-Inszenierung. 

Ich habe schon einen kleinen Teil davon angeschaut/angehört, und diese Inszenierung gehört zu denen, die ich mit Sicherheit noch öfter anschauen werde. 

Vielleicht können wir uns über dies oder jenes davon noch unterhalten - aber bei der Hitze bin ich noch langsamer als sowieso schon. :rolleyes1:

Die "Zauberflöte" ist meine Lieblingsoper, und ich habe sie von allen Opern am öftesten/am oftesten/am meisten oft ???  angesehen und noch mehr angehört. Ich kenne sie fast auswendig. Manchmal habe ich sie auch über, das geht dann aber wieder vorbei. 

Diese von Dir verlinkte Salzburger Inszenierung ist für mich ein echt heißer Tipp.

Nach dem, was ich davon bisher gesehen habe, ist der Inszenierungsstil an der literarischen Romantik orientiert, dennoch aber kein Nachäffen, sondern modern.

Zum Beispiel insofern, als die Ouvertüre mit einer gewissen realistischen Handlung bebildert ist - und die dort auftauchenden Figuren dann in der märchenhaften Zauberflöte als Märchenfiguren wieder auftauchen.

Mich hat dieser Stil an eine Stelle an "Heinrich von Ofterdingen" von Novalis erinnert.

Da sieht Heinrich in dem Buch eines alten Mannes eine Szene beschrieben, die genau die ist, die Heinrich gerade im Moment erlebt. Michael Ende macht dies ähnlich in seiner "Unendlichen Geschichte". 

Und hier, in der Salzburger Inszenierung, hat der Erzähler - Klaus Maria Brandauer - auch ein Buch, aus dem er liest.

Und das, was er liest, geschieht gleichzeitig. Oder umgekehrt.

Es gibt eine Stelle in der Inszenierung, wo eine der drei Damen in das Buch schaut und deutlich sehr irritiert ist. Ich glaube, auch der Erzähler ist irritiert.

Ich vermute, dass beide eben genau das gerade entdeckt haben: dass das, was die eine der Damen singt, im Buch steht. 

Im Prinzip sind wahrscheinlich alle Figuren - außer dem Erzähler - doppelt. Sie führen ein reales Leben, sind aber gleichzeitig in einer Parallelwelt mythische Figuren.

Bin gespannt, wie dieser Grundgedanke dann in der Inszenierung weitergeführt wird.

Edited by Alsa

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Torshavn

Manchmal kommt eins zum anderen. Ich bin neulich über ein Buch gestolpert das mich tief beeindruckt hat: Das tote Brügge von dem belgischen Schriftsteller Rodenbach. In diesem symbolistischen Roman geht ein Mann nach dem Tod seiner über alles geliebten Frau nach Brügge und spinnt sich in den Kokon seiner Erinnerungen ein. Bis ihm eine Tänzerin begegnet, die seiner toten Frau bis aufs Haar gleicht.

Paralell dazu berichtet 'Kulturzeit' über eine Opernneuinszinierung an der komischen Oper Berlin: Die tote Stadt. Die Geschichten kam mir sofort bekannt vor und es stellte sich heraus, das die Oper auf Rodenbachs Buch basiert. Also habe ich das Libretto auch noch gelesen und dann die Oper geschaut:

https://operavision.eu/de/bibliothek/auffuehrungen/opern/die-tote-stadt

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Berenfox

"Die Tote Stadt" ist eine sehr spannende Oper, ich mag sie sehr. Dass sie auf diesem Buch beruht wusste ich gar nicht. Landet direkt mal auf meiner Liste!

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Alsa
Am 19.10.2018 um 13:48 schrieb Berenfox:

...

 

Am 5.8.2018 um 17:41 schrieb Torshavn:

...

 

Hallo Opernfreunde:verbeug:,

hier kommt jetzt gleich der Link zu einer, wie ich finde, außergewöhnlichen Zauberflöten-Inszenierung aus Norwegen.

Bitte nicht erschrecken, sie ist extrem modern. Aber ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch keine so gute Zauberflöten-Inszenierung gesehen (zugegeben, ich habe erst die Hälfte gucken können).

Einerseits ist sie ein gewagtes Experiment, andererseits nimmt sie diese Oper ernster als - fast - jeder andere Regisseur. Sie nimmt sie beim Wort, versucht nichts zu verbessern, was sonst fast jeder Regisseur tut. Sie denkt den Schikaneder-Text  - Schikaneder hat das Libretto geschrieben - quasi zu Ende.

Schon in der Ouvertüre wird durch Bebilderung gezeigt, dass die "Zauberflöte" - mit einem Zwinkerauge - als "Episode XXI" von Star-Wars aufgefasst wird. Tamino wird dann in einer Rakete ins All geschossen und landet dann irgendwo auf einem Planeten.

Die Oper wird auf Norwegisch gesungen - so wie der berühmte schwedische Kollege Ingmar Bergman seinerzeit in seiner "Zauberflöten"-Inszenierung die Sänger auf Schwedisch hat singen lassen.

Das ist ganz unüblich, denn normalerweise wird auf allen großen Opernbühnen der Welt jede Oper in ihrer Originalspracche gesungen.

Aber so wie bei Ingmar Bergmans Inszenierung wird die Übersetzung in die eigene Sprache auch hier dazu benutzt, den Text ein wenig zu verändern.

Man kann eine Oper gar nicht übersetzen, ohne sie zu verändern. Aber in beiden Adaptionen ist der veränderte Text eine starke Deutung des originalen Textes.

Es gibt zwar Untertitel, aber leider nur in Englisch. Immerhin kann man den Witz des Textes dann doch halbwegs mitkriegen.

Auch der Sprechtext ist verändert, sogar ziemlich massiv. Ich glaube, in dieser norwegischen Fassung noch mehr als bei der schwedischen.

Der norwegische Texter oder Regisseur hat dabei sogar von Ingmar Bergmans Fassung so einiges geklaut.

So ist in beiden Fassungen die Königin der Nacht die Ehefrau von Sarastro. Dadurch steht Pamina noch stärker im Konflikt zwischen diesen beiden Personen.

Das, was den normalen Regisseuren meist Schwierigkeiten macht, ist die latente oder offensichtliche Frauenfeindlichkeit des Textes. Sie versuchen das in der Regel zu glätten oder zu überspielen.

Nicht so der norwegische Regisseur. Tamino, der auf diesem komischen Planeten landet, stößt dort auf eine Sarastro-Priester-Gesellschaft, die so extrem frauenfeindlich ist, dass sie Pamina aus ihrem Blickfeld vertreiben wollen, weil sie sonst sofort geil würden. 

Der Untertext entspricht leider nicht immer so richtig dem norwegischen Text. Letzterer ist mitunter witziger. 

Auch verändert sind meist die langen Arien; sie werden hie und da vom Chor übernommen: dadurch wird die Interaktion dramatischer, und man kann gar nicht aufhören zu gucken. 

Ja, das war jetzt mal ne Art Einleitung. Bin ja gespannt, ob jemand meine Begeisterung teilt.  Viel Spaß (oder Wut)!

 

 

 

  • Thanks 1

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Torshavn

Vielen lieben Dank @Alsafür den Link.:-). Diese Inszenierung hat eine echte Sogwirkung auf mich.

Allerdings ist das Thema für mich eher neu. Eine Oper mit neuem Text, neuem Background und neuer Geschichte zu versehen, kenne ich bisher so noch nicht. Auch die Zauberflöteninszenierung von Bergman ist mir unbekannt.

Anstrengend finde ich es allerdings schon: die neuen Bilder aufzunehmen, die Untertitel in englisch zu lesen, die verständlichen Brocken norwegisch zu verarbeiten und die Musik zu genießen, ist eine Herausforderung. Wahrscheinlich werde ich die Inszenierung mindestens zweimal schauen müssen.

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Alsa

Freut mich ja nun sehr, Torshavn, dass Du das nicht ablehnst. :-)

Das norwegische Publikum hat das offenbar auch nicht abgelehnt, vielleicht auch, weil die Kritiken so gut waren?

 

vor 9 Stunden schrieb Torshavn:

Auch die Zauberflöteninszenierung von Bergman ist mir unbekannt.

Die kann man sich zur Zeit wieder komplett auf youtube anschauen.

Sie stammt aus dem Jahr 1975. Ich lebte zu dem Zeitpunkt in Schweden, hab mir die Bergman-Schallplatten gekauft und mit ihnen die "Zauberflöte" fast auswendig gelernt. 

Darum kann ich mitunter auch erkennen, wenn was in der norwegischen Fassung von der schwedischen Fassung geklaut ist. Das Norwegische ist vom Schwedischen allerdings entfernt wie ungefähr das Urbayerische vom Hochdeutschen, also nicht leicht zu verstehen, schon gar nicht, wenn gesungen wird. (Vielleicht gelingt es mir, die norwegische Textfassung zu besorgen). 

Die Bergman-Inszenierung war flott und ein bisschen frech, und mit wunderbaren Sängerdarstellern. Er hat dafür viele ganz junge unbekannte Sänger genommen. 

Ich vermute, dass man das auch bei der norwegischen Inszenierung (von 2015) ähnlich gehandhabt hat. 

Was die englischen Untertitel betrifft:

es lohnt sich, da ab und zu das Video anzuhalten, um den englischen Text nachlesen zu können. Das gilt vor allem für Papageno, der in der Inszenierung wirklich wie ein "Papagei" quasselt, wie ein richtiger Wasserfall.

Man hat dazu jede Menge neuen Text erfunden, der aber offenbar dermaßen witzig ist, dass es sich lohnt, ihn zu verstehen.

 

vor 9 Stunden schrieb Torshavn:

mindestens zweimal schauen 

Ich auch. Mindestens! 

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Torshavn

Dann verlinken wir doch auch mal die Bergman Inszenierung zum direkten Vergleich:

 

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Alsa
Am 3.4.2019 um 17:03 schrieb Torshavn:

Dann verlinken wir doch auch mal die Bergman Inszenierung zum direkten Vergleich:

Ja, toll. Danke. 

Ich möchte jetzt mal eine Szene aus der norwegischen Zauberflöte - der Regisseur heißt Alexander Mörk-Eidem - erwähnen, die zum Vergleich mit Ingmar Bergman geradezu schreit. 

Diese Szene beginnt in der norwegischen Fassung 1:39:18. Inhaltlich ist es der Dialog, bevor Sarastro die berühmte Arie "In diesen heil'gen Hallen kennt man die Rache nicht" singt. Er singt sie - im Original - darum, weil kurz vorher die Königin der Nacht ihrer Tochter Pamina einen Dolch in die Hand drückt, mit dem sie Sarastro töten soll. Sarastro taucht auf, sieht den Dolch in der Hand Paminas, und Pamina fleht Sarastro an, an ihrer Mutter wegen des Mordbefehls keine Rache zu nehmen.

So in der deutschen und schwedischen Fassung. In der norwegischen Fassung erzählt Sarastro seiner Tochter kurz, dass er die Königin der Nacht verlassen habe, um diese Bruderschaft zu gründen, und dass sie ihm das nie verzeihen wird. Pamina fragt ihren Vater: "Wirst DU es ihr denn verzeihen?"

Und dann kommt der Hammer: Sarastro zögert und sagt dann: "Ich weiß es nicht." Sarastro ist im Original als großer Weiser angelegt, und in dieser Fassung bekommt er einen Bruch. 

Das ist psychisch sehr exakt und gekonnt gespielt: 1:39:53. Und danach beginnt die Arie, die im Original besingt, dass in diesen Hallen der Brüderschaft keine Rache Raum finden kann.

Der norwegische Sarastro aber singt anders: Wenn der Gedanke nach Rache auftaucht, dann hilft die Bruderschaft, sich davon zu befreien. Er, Sarastro, sei hier glücklich geworden, und das sei nur darum so, weil hier jegliche Liebe zwischen Mann und Frau verbannt sei. Mit einem wirklich heiteren und gelösten Gesicht sagt er Pamina, dass sie ja Tamino heiraten will und darum nun von hier sofort fortgehen muss. Sie habe hier keinen Platz.  Pamina, fassungslos, geht von ihm fort. 

Als ich diesen Text verstanden hatte, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. Ein Fanatiker, der wirklich in seinem Fanatismus die innere Ruhe gefunden hat. 

Ingmar Bergman hingegen hat am Ende der Oper seinen Sarastro sagen lassen, dass er sich ab sofort von dem Vorsitz des Ordens zurückziehe, um diesen Vorsitz gemeinsam an Pamina und Tamino zu übergeben: denn, so dieser Sarastro: in der wahren Liebe zwischen Mann und Frau liege der Beginn der Dinge (so ähnlich). 

Obwohl das von der Sarastro-Figur aus gesehen das glatte Gegenteil ist, ist es von der Botschaft her aber ganz gleich:

Ingmar Bergman gestaltet seinen Sarastro als Sprachrohr für den Regisseur und seine humane Ansicht. Mörk-Eidem gestaltet seinen Sarastro als einen von der Realität Flüchtenden, damit er die innere Ruhe findet. Das Publikum muss selber entscheiden, was es richtig findet. 

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