Ich habe die Serie erst durch die FreeTV-Ausstrahlung bei ZDFneo im Oktober/November entdeckt und war vom Soundtrack sofort angetan. Sogar so sehr, dass ich meine bisherige Streaming-Dienst-Verweigerung aufgegeben habe, um den gesamten Soundtrack sofort bei Spotify hören zu können. Darüber hinaus habe ich mir den Blog von Bear McCreary durchgelesen, in dem er für jede Episode sein Herangehen an das Komponieren erklärt, Lyrics angibt und seine "Hintergedanken" erläutert. Allein, dass die Melodien von Halbrand und Sauron ein musikalisches Palindrom darstellen! Blow my mind.
Seit Wochen läuft der Soundtrack bei mir rauf und runter. Ich finde ihn unheimlich facettenreich, die Themen der einzelnen Figuren/Orte lassen sich gut unterscheiden. Schon beim Schauen der Serie war ich besonders von "Khazad-Dûm" und "Númenor" beeindruckt. Es gibt eigentlich kein Stück, das mir nicht gefällt. Die vielen verwendeten Instrumente bieten eine enorme Bandbreite. Das Rhûn-Thema erinnert mich an die Serie "Xena", dort wurden auch solche Frauenchöre eingesetzt. Wundervoll! "Durin IV" passt hervorragend zum Charakter, die Melodie klingt so schön verschmitzt. Das Hackbrett (engl. hammered dulcimer) finde ich eine tolle Instrumentenwahl. Und mir persönlich gefällt es, dass dieser Soundtrack meistens deutlich anders klingt als der von HdR. An manchen Stellen sind kleine Ähnlichkeiten zu entdecken.
Die verschiedenen Lieder gefallen mir alle, "Where the shadows lie" war sofort mein Favorit. Ein bisschen düster und melancholisch. Und beim Mitsingen kann ich alles geben, von fast Flüstern bis Vollgas mit Tremolo. Mir fiel auch gleich auf, dass man die Textzeile "One ring to rule them all ...." (also die Ringinschrift) auch in Schwarzer Sprache singen kann, die Silbenverteilung passt hervorragend. Ich bin Chorsängerin und muss immer wieder neue Melodien und Texte lernen, aber für die wundervollen Lieder aus RoP habe ich nur wenige Tage gebraucht, so sehr haben sie mich berührt. "Golden leaves" ist so wunderschön, dass ich beim Mitsingen regelmäßig feuchte Augen bekomme. "The Last Ballad of Damrod" fand ich einen tollen Einfall von McCreary, meinetwegen hätte es noch etwas mehr Richtung Metal gehen können, es wirkt fast noch ein bisschen brav.
Die auf den ersten Blick vielleicht unspektakuläre Melodie von Adar ist so passend! Vor allem auf der Ney-Flöte in Staffel 2, das spiegelt sein fast flüsterndes Sprechen sehr gut. Und dann der Drumbeat, der auch in sämtlichen Stücken bezüglich der Uruks vorkommt! Ich mag McCrearys Vorliebe für starke Percussion. Und dass er einen finnischen Schrei-Chor eingesetzt hat! Wie sie immer wieder Nampat sha-gash! Nampat bagronkat! (und anderes) rufen, ein irrer Effekt! Adar fand ich von Beginn an einen interessanten Charakter, so richtig beeindruckt hat mich dann die Darstellung von Sam Hazeldine und so wurde er zu meinem favorisierten Charakter. Deshalb war der Verrat seiner Uruks ein Schock - hier hat McCreary es geschafft, die Sterbeszene auf wundervolle Weise zu untermalen und Adar eine angemessene Totenklage zu geben.
In der Eröffnungsszene der zweiten Staffel im Stück "Dawn of the Second Age" kommt bei der Kampfszene zwischen Sauron und den Uruks eine Stelle, an der der Rhythmus einen neuen Twist bekommt, kombiniert mit Chorgesang, bevor die hohe Kinderstimme Saurons entfliehende Seele verdeutlicht. Dieser Rhythmus ist in der Serie nur schwer durchzuhören, bei all den Sounds von klirrenden Klingen, Messerstichen und spritzendem Blut. Es lohnt sich, sich das mal separat anzuhören.