beadoleoma Geschrieben Samstag um 16:52 Geschrieben Samstag um 16:52 Im Thread über die neue Serie kam dieses Thema auf. Ich fange mal an: Hauselfen - warum ist es völlig okay willenlose Sklaven zu halten, so lange man sie nicht direkt körperlich quält? Weil sie das "so wollen"? Mich hat das tatsächlich unangenehm an den Umgang der Europäer mit anderen Ethnien in der Geschichte erinnert. Da hat man auch gerne so getan, als ob schwarze Sklaven zu dumm und unselbständig wären um ohne die Führung ihrer weißen Herren klarzukommen. Und warum wird Hermiones Versuch etwas dagegen zu unternehmen als uninformiertes Gutmenschentum lächerlich gemacht? (ich hab keine Lust nach Textbelegen zu suchen, aber so habe ich das in Erinnerung. Korrigiert mich gerne, wenn ich falsch liege!) Zitieren
Perianwen Geschrieben Samstag um 18:33 Geschrieben Samstag um 18:33 Danke für die Threaderöffnung! Als ich als Kind/Jugendliche die Bücher gelesen habe, hat mich nichts gestört. Es war einfach eine schöne Geschichte, mehr habe ich darin nicht gesehen. Je älter ich werde, desto mehr Dinge fallen mir negativ auf. Das habe ich beim Lesemarathon dieses Jahr ganz stark gemerkt. Das mit den Hauselfen ist definitiv ein Punkt, den ich auch befremdlich finde. Würde die Zaubergemeinschaft zumindest etwas Respekt gegenüber den Hauselfen zeigen, könnte ich mich eventuell damit arrangieren, dass es innerhalb dieser Welt fast willenlose Sklavenkreaturen gibt. Andere Welten, andere Sitten. Aber diese absolute Respektlosigkeit und die Tatsache, dass Hauselfen nicht als fühlende Wesen betrachtet werden, obwohl sie eindeutig Gefühle zeigen, ist grausam. Da hilft auch kein „Aber die wollen das so.“ Mir ist jetzt zum ersten Mal die sehr klassische Rollenverteilung von Mann und Frau aufgefallen. Es sind fast immer nur die Mädchen, die weinen, und im 7. Teil kommt Harry der Gedanke, dass er Ginny immer schon so sehr mochte, weil sie im Gegensatz zu anderen Mädchen nicht ständig heult. Während der Orden des Phönix im Grimmauld Place ist, sind alle Mitglieder des Ordens ständig unterwegs. Scheinbar ist immer nur Molly Weasley im Hauptquartier, bringt das Haus auf Vordermann und kocht für alle. Es unterstreicht sehr stark die Mutterfigur, die sie für Harry darstellt, für mich geht das an dieser Stelle allerdings ein bisschen zu weit. Molly als Mutterfigur ist zu diesem Zeitpunkt schon ausreichend etabliert, sodass es nur diesen faden Geschmack von Mutter = Hausfrau hat. Vielleicht war die klassische Rollenverteilung während der Entstehungszeit noch so normal, dass es heute zwar negativ auffällt, für damalige Verhältnisse jedoch nicht ungewöhnlich war. Da darf mich gerne das ältere Semester belehren. Zitieren
gathame Geschrieben Samstag um 19:55 Geschrieben Samstag um 19:55 Auch von mir vielen Dank für die Threaderöffnung! Da habe ich Arbeit gespart. Und hier haben wir ja direkt zwei Themen die wichtig sind: die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau, und natürlich die Hauselfen. Was diese Rollenverteilung betrifft: Perianwen vermutet richtig, das war zu der Zeit als die Bücher geschrieben wurden durchaus noch nicht ungewöhnlich. Und Molly Wesley wird da schon wirklich arg auf die Hausfrauenrolle reduziert. Dabei ist es ja nun nicht so dass die Frau nicht zu mehr in der Lage wäre, ihr Duell mit Bellatrix Lestrange beweist es. Übrigens, da gibt es noch ein Detail in der Rollenverteilung von Mann und Frau das einem vermutlich deutlicher auffällt wenn man zu der Zeit als die Bücher neu waren schon länger Zeit erwachsen war. Und zwar geht es da um absolute Führungspositionen. Die stehen zwar offensichtlich im Prinzip Männern und Frauen gleichermaßen offen, aber normalerweise sind es Männer die solche Positionen einnehmen. Eine Zaubereiministerin ist theoretisch möglich, und angeblich hatte Cornelius Fudge tatsächlich eine Vorgängerin. aber danach sehen wir nur noch Männer in diesem Amt. Und wir sehen auch nur Männer als Hogwarts-Schulleiter, wenn man von den wenigen Wochen absieht in denen Dolores Umbridge Schulleiterin ist (und die sind, wenn auch aus anderen Gründen, ja ohnehin eine Katastrophe). Also: theoretisch stehen solche absoluten Führungspositionen natürlich allen offen, auch Frauen, aber praktisch werden sie mit Männern besetzt; das entspricht durchaus exakt dem was zur Entstehungszeit der Bücher der Normalfall war. Und, ja, die Hauselfen. Das ist meistens das erste was Leuten beim Lesen als kritisch auffällt, weil es halt so sehr offensichtlich ist. Hauselfen werden als intelligente fühlende Wesen beschrieben, aber sie werden nicht als solche behandelt. Niemand scheint sich viel dabei zu denken, auch niemand von den "Guten". Und Hermione die dagegen vorzugehen versucht wird mehr oder weniger lächerlich gemacht, sie verstößt da nämlich gerade gegen eine Norm der Gesellschaft in der sie sich jetzt bewegt. Beadoleoma hat Recht: da erinnert schon sehr deutlich an Vorstellungen aus der Kolonialzeit, dass andere Völker eben den weißen Europäern unterlegen sind, charakterlich und intellektuell, und dass es deswegen gut für sie ist wenn die Kolonialherren "für sie sorgen". Es erinnert auch an die sehr ähnlichen Begründungen dafür warum Sklaverei vertretbar ist. Und mit der Darstellung dass die Hauselfen "das aber so wollen" kann ich mich nun wirklich nicht anfreunden. Mir fällt dazu eine interessante Bobachtung ein die eine Schülerin von mir gemacht hat; das Mädchen war in den USA aufgewachsen und hatte die Harry-Potter-Bücher ursprünglich in der US-Fassung gelesen, und sie hatte auch "Vom Winde verweht" im Original gelesen und den Film im Original gesehen (mittlerweile ist der unkommentiert verboten, damals war das ein Klassiker). "Vom Winde verweht" stellt die Sklaverei in den US-Südstaaten als etwas dar was gut für die betroffenen Menschen war und von ihnen auch vollkommen akzeptiert wurde. Und dieser Schülerin fiel auf, dass die Sprechweise der Hauselfen in "Harry Potter" grammatikalisch exakt der Sprechweise der Sklaven in "Vom Winde verweht" entspricht. Es stimmt, genau betrachtet. Übrigens: vielen Dank an beadoleoma: endlich schreibt mal jemand auch in einem deutschen Text "Hermione" und nicht "Hermine". Denn das macht von der Bedeutung des Namens her einen riesigen Unterschied, das ist nicht nur einfach ein eingesparter Buchstabe. Und Namen haben ja in Rowling-Texten meist ziemlich viele Nebenbedeutungen. - Aber das führt jetzt wirklich zu weit. Zitieren
beadoleoma Geschrieben Samstag um 20:43 Autor Geschrieben Samstag um 20:43 vor 19 Minuten schrieb gathame: das Mädchen war in den USA aufgewachsen und hatte die Harry-Potter-Bücher ursprünglich in der US-Fassung gelesen, und sie hatte auch "Vom Winde verweht" im Original gelesen und den Film im Original gesehen (mittlerweile ist der unkommentiert verboten, damals war das ein Klassiker). "Vom Winde verweht" stellt die Sklaverei in den US-Südstaaten als etwas dar was gut für die betroffenen Menschen war und von ihnen auch vollkommen akzeptiert wurde. Und dieser Schülerin fiel auf, dass die Sprechweise der Hauselfen in "Harry Potter" grammatikalisch exakt der Sprechweise der Sklaven in "Vom Winde verweht" entspricht. Es stimmt, genau betrachtet. Interessant. Ich musste da nämlich an solche Sachen wie "Huckleberry Finn" denken. War eher so ein Gefühl, aber deine Schülerin bestätigt es. Und ja: die Rollenverteilung ist irgendwo in den 50ern hängengeblieben. Auch für die 90er war das bestenfalls konservativ. Ist mir aber auch nicht gleich aufgestoßen, weil Molly natürlich als Mutterersatz für Harry dient. Zitat Übrigens: vielen Dank an beadoleoma: endlich schreibt mal jemand auch in einem deutschen Text "Hermione" und nicht "Hermine". Denn das macht von der Bedeutung des Namens her einen riesigen Unterschied, das ist nicht nur einfach ein eingesparter Buchstabe. Und Namen haben ja in Rowling-Texten meist ziemlich viele Nebenbedeutungen. - Aber das führt jetzt wirklich zu weit. Zu viel des Lobes. Ich hab die Bücher nur auf Englisch gelesen und die deutschen Namen kenn ich entweder nicht oder sie kommen mir blöd vor. wollt ihr noch ein Beispiel? Die Freundschaft zwischen Harry, Hermione und Ron. Zu Anfang ist das ja klassisches Kinderbuch - drei potentielle Außenseiter begegnen sich und werden Freunde und zusammen schaffen sie alles und sind stärker als die fiesen Kinder. Aber: 1. hat mich in den späteren Büchern total genervt wie wenig Harry seine Freunde zu schätzen weiß und wie doof er sich ihnen gegenüber verhält. In welchem Buch sind sie noch mal auf der Flucht und wohnen im Zelt? Da hätte ich mir jedenfalls gewünscht, dass die beiden ihn alleine im Wald zurücklassen... 2. Harry ist der Held, der von allen gefeiert wird, aber eigentlich sind es die anderen beiden, die jedes Mal den Karren aus dem Dreck ziehen und sämtliche Rätsel lösen (vor allem Hermione!). Wenn es nicht darum geht Quiddich zu spielen kriegt Harry echt wenig auf die Reihe. Jetzt könnte man ja sagen, dass das zeigt, dass man mehr erreicht wenn man zusammenarbeitet. Aber Hermione und Ron sind immer nur die Sidekicks. Hermiones Rolle finde ich da besonders problematisch: oberflächlich betrachtet ist sie eine positive Darstellung eines nur scheinbar uncoolen Büchermädchens und ein Vorbild, weil sie fleißig und klug ist. Aber wenn man es sich genau anschaut ist auch ihre eine ganz pseudo-moderne Frauenrolle: ja, du kannst schlau sein und Karriere machen, aber gewöhn dich schon mal daran, dass ein Typ die Lorbeeren einstreicht und dass du nie Chefin, sondern bestenfalls die Assistentin des Chefs sein wirst. (Insofern passt das gut zu deinen Beobachtungen über Karrieremöglichkeiten @gathame ) Was wird am Ende eigentlich aus ihr? (Wie gesagt: letzten Band eher so aus Pflichtgefühl gelesen...) 1 Zitieren
Blauborke Geschrieben Sonntag um 09:11 Geschrieben Sonntag um 09:11 (bearbeitet) vor 13 Stunden schrieb gathame: Was diese Rollenverteilung betrifft: Perianwen vermutet richtig, das war zu der Zeit als die Bücher geschrieben wurden durchaus noch nicht ungewöhnlich. Und Molly Wesley wird da schon wirklich arg auf die Hausfrauenrolle reduziert. Dabei ist es ja nun nicht so dass die Frau nicht zu mehr in der Lage wäre, ihr Duell mit Bellatrix Lestrange beweist es. Übrigens, da gibt es noch ein Detail in der Rollenverteilung von Mann und Frau das einem vermutlich deutlicher auffällt wenn man zu der Zeit als die Bücher neu waren schon länger Zeit erwachsen war. Und zwar geht es da um absolute Führungspositionen. Die stehen zwar offensichtlich im Prinzip Männern und Frauen gleichermaßen offen, aber normalerweise sind es Männer die solche Positionen einnehmen. Ja, ich erinnere mich, dass zur Jahrtausendwende „Frauen in Führungspositionen“, also genau genommen die geringe Zahl von Frauen in Führungspositionen, gerade als Thema aufkam und das dann auch in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert wurde. Insofern wäre Rowling ihrer Zeit tatsächlich voraus gewesen, wenn sie das in ihren Büchern kritisch thematisiert hätte. Dass Frauen sich nach ihrer Heirat auf eine Rolle als Hausfrau und Mutter zurückziehen, war Ende der 90er hingegen zwar nicht unbedingt ungewöhnlich, aber auch längst nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht ist die Handlung der Bücher ja tatsächlich in einer den 50er und 60er Jahren entsprechenden Zeit angesiedelt. Es gibt immerhin weder Handys noch Computer, die großen technischen Errungenschaften der Muggle-Welt sind Fernseher und Autos. Und dass die Phantastischen Tierwesen in den 30ern angesiedelt sind, würde dann ja auch passen. Hier ist die Präsidentin der MACUSA, Seraphina Picquery, interessanterweise eine Frau und es gibt endlich auch gleichgeschlechtliche Liebe. Bearbeitet Sonntag um 09:12 von Blauborke Zitieren
gathame Geschrieben Sonntag um 11:19 Geschrieben Sonntag um 11:19 Mit "Phantastische Tierwesen" habe ich mich nie näher befasst, ich habe mal versucht den ersten Film zu gucken, auf DVD, und habe nach zwanzig Minuten abgeschaltet; das war nicht übel gemacht, aber es hat mich einfach nicht interessiert; soviel ich weiß hat man da allerdings wirklich versucht Rowlings Welt ein bisschen mehr daran anzupassen was eben heute selbstverständlich ist, auch wenn das in den dreißiger Jahren spielt. Und, stimmt: Rowling beschreibt wirklich eine Welt die im Grunde schon zur Entstehungszeit der Bücher nicht mehr so war. Übrigens, Computer gibt es, Dudley hat einen. Dass Handys absolut keine Rolle spielen, auch nicht in den Teilen der Geschichte die in der Muggelwelt spielen, ist allerdings schon ein bisschen seltsam. Und auch das stimmt: dass sich verheiratete Frauen grundsätzlich auf die Hausfrauen- und Mutterrolle zurückziehen, das war auch in den neunziger Jahren nicht mehr grundsätzlich üblich, auch wenn es in Einzelfällen vorkam. Das ist eine Sache die sich langsam verändert hat, deshalb kann man sie schlecht an einem Datum festmachen. Ich habe das etwa so erlebt: in meiner Kindheit (50er/60er Jahre) war das noch selbstverständlich, das Kind einer berufstätigen Mutter, so wie ich zum Beispiel, galt als verwahrlost, mit dem durften viele Kinder nicht spielen. In den siebziger Jahren waren dann berufstätige Frauen, auch verheiratete berufstätige Frauen, schon relativ selbstverständlich. Allerdings nicht überall: in der Stadt wo ich aufgewachsen bin war das inzwischen selbstverständlich, und dann bin ich 1975 aufs Land gezogen in ein eher abgelegenes Dorf, aus beruflichen Gründen, und dort war noch immer die Nur-Hausfrau die Norm. In Hogwarts werden Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet und lernen auch die gleichen Dinge, und offenbar geht man auch davon aus dass die Mädchen später berufstätig sein werden. Und wir haben ja in der Geschichte auch einige Beispiele für Frauen die in durchaus anspruchsvollen Berufen sehr erfolgreich sind: Professor McGonagall, Professor Sprout, Dolores Umbridge (Band 7!), die Richterin Amelia Bones. Allerdings sind das alles offenbar unverheiratete Frauen. Ein Beispiel für eine vergleichsweise anspruchsvoll und erfolgreich berufstätige Frau die verheiratet ist existiert soweit ich sehe nicht. Und über Hermiones berufliche Zukunft erfahren wir tatsächlich nichts, zumindest nicht in den Büchern selbst; das allerdings hat sie mit Harry und Ron gemeinsam. In dem Schlusskapitel "19 Jahre später" erfahren wir zwar wer mit wem verheiratet ist und wie die Kinder dieser Paare heißen, aber über ihre berufliche Zukunft erfahren wir nichts; der einzige über den wir in dieser Hinsicht eine Information bekommen ist Neville (Professor für Kräuterkunde in Hogwarts). Auch auffällig in diesem Zusammenhang. Von zwei der jüngeren Frauen erfahren wir einiges über ihre Berufstätigkeit: Nymphadora Tonks ist bei der Kripo ("Auroren"), und Fleur Delacour ist Bankkauffrau. Aber sowie die beiden in festen Beziehungen sind ist davon mit keinem Wort mehr die Rede, es geht nur noch um diese Beziehungen und um eventuelle Kinder. Das passt gut zu dieser Fixierung von Rowling auf eine ganz bestimmte Sache: die "Liebe" als Grundmotiv, verstanden als Liebe zwischen einem Mann und einer Frau die miteinander verheiratet sind oder als Liebe zwischen Eltern und Kindern. Dieses Motiv wird ja von ihr schon recht heftig strapaziert, und gelegentlich nervt mich das ein bisschen. Zitieren
Perianwen Geschrieben Sonntag um 18:21 Geschrieben Sonntag um 18:21 vor 21 Stunden schrieb beadoleoma: 1. hat mich in den späteren Büchern total genervt wie wenig Harry seine Freunde zu schätzen weiß und wie doof er sich ihnen gegenüber verhält. In welchem Buch sind sie noch mal auf der Flucht und wohnen im Zelt? Da hätte ich mir jedenfalls gewünscht, dass die beiden ihn alleine im Wald zurücklassen... Ja! Es war der 7. Teil, und Ron ist auch tatsächlich kurz abgehauen. Allerdings wurde das dem negativen Einfluss des Horkruxes zugeschrieben und er hat die Entscheidung sofort bereut. vor 21 Stunden schrieb beadoleoma: 2. Harry ist der Held, der von allen gefeiert wird, aber eigentlich sind es die anderen beiden, die jedes Mal den Karren aus dem Dreck ziehen und sämtliche Rätsel lösen (vor allem Hermione!). Wenn es nicht darum geht Quiddich zu spielen kriegt Harry echt wenig auf die Reihe. Jetzt könnte man ja sagen, dass das zeigt, dass man mehr erreicht wenn man zusammenarbeitet. Aber Hermione und Ron sind immer nur die Sidekicks. Ja! Gott, geht mir Harry insbesondere zum Ende hin auf die Nerven. Wie er über seine Freunde fährt und nur seinen Sturkopf durchsetzen möchte. Schlimm fand ich am Ende des 7. Teils, wo in Hogwarts gekämpft wird, dass (aus Harrys Erzählersicht) alle, die sterben, für Harry sterben, damit der große Held seine Aufgabe erfüllen kann. Harry kommt keine Sekunde lang auf den Gedanken, dass die Leute nicht kämpfen, weil sie ihn so toll finden, sondern für die gute Sache im Allgemeinen. vor 6 Stunden schrieb gathame: Auch auffällig in diesem Zusammenhang. Von zwei der jüngeren Frauen erfahren wir einiges über ihre Berufstätigkeit: Nymphadora Tonks ist bei der Kripo ("Auroren"), und Fleur Delacour ist Bankkauffrau. Aber sowie die beiden in festen Beziehungen sind ist davon mit keinem Wort mehr die Rede, es geht nur noch um diese Beziehungen und um eventuelle Kinder. Als Harry, Ron und Hermine sich im 7. Teil bei Fleur und Bill verstecken, wird Fleur auch ausschließlich als Hausfrau und Gastgeberin dargestellt. Da habe ich nicht nur gedacht, dass das leicht überholt ist, es ging mir richtig auf den Keks, weil es so prominent war. Ich glaube, ich habe sogar wirklich den Kopf geschüttelt beim Lesen. Zu Tonks muss man allerdings sagen, dass sie starb, als ihr Baby ein paar Monate alt war. Sie hatte keine Chance, arbeitende Mutter zu werden. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob es irgendwo erwähnt wird, ob Tonks nach ihrer Hochzeit, bevor sie schwanger wurde, noch arbeitet. Im Theaterstück „The Cursed Child“ ist Hermine Zaubereiministerin und damit die Chefin von Harry (Leiter der Aurorenabteilung) und Ron (Mitarbeiter der Aurorenabteilung). vor 6 Stunden schrieb gathame: Und, stimmt: Rowling beschreibt wirklich eine Welt die im Grunde schon zur Entstehungszeit der Bücher nicht mehr so war. Übrigens, Computer gibt es, Dudley hat einen. Dass Handys absolut keine Rolle spielen, auch nicht in den Teilen der Geschichte die in der Muggelwelt spielen, ist allerdings schon ein bisschen seltsam. Ich weiß nicht genau, woher diese Information kommt, die in meinem Kopf schwirrt, aber ich meine, Harry Potter wurde irgendwann in den 80ern geboren Noch etwas anderes, was hier im Forum an anderer Stelle schonmal diskutiert wurde: Dass Rowling Dumbeldore und James Potter zuerst als durchweg gute Menschen darstellt, um ihnen später eine negative Vergangenheit zu geben und nur sehr dürftige Erklärungen, warum die Personen am Ende dann doch „gut“ geworden sind. 1 Zitieren
gathame Geschrieben Sonntag um 20:29 Geschrieben Sonntag um 20:29 Ganz kurz vorweg: als Harrys Geburtsdatum wird Ende Juli 1980 angegeben, und das heißt die Bücher spielen in den neunziger Jahren. Und, stimmt leider: Harry nervt, und zwar sehr. Eigentlich wird dem dauernd geholfen, und er wird dauernd beschützt, von Ron und Hermione auf jeden Fall, aber auch von anderen Leuten. Offenbar weiß er das nicht sonderlich zu schätzen, vermutlich nimmt er es teilweise nicht einmal wahr. Und er glaubt tatsächlich dass die Leute in der Schlacht von Hogwarts für ihn sterben weil er ja der "Auserwählte" ist. Snape beschreibt ihn als "mediocre, arrogant as his father, a determined rulebreaker, delighted to find himself famous, attention-seeking and impertinent" (Band 7, "The Prince's Tale); so ganz unrecht hat er da nicht. Wobei Harry für den "Auserwählten" ja nun nichts kann, das hat Dumbledore ihm eingeredet, seit dem Ende von Band 5. Denn so ganz plötzlich wird Dumbledore ja nicht zu einer doch eben auch ziemlich negativen Figur. Wir nehmen das leicht zu spät wahr, weil praktisch die gesamte Geschichte aus Harrys Sicht erzählt wird, und der merkt ja doch erst sehr spät wie Dumbledore ihn manipuliert hat. Denn, nüchtern betrachtet ist es doch so: Dumbledore weiß von Anfang an dass Harry ein Horcrux ist, dass er also voraussichtlich sterben muss bevor Voldemort besiegt werden kann; und deshalb scheint es ihm praktisch Harry einzureden dass er der Auserwählte ist der als einziger Voldemort besiegen kann. Und der Auserwählte darf dann eben auch alle gefährlichen Dinge erledigen, Horcrux-Suche und so weiter, weil er ja sowieso sterben muss, da muss man niemand anderen in Gefahr bringen. "You have been raising him like a pig for slaughter", sagt Snape (Band 7, The Prince's Tale), "wie ein Schwein zum Schlachten". - So viel zum "guten" Dumbledore. Das ist eigentlich schon ziemlich gut entwickelt im Lauf der Geschichte, finde ich. Ein echtes Problem ist James Potter. Und auch da stammt das Problem zum Teil daher dass wir halt die gesamte Geschichte aus Harrys Sicht erzählt bekommen. denn Harry, unter sehr unguten Bedingungen aufgewachsen, neigt natürlich dazu sich nach seinen Eltern zu sehnen und zu glauben dass sie ganz tolle Leute gewesen sein müssen. Und Hagrid sagt ihm bei seiner ersten Begegnung mit Harry ja auch genau das, wobei er übrigens (im Buch zumindest) eine faustdicke Lüge erzählt; er sagt, James Potter sei Head Boy /Schülersprecher gewesen, und das kann nicht stimmen; Schülersprecher kann nur werden wer in der 5. Klasse Prefect/"Vertrauensschüler" geworden ist, und da das in diesem Jahrgang Remus Lupin war kann es nicht James Potter gewesen sein. Ein offenbar realistisches Bild von James Potter bekommen wir tatsächlich erst in Band 5, im Kapitel "Snape's Worst Memory". Und, stimmt leider: danach gibt es ein paar halbherzige und von Harry natürlich gern geglaubte Erklärungen dass James Potter sich später gebessert habe und vernünftiger geworden sei. Und dann sind James und Lily Potter halt das ideale liebende Elternpaar, in bester Rowling-Manier halt. Und auch wenn ich es den beiden glaube dass sie ihr Kind lieben, die Vorgeschichte dieser Ehe dürfte doch wohl wenig ideal sein wenn man sich das mal nüchtern betrachtet. Also: Lily Evans ist mit Severus Snape befreundet, bin in die letzten Schuljahre hinein, und dann verkrachen sie sich und Lily fängt an mit James zu gehen. "Ich dachte, das ist der der Ron am meisten ärgert" wird Hermione später in einer vergleichbaren Situation als Erklärung sagen als sie gefragt wird warum sie mit einem Idioten wie Cormac McLaggen ausgeht. Und dann heiratet Lily Evans überstürzt mit neunzehn Jahren James Potter. War sie schwanger? Damals nannte man so etwas eine Muss-Ehe. - Tut mir leid dass das so unromantisch klingt. Aber es ist halt die Überlegung die sich zwangsläufig ergibt wenn man sich die Fakten und die Zeitabläufe genauer ansieht. 1 Zitieren
Blauborke Geschrieben Montag um 07:12 Geschrieben Montag um 07:12 (bearbeitet) vor 19 Stunden schrieb gathame: Übrigens, Computer gibt es, Dudley hat einen. Ach, der Computer, klar. Und das ganze ferngesteuerte Zeug. Typisch 90er, genauso wie Dudleys Gewichtsprobleme. Adipositas war auch gerade ein neues Thema in den späten 90ern, wie auch das Phänomen, dass Frauen zwar mittlerweile Karriere machten, allerdings trotzdem zusätzlich noch die Erziehungs- und Hausarbeit zu leisten hatten. Aber Jahreszahlen gibt es in den Büchern nicht, oder hab ich das falsch in Erinnerung? Bearbeitet Montag um 07:12 von Blauborke Zitieren
gathame Geschrieben Montag um 11:41 Geschrieben Montag um 11:41 Doch, der Computer und das was du "das ganze ferngesteuerte Zeug" nennst, das ist schon sehr typisch neunziger Jahre, das sind halt die Dinge die man logischerweise verwendet wenn man ein sehr verwöhntes Kind aus dieser Zeit beschreiben will. Auch der Computer fällt da noch unter "sehr verwöhnt": es gab Anfang der neunziger Jahre durchaus Kinder die so etwas hatten, aber der Normalfall war es noch nicht. Und auch Adipositas bei Kindern wurde erst in dieser Zeit so langsam als Problem wahrgenommen. Dass die Dursleys das als "Babyspeck" oder "gut beieinander sein" abtun während die Schule es für ein Problem hält passt genau in die Zeit. Nun ist ja Dudleys Übergewicht sowieso ein Problem in dieser Geschichte. Es soll eindeutig unterstreichen wie verwöhnt Dudley ist und dass er halt von allem immer zu viel bekommt. Es wird als absolut extremes Übergewicht beschrieben und wird ständig dazu benutzt um Dudley lächerlich zu machen, in oft schon wirklich sehr bösartigen Formulierungen. Man stört sich wenig daran weil Dudley zu den unsympathischen Personen gehört und die Geschichte gerade in den ersten beiden Bänden dem Lesern ja doch sehr genau vorgibt wen sie sympathisch zu finden haben und wen nicht. Aber genaugenommen ist diese Darstellung doch schon ziemlich grenzwertig. Da haben die alten Filme es genau richtig gemacht; da hat Dudley zwar sichtlich Übergewicht, aber das ist nicht wirklich extrem, und es wird auch nicht irgendwie weiter thematisiert. Und, stimmt: Jahreszahlen oder überhaupt präzise Datumsangaben gibt es in den Büchern so gut wie gar nicht. Die einzige Jahreszahl die soweit ich im Moment weiß tatsächlich in den Büchern erscheint ist 1945 als Datum des Duells zwischen Dumbledore und Grindelwald, was ja nun zweifellos ein ziemlich symbolträchtiges Datum ist. Dass Harry Ende Juli geboren ist ergibt sich aus dieser Prophezeiung die für die Geschichte grundlegend ist, aber die Jahreszahl 1980 stammt nicht aus dieser Prophezeiung; genaugenommen weiß ich im Moment überhaupt nicht woher die stammt, vermutlich ist es tatsächlich eine der vielen Zusatzinformationen die Rowling irgendwann irgendwo mitgeteilt hat. Sie passt aber jedenfalls gut zum Verlauf der Geschichte wo ja doch sehr vieles erkennbar neunziger Jahre ist. Und auch das ist natürlich neunziger Jahre: Frauen machen vielleicht mittlerweile Karriere, sind aber trotzdem nach wie vor für Erziehungs- und Hausarbeit zuständig. Ich weiß jetzt das exakte Datum nicht, aber bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein durften verheiratete Frauen nur berufstätig sein wenn sie dadurch "ihre häuslichen Pflichten nicht vernachlässigten", und Männer durften ihren Frauen verbieten arbeiten zu gehen. Und das hieß praktisch dass Frauen sich entscheiden mussten: anspruchsvoller Beruf oder Ehe? Beides zugleich ging praktisch nicht. Bis es eben in den neunziger Jahre, nach entsprechenden Gesetzesänderungen, wenigstens ein bisschen einfacher wurde. Zitieren
Blauborke Geschrieben Montag um 13:09 Geschrieben Montag um 13:09 vor einer Stunde schrieb gathame: Und auch das ist natürlich neunziger Jahre: Frauen machen vielleicht mittlerweile Karriere, sind aber trotzdem nach wie vor für Erziehungs- und Hausarbeit zuständig. Ich weiß jetzt das exakte Datum nicht, aber bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein durften verheiratete Frauen nur berufstätig sein wenn sie dadurch "ihre häuslichen Pflichten nicht vernachlässigten", und Männer durften ihren Frauen verbieten arbeiten zu gehen. Und das hieß praktisch dass Frauen sich entscheiden mussten: anspruchsvoller Beruf oder Ehe? Beides zugleich ging praktisch nicht. Bis es eben in den neunziger Jahre, nach entsprechenden Gesetzesänderungen, wenigstens ein bisschen einfacher wurde. Der männliche Hausvorstand wurde in Deutschland Ende der 70er abgeschafft. Im EU-Raum gab’s das in den 90ern, soweit ich weiß, nirgendwo mehr. Aber trotz der Gesetzesänderung haben sich Männer ja nicht anschließend alle automatisch an der Erziehung oder an der Hausarbeit beteiligt, wenn die Frauen berufstätig waren. Und das, meinte ich, war Debattenthema in den 90ern. Aber natürlich ist das bei Rowling kein umstrittenes Thema, sie beschreibt einfach nur den weit verbreiteten Ist-Zustand der damaligen Zeit, wenn bspw. Fleur zwar berufstätig, aber trotzdem dafür zuständig ist (oder sich zuständig fühlt), die Gäste zu bewirten. Zitieren
beadoleoma Geschrieben Montag um 18:14 Autor Geschrieben Montag um 18:14 Wie das mit der Erlaubnis zum arbeiten durch den Ehemann in GB war, weiß ich nicht, aber bis in die 70 durften dort verheiratete Frauen in manchen Berufen gar nicht arbeiten. D.h. wenn du heiraten wolltest, musstest du kündigen. Aber mal zu einem anderen Punkt: vor 21 Stunden schrieb gathame: Und Hagrid sagt ihm bei seiner ersten Begegnung mit Harry ja auch genau das, wobei er übrigens (im Buch zumindest) eine faustdicke Lüge erzählt; Ich würde da um ehrlich zu sein nicht von einer Lüge reden, sondern von schlechter Continuity. auch wenn Rowling von Anfang an 7 Bände im Kopf gehabt haben mag, hat sie glaube ich nicht alles bis zum Ende durchdacht und deshalb gibt es diese Widersprüche. Diese nicht-Planung finde ich viel gravierender bei den Backstories, die (wie ihr schon mehrmals erwähnt habt) oft überhaupt nicht zum ersten Eindruck der Figur passen: die Potter-Eltern, Dumbledore, Snape ... In diese Reihe gehören für mich auch die Dursleys. Im Prinzip beginnt alles wie im klassischen Märchen: Harry wird schlecht behandelt, einfach weil er ein Waisenkind ist. Ein bisschen wie Aschenputtel. Später versucht Rowling dann zu erklären WARUM die Dursleys ihn so behandeln und das macht alles kaputt: weder kann man sie wie die böse Märchen-Stiefmutter hassen und sich über ihre Bestrafung freuen*, noch ist das extreme Verhalten so richtig nachvollziehbar (für mich zumindest). Ja, Lily ist die tollere, begabtere, besonderere Schwester gewesen, aber das ist einfach nicht überzeugend genug. Das sind meiner Meinung nach übrigens beides nicht Beispiele für eine fragwürdige Weltanschauung, sondern dafür, dass die Potter-Bücher sich zwar unbestritten gut lesen lassen (zumindest bis Band 4 oder 5, danach war es für mich eher Pflichterfüllung), aber die schriftstellerische Qualität halt doch eher so lala ist. *Beispiel: die grausige Tante, die in einem der ersten Bücher aufgeblasen wird. Das ist ganz schlichte Märchengerechtigkeit. Person X ist gemein zum Protagonisten und wird schlimm bestraft. Und wir freuen uns. Das funktioniert aber nicht mit komplexen Figuren. (Wobei die "Komplexität" der Figuren noch mal ein anderes Thema wäre. Da müsste ich aber echt noch mal in die Bücher schauen um fundiert nörgeln zu können. Zitieren
gathame Geschrieben Montag um 19:16 Geschrieben Montag um 19:16 Nachtrag dazu dass Fleur zwar berufstätig ist aber trotzdem die "Gäste" (Flüchtlinge) bewirtet: zu diesem Zeitpunkt geht Fleur nicht zur Arbeit, ebenso wie die gesamte übrige Familie Weasley. Die Weasleys werden als "Blutsverräter" verfolgt und sind untergetaucht, keiner von denen kann mehr riskieren zur Arbeit zu gehen. Und, stimmt: schlechte Continuity, das haben wir öfters in dieser Geschichte. Zweifellos gab es ein durchgängiges Konzept für die Gesamthandlung von Anfang an, aber alle Details waren natürlich nicht festgelegt, das ist bei einem Text dieses Umfangs vermutlich auch kaum möglich. Also entstehen zwangsläufig Widersprüche. Und auch das stimmt: der Anfang der Geschichte arbeitet viel mit Märchenmotiven, und das heißt auch dass nicht psychologisiert wird und dass es eben eindeutig Gute und eindeutig Böse gibt, ohne großartige Erklärung dazu. Und in den letzten Bänden (das fängt in Band 5 so langsam an) kommt dann das "Warum" dazu, und das Verhalten der Personen wird erklärt. Die Personen bekommen eine Vorgeschichte die erklären soll warum sie so und so geworden sind. Das ist eine vollkommen andere Art eine Geschichte zu erzählen, sicherlich auch eine "erwachsenere", denn aus den Kindern um die es ursprünglich ging sind ja inzwischen Erwachsene geworden. Im Grunde passen der Anfang und das Ende der Geschichte von der Erzählweise her nicht zusammen. Vermutlich liegt es auch daran dass manche Leute mit den ersten Bänden glücklicher sind und manche Leute mit den letzten. Ich bin übrigens mit den letzten glücklicher. Obwohl ich durchaus sehe dass die ganzen Vorgeschichten die wir da kennen lernen doch auch teilweise recht klischeehaft sind und das man über die schriftstellerische Qualität zumindest streiten kann. - Übrigens: Märchen sind toll. Aber die sollen dann bitte auch Märchen bleiben, ohne nachträgliche Bearbeitungen und Erklärungen. Zitieren
Blauborke Geschrieben Gestern um 08:04 Geschrieben Gestern um 08:04 vor 12 Stunden schrieb gathame: Nachtrag dazu dass Fleur zwar berufstätig ist aber trotzdem die "Gäste" (Flüchtlinge) bewirtet: zu diesem Zeitpunkt geht Fleur nicht zur Arbeit, ebenso wie die gesamte übrige Familie Weasley. Die Weasleys werden als "Blutsverräter" verfolgt und sind untergetaucht, keiner von denen kann mehr riskieren zur Arbeit zu gehen. Echt unglaublich, dieser Bill, arbeitet selbst dann im Haushalt nicht mit, wenn er sonst nichts zu tun hat! Zitieren
gathame Geschrieben Gestern um 08:45 Geschrieben Gestern um 08:45 Das ist mir allerdings auch schon aufgefallen... 1 Zitieren
Perianwen Geschrieben Gestern um 17:33 Geschrieben Gestern um 17:33 Was uns zur nächsten Frage bringt: Was macht Bill den ganzen Tag? Für den Orden arbeiten? vor 22 Stunden schrieb gathame: Und auch das stimmt: der Anfang der Geschichte arbeitet viel mit Märchenmotiven, und das heißt auch dass nicht psychologisiert wird und dass es eben eindeutig Gute und eindeutig Böse gibt, ohne großartige Erklärung dazu. Und in den letzten Bänden (das fängt in Band 5 so langsam an) kommt dann das "Warum" dazu, und das Verhalten der Personen wird erklärt. Die Personen bekommen eine Vorgeschichte die erklären soll warum sie so und so geworden sind. Das ist eine vollkommen andere Art eine Geschichte zu erzählen, sicherlich auch eine "erwachsenere", denn aus den Kindern um die es ursprünglich ging sind ja inzwischen Erwachsene geworden. Im Grunde passen der Anfang und das Ende der Geschichte von der Erzählweise her nicht zusammen. Vermutlich liegt es auch daran dass manche Leute mit den ersten Bänden glücklicher sind und manche Leute mit den letzten. Ich bin übrigens mit den letzten glücklicher. Obwohl ich durchaus sehe dass die ganzen Vorgeschichten die wir da kennen lernen doch auch teilweise recht klischeehaft sind und das man über die schriftstellerische Qualität zumindest streiten kann. - Übrigens: Märchen sind toll. Aber die sollen dann bitte auch Märchen bleiben, ohne nachträgliche Bearbeitungen und Erklärungen. Ich glaube, da sprichst du einen Knackpunkt an, den fast jeder spürt, aber nicht unbedingt in Worte fassen kann. Dieser Übergang von kindlicher Erzählweise zu erwachsener Erzählweise ist an der ein oder anderen Stelle nicht so geglückt, wodurch die Geschichte insgesamt nicht so rund wirkt. Wenn ich da jetzt drüber nachdenke: Ich mag beides. Ich mag das Leichte, Unkomplizierte an den ersten Bänden. Ich mag aber auch, wie die Charaktere und die Geschichte in den späteren Bänden mehr Tiefe bekommen. Wofür ich mich im Zweifelsfall entscheiden würde, ist wahrscheinlich stimmungsabhängig. Zitieren
gathame Geschrieben vor 23 Stunden Geschrieben vor 23 Stunden Doch, dieser Übergang von "kindlich" zu "erwachsen" ist auf alle Fälle vorhanden, und meinem Eindruck nach fällt der auch vielen Lesern in irgendeiner Weise auf. Ich halte das übrigens an und für sich nicht mal für einen Fehler. Im Grunde genommen wird die Geschichte im gleichen Tempo erwachsener wie ihre Hauptfiguren erwachsener werden. Das ist eigentlich eine ganz interessante Erzählweise. Bloß die Übergänge sind halt manchmal ein bisschen holprig. Um noch mal auf Bill und Fleur zurückzukommen: Was macht eigentlich Bill den ganzen Tag? Teilweise ist er wohl tatsächlich für den Orden unterwegs, er scheint überhaupt derjenige zu sein der für die Außenkontakte zuständig ist; er bringt beispielsweise Mr. Ollivander in ein anderes sicheres Quartier. Das Haus ist durch den Fideliuszauber geschützt, und Bill ist der Geheimniswahrer. Und Fleur bringt in der gleichen Zeit sieben Flüchtlinge in einem Haus mit drei Schlafzimmern unter, betreut drei von ihnen (Griphook, Hermione, Ollivander) medizinisch und kocht für alle. Ist schon ein Ungleichgewicht, irgendwie, scheint aber niemandem großartig aufzufallen. Immerhin: es gibt eine Szene, in der Harry ihr beim Kochen hilft. Zu der Zeit als die Bücher geschrieben wurden (ist ja doch inzwischen auch ein paar Jahrzehnte her) empfand man so etwas einfach noch als den normalen Lauf der Dinge, selbst Leute die das eigentlich theoretisch gerne geändert hätten sind da immer wieder darauf reingefallen. Und ich vermute dass das genau das ist was Rowling hier passiert. Ich habe diese Szenen in Shell Cottage vorhin noch mal nachgelesen, und dabei ist mir noch etwas aufgefallen was mich stört. Da gibt es eine Szene wo der freudestrahlende Remus Lupin zu Besuch kommt und mitteilt dass Tonks ihr Baby bekommen hat. Natürlich bricht allgemeiner Jubel aus, und alle freuen sich und gratulieren. Und, ehrlich gesagt, das ist mir zu viel Jubel unter den gegebenen Umständen. Erstens ist die Ehe von Lupin und Tonks ja sicherlich alles andere als unproblematisch, noch ein halbes Jahr zuvor war er drauf und dran sie zu verlassen. Und jetzt leben beide im Untergrund und sind in ständiger Lebensgefahr. Ob ein Baby da wirklich ein Grund für derartigen Jubel ist weiß ich wirklich nicht. Zitieren
Perianwen Geschrieben vor 8 Stunden Geschrieben vor 8 Stunden vor 14 Stunden schrieb gathame: Ich habe diese Szenen in Shell Cottage vorhin noch mal nachgelesen, und dabei ist mir noch etwas aufgefallen was mich stört. Da gibt es eine Szene wo der freudestrahlende Remus Lupin zu Besuch kommt und mitteilt dass Tonks ihr Baby bekommen hat. Natürlich bricht allgemeiner Jubel aus, und alle freuen sich und gratulieren. Und, ehrlich gesagt, das ist mir zu viel Jubel unter den gegebenen Umständen. Erstens ist die Ehe von Lupin und Tonks ja sicherlich alles andere als unproblematisch, noch ein halbes Jahr zuvor war er drauf und dran sie zu verlassen. Und jetzt leben beide im Untergrund und sind in ständiger Lebensgefahr. Ob ein Baby da wirklich ein Grund für derartigen Jubel ist weiß ich wirklich nicht. Solch ein Verhalten kommentiert Mrs Weasley an anderer Stelle, ich weiß leider nicht mehr, wo genau. Sie sagt, auch damals, als Voldemort das erste Mal an der Macht war, wurden überhastet Ehen geschlossen. Ihre eigene mit eingeschlossen, soweit ich mich erinnere. Sie sagt, in Zeiten der Dunkelheit, in der man nicht weiß, was das Morgen bringt, denkt man kurzfristiger. Ein ähnliches Szenario haben wir hier. Die Welt ist düster, dunkel, gefährlich, es sterben ständig Menschen vor ihrer Zeit. Und in diesen Zustand hinein wird ein Kind geboren, neues Leben, ein Licht in der Dunkelheit. Ob das für das Kind und die Gesamtsituation gut oder schlecht ist - es fühlt sich wahrscheinlich gut an. Es ist ein Grund mehr, den Kampf weiterzuführen, um diesem Menschlein eine Zukunft zu schenken. Da beißen sich wahrscheinlich Gefühl und Realität, aber verständlich finde ich es allemal. Zitieren
Shatiel Geschrieben vor 8 Stunden Geschrieben vor 8 Stunden Am 5.4.2026 um 20:21 schrieb Perianwen: Im Theaterstück „The Cursed Child“ ist Hermine Zaubereiministerin und damit die Chefin von Harry (Leiter der Aurorenabteilung) und Ron (Mitarbeiter der Aurorenabteilung). Ich glaube, dass Ron im Stück gar nicht mehr Auror ist, sondern den Scherzartikelladen mit George betreibt. Und generell nicht mit seiner Power-Frau (die ihren Mädchennamen natürlich behalten hat) mithalten kann, eher als Witzfigur rüberkommt. Das hat mich am Stück aber ehrlich am wenigsten gestört (hab nur das Script gelesen, gesehen habe ich es nicht). Mehr folgt später, muss da noch meine Gedanken über den nervigen Teenager-Harry und die schlechte continuity sortieren. Zitieren
Perianwen Geschrieben vor 7 Stunden Geschrieben vor 7 Stunden vor 46 Minuten schrieb Shatiel: Ich glaube, dass Ron im Stück gar nicht mehr Auror ist, sondern den Scherzartikelladen mit George betreibt. Und generell nicht mit seiner Power-Frau (die ihren Mädchennamen natürlich behalten hat) mithalten kann, eher als Witzfigur rüberkommt. Das hat mich am Stück aber ehrlich am wenigsten gestört (hab nur das Script gelesen, gesehen habe ich es nicht). Oh, auch möglich, danke für die Berichtigung. Ja, das Stück zu lesen war grauenhaft und ich hatte keinerlei Interesse, das Theaterstück zu sehen. Habe dann aber aus mehreren Richtungen gehört, dass das Theaterstück ziemlich gut sein soll. Ich habe es mir also auch angesehen - und war tatsächlich positiv überrascht. Die Story wird natürlich nicht besser, aber die Inszenierung fand ich echt gut. Auf der Bühne wird das Stück ganz anders. Zitieren
beadoleoma Geschrieben vor 4 Stunden Autor Geschrieben vor 4 Stunden vor 18 Stunden schrieb gathame: Zu der Zeit als die Bücher geschrieben wurden (ist ja doch inzwischen auch ein paar Jahrzehnte her) empfand man so etwas einfach noch als den normalen Lauf der Dinge, selbst Leute die das eigentlich theoretisch gerne geändert hätten sind da immer wieder darauf reingefallen. Und ich vermute dass das genau das ist was Rowling hier passiert. Da muss ich dir ein bisschen widersprechen. Für mich klingt das was du schreibst eher nach 1950er als nach 2000er Jahre. Als die Bücher entstanden sind (97-2007) war Gleichberechtigung durchaus ein Thema und die "traditionelle" Familie, in der Papa Geld verdient und Mama zuhause alles wuppt, war längst nicht mehr für alle selbstverständlich. In D wurde z.B. immerhin 2007 Elterngeld & Elternzeit neu geregelt, u.a. mit dem Ziel dass auch Väter zumindest eine Zeit lang zuhause bei Partnerin und Kind sein können. (Dass das in der Praxis vieler Beziehungen anders aussah und aussieht ist ein anderes Thema und führt hier zu weit.) So leicht sollten wir es Frau Rowling nicht machen. Noch mal zum Thema die späteren Bücher sind "erwachsener": das fände ich nicht schlimm. Mein Problem ist, dass ich oft das Gefühl hatte, dass im Nachhinein etwas erklärt werden soll, und dass die Erklärung mich nicht überzeugt. z.B. hätte durchaus auch in den frühen Büchern schon mal jemand (außer Snape) sagen können, dass James Potter keineswegs der rundum perfekte Sonnenschein war, als den ihn Harry (verständlicherweise sieht). Das kann man auch Kindern zumuten. Passiert aber erst, als Rowling plötzlich Erklärungen für z.B Snapes Verhalten braucht. Wenn sie von Anfang an einen richtigen Plan gehabt hätte, wären die Brüche nicht so unüberzeugend, glaube ich. Zitieren
gathame Geschrieben vor 1 Stunde Geschrieben vor 1 Stunde Bevor ich zu diesen ja nun zweifellos vorhandenen Brüchen etwas sage, noch zwei Bemerkungen vorweg: Perianwen erinnert sich dass Molly Weasley auch bei einer Gelegenheit von überhasteten Eheschließungen (inclusive ihrer eigenen) in Krisenzeiten spricht. stimmt, und zwar muss das irgendwo am Anfang von Band 6 stehen, dem Zusammenhang nach. Da hat Molly Bedenken wegen der geplanten Ehe von Bill und Fleur. beadoleoma vermutet dass zu der Zeit als die Bücher geschrieben wurden Gleichberechtigung durchaus schon ein Thema (und zwar ein allgemein akzeptiertes Thema) war. Das stimmt ja auch glücklicherweise, auch wenn die praktische Umsetzung von dem was Leute theoretisch für richtig halten ja durchaus noch mal eine andere Sache sein kann. Aber wie weit Gleichberechtigung tatsächlich schon in den Köpfen angekommen war, das kann regional sehr unterschiedlich sein. Mir ist da immer aufgefallen dass Dinge die in einem städtischen (vor allem einem großstädtischen) Umfeld längst absolut selbstverständlich waren in abgelegenen ländlichen Regionen durchaus noch sehr neu oder noch gar nicht angekommen waren. - Aber ich wollte ja etwas zu diesen Brüchen in der Erzählung sagen. Natürlich kann man das Kindern zumuten zu erzählen dass James Potter eben nicht der "rundum perfekte Sonnenschein" war. Bloß, niemand erzählt das Harry. Dumbledore spricht mit ihm immer nur über seine Mutter, kaum über seinen Vater. Und Sirius Black und Remus Lupin beschreiben ihn (soweit überhaupt) j auch durchaus positiv. Hagrid tut das sowieso, schließlich muss er zu dem Zeitpunkt als er Harry in die Zaubererwelt holt ja auch Reklame machen damit Harry überhaupt mitgeht. Und, das ist eine Sache die ganz wichtig ist und an die man immer zu wenig denkt weil die Bücher eben nicht in der Ich-Form geschrieben sind: die ganze Geschichte wird komplett aus Harrys Sicht erzählt, von ganz wenigen Kapiteln abgesehen. Das allererste Kapitel ist nicht aus Harrys Sicht der Dinge geschrieben, weil er da einfach zu klein ist um schon eine Sicht der Dinge zu haben. Das Auftaktkapitel zu Band 4 ist nicht aus seiner Sicht geschrieben, und danach gibt es noch wenige Kapitel in Band 6 und 7. Ansonsten erfahren wir nicht wie die Dinge sind sondern wie Harry sie sieht. Was er nicht weiß erfahren wir einfach nicht, und wenn er etwas falsch versteht dann erfahren wir es eben auch falsch verstanden. Und Harry ist zu Beginn der Geschichte ein Kind von elf Jahren, zudem noch ein Kind das sich in einer für ihn völlig neuen und fremden Welt bewegt. Sieben Jahre später ist er erwachsen und hat eine ganze Menge Erfahrung mit dieser Welt die ihn umgibt gemacht. Selbstverständlich sieht er die Dinge jetzt anders und eben auch deutlich differenzierter, das liegt ganz einfach in der Natur der Sache. Zitieren
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