Ich stimme @Torshavn zu, der Splitter Verlag ist als erste Anlaufstelle für Fantasy Comics im deutschsprachigen Raum allein schon wegen des riesigen Angebots die beste Adresse. Außerdem, das ist zumindest meine Erfahrung, gibt es in jedem Inhaber-geführten Comicbuchladen eigentlich immer auch eine Denise oder einen Stuart, die einem mit passgenauen Empfehlungen weiterhelfen.
Das erste Fantasy-Comic, das ich gelesen habe, war François Bourgeons 3-bändiges „Die Gefährten der Dämmerung“ von Ende der 80er. GdD spielt in einem mittelalterlichen Setting, während eines 100-jährigen Krieges, in dem ein gesichtsloser Ritter, eine windige Type und ein seherisch begabtes Mädchen vom Schicksal zusammengeführt und vom Ritter dann, so sagt er, „an die Grenzen der Welt“ geleitet werden - oder eher darüber hinaus, Band 1 trägt nicht ohne Grund den Titel „Im Zauber des Nebelwaldes“.
Bourgeons Zeichenstil ist realistisch, für GdD hat er seine Bleistiftskizzen mit Tusche überarbeitet und Aquarelltusche für die Kolorierung genutzt. Die Anmutung ist aus heutiger Sicht ein wenig altmodisch, zur Zeit ihrer Entstehung galten die Alben aber wegen ihrer farblichen Gestaltung und wegen der Seitenaufteilung als innovativ. Ich habe damals alle Bände verschlungen, genauso wie später die Serie „Die Chroniken des schwarzen Mondes“, ein opulentes Fantasy-Epos von Autor François Froideval und Zeichner Olivier Ledroit (wurde später von weiteren Zeichnern fortgesetzt). Eigentlich ein typisches Fantasy-Setting mit einem Orakel zu Beginn, aber halt auch mit eher unseriösen Typen als Helden. Zuerst sind das der Halbelf Wismerhill und der kampferprobte Pilou, die Gruppe wächst aber ständig und das ist auch nötig, denn ihre Gegner werden ebenfalls immer zahlreicher. Die Geschichte ist ziemlich durchgeknallt und die überladenen Panels tun das ihre dazu. Das erste Album ist von 1990, mittlerweile gibt es einen zweiten Zyklus, der auf einem anderen Planeten spielt, denn … naja, ich will da nicht zu viel verraten.
Jüngeren Datums und inhaltlich ganz anders angelegt ist „Die Macht der Archonten“, eine (bislang) 9-bändige Serie von Jean-Pierre Pécau, die meisten Alben gezeichnet von Igor Kordey. Hier geht es um vier mit magischen Fähigkeiten ausgestattete Tafeln, die von einem sterbenden Mann an seine vier Kinder ausgehändigt werden. Er gibt ihnen die Warnung mit, die Tafeln bloß nie gemeinsam zu nutzen. Daran halten sich die Vier auch - nachdem sie ihren Vater gerächt haben. In der Folge geraten sie dann, meist auf verschiedenen Seiten, in die großen Konflikte der Menschheit, die sie mit ihren besonderen Fähigkeiten beeinflussen - und manchmal hat der eine es auch auf die Karte eines anderen abgesehen. Jeder Band beginnt mit einem in Siena-Tönen gehaltenen Prolog und wird dann mit Einsetzen der Handlung, mit einer an die jeweilige Epoche angepassten Palette, farbig fortgesetzt.
Auch sehr schön ist die Serie „Drachenblut“ von Jean-Luc Istin und den Zeichnern Guy Michel, Stéphane Créty und Syvail Cordurié. Hier werden Fantasy- und Piratenabenteuer-Elemente gemischt - und, denn es geht um Hexerei, Übersinnliches und verborgene Welten, die katholische Kirche spielt auch eine Rolle. Wer nach zwölf Alben immer noch nicht genug hat, kann noch das 4-bändige Spin-off um die Hauptfigur aus "Drachenblut", den Piraten und Magier Hannibal Mériadec anschließen.
Mangas habe ich probiert; ich finde, es gibt da auch wirklich interessante Geschichten und Charaktere, aber ich werde mit dem Stil nicht so richtig warm.