Was zuvor geschah (wird auch nochmal kurz im Text wiederholt):
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Lang ruhte ihr starrer Blick auf dem Ziel. Vor ihren grauen Kristallen offenbarte sich ein zu den Wolken hinauf ragender, pechschwarzer Turm, an dessen Ende sich gewaltige und spitze Zacken befanden, die am Firmament zu kratzen schienen. Drumherum war eine meilenweite, kreisrunde Steinmauer. Es war lange her, als sie zuletzt an diesem Ort war. Eine Träne lief ihr über die Wange, die sie jedoch eilig wegwischte. Hinter ihrem vermummten Gesicht war es nicht zu sehen, aber gleich einem Waldbrand, breitete sich nun Zorn in diesem aus. Sie atmete schwer und lange ein, und dann ebenso lange wieder aus. Ihr Herz schien dabei nahezu zum Stillstand gekommen zu sein, und doch fühlte es sich gleichzeitig so an, als wollte es aus ihrer Brust brechen. Endlich hatte sie ihr Ziel erreicht: Isengard.
Langsam stieg sie von ihrem Pferd ab, band dieses jedoch nirgendwo an. Es würde hier auf ihre Rückkehr warten. Womöglich für immer. Dann schritt sie langsam in Richtung des Walls und begann, unten angekommen, diesen hinaufzuklettern.
Im Inneren des Walls angekommen, hatte sie eine Weile später dann den Fuße des schwarzen Turms erreicht und sah zur Spitze hinauf. Gegen das dunkle Bollwerk war sie winzig und so fühlte sich die Aufgabe für sie auch an, denn sie hatte sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinne, einen gewaltigen Turm zu erklimmen. Aber sie war hier für ein einziges Ziel hergekommen und dieses wollte sie erreichen, koste es was es wolle! Selbst ihr Leben! Sie wusste nicht, wo im Turm sich der weiße Zauberer aufhielt, also begann sie an einer geeigneten Stelle mit den Aufstieg, indem sie mit der rechten Hand die erste Zacke in greifbarer Nähe ergriff.
Ihre Füße hatten noch nicht den Erdboden verlassen, da spürte sie plötzlich ein nasses Gefühl auf dem Gesicht. Überrascht und leicht angewidert verzog sie zuerst das Gesicht, und wischte dieses dann wieder trocken. Erneut überkam sie das nasse Gefühl auf ihrer Haut. Sie runzelte die Stirn und fragte sich, welcher Zauber das gewesen sein sollte, denn sie spürte die Nässe auch unter dem vermummten Teil ihres Gesichts. Sie wischte abermals die Flüssigkeit trocken. Bevor sie wieder zum Aufstieg ansetzen konnte, kam das Gefühl erneut...
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...und dann riss sie plötzlich ihre Augen auf. Der Turm war verschwunden und sie sah ein gewaltiges Maul vor sich. Erschrocken und instinktiv, rollte sie sich zur Seite und bemerkte schnell, dass sie nicht nur kaum Kraft, sondern auch höllische Schmerzen hatte. Wieder lag sie auf dem Rücken, kaum einen Schritt neben der Stelle, an der sie vorher gelegen hatte. Über ihr war nun kein Maul mehr, sondern der freie Himmel. Ein Blick zur Seite offenbarte dann den Übeltäter: Ihr Pferd hatte sie gefunden und ihr Gesicht abgeleckt. Hätte sie die Kraft dazu gehabt, hätte sie gelächelt. Die Frau versuchte sich aufzurichten, bemerkte aber erneut, wie kraftlos sie war und im ganzen Körper furchtbaren Schmerz empfand. Sie wollte etwas sagen, doch brachte kein Wort über ihre Lippen. Stattdessen lag sie dann noch einen Moment auf dem Rücken und versuchte langsam aber sicher, zu atmen, sich zu sammeln und zu überlegen, wo sie sich befand und was passiert war.
Sie wusste nicht, wie lang genau sie dort dann wach lag, aber als sie das nächste Mal zumindest die Kraft für einen Gedanken hatte, bemerkte sie, dass es schon deutlich dunkler war. Sie drehte ihren Kopf erneut zur Seite, denn zu viel mehr war sie derzeit nicht im Stande und sah dann, dass ihr Pferd nun neben ihr lag und über sie wachte. Sie versuchte die Hand nach ihm auszustecken und erreichte gerade so den Kopf des Tieres, den sie sanft streichelte.
Erneut lag sie eine Weile einfach nur auf dem Rücken. Sie versuchte wach zu bleiben, sammelte ihre letzten Kräfte und drehte sich dann um, sodass sie nun auf ihrem Bauch lag. Dann erst sah sie das Schlachtfeld, das sie umgab. Überall lagen tote Orks und schwarzes Blut malte das Bild aus, das sie mit ihren schwachen Augen sehen konnte. Langsam erinnerte sich sich, was passiert sein musste: Ihr stand eine Horde Orks gegenüber, die sie angreifen wollten und dann tauchte der gewaltige Bär auf, der nicht nur mit ihren Gegnern kurzen Prozess machte, sondern auch mit ihr. Mit dem Unterschied, dass sie augenscheinlich wieder mit ihrem Leben davon kam. Gerade so jedenfalls und wie lange noch, würde sich auch noch zeigen. Einschätzen, oder überhaupt ernsthaft darüber nachdenken, konnte sie nicht.
Instinktiv zog sie einen Dolch aus ihrer Rüstung und versuchte mit ihren Ellenbogen nach vorne zu kriechen. Eine gefühlte und vermutlich echte Ewigkeit später, erreichte sie die Überreste eines Orks. Dieser musste schon ein paar Tage dort liegen, denn das Blut war längst getrocknet, die Augen waren herausgepickt und an einigen Stellen war er bereits angefressen. Immerhin roch er nicht schlimmer, als ein lebendiger. Dann rammte sie mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, ihren Dolch mehrmals in Brust und Hals des Feindes. Wenn diese Anstrengung nun ihr Leben kostete, dann wäre das Gefühl der Rache, der Genugtuung, die ihr bisher verwehrt geblieben war, es wert gewesen! Jetzt konnte sie auch sterben!
Erschöpft sackte sie dann neben dem Ork zusammen, noch immer mit der Hand am Griff des Dolches, der in dessen Hals stecken blieb. Kurz darauf richtete sich ihr Pferd auf und stapfte zu ihr. Es stupste ihren Kopf an, sodass die Frau wieder das Bewusstsein erlangte. Es beugte sich runter, sodass sie den Sattel ergreifen konnte, um sich daran mit Kräften hochzuziehen, von denen sie nicht gedacht hatte, dass sie sie hatte. Ihren Dolch musste sie dabei im Ork stecken lassen, denn um diesen herauszuziehen, hatte sie wirklich keine Energie mehr.
Mehr schlecht als recht, saß, oder besser gesagt, lag sie nun auf dem Rücken ihres Reittiers und versuchte sich mit aller Macht festzuhalten, während dieses los ritt, um einen sicheren Unterschlupf für sie beide zu finden.