Meine Sichtweise auf die erste Staffel würde ich mal so zusammenfassen:
Die Serie vermittelt viele neue, visuelle Eindrücke von Arda im Allgemeinen und Mittelerde im Speziellen, angefangen von den Südlanden über Lindon bis zu einem Häppchen von Valinor. Höhepunkte sind zweifelsohne Moria, Numenor und Eregion. Weitere Einblicke in Regionen, die man sonst nur von der Karte her kennt, sind schon angekündigt (Rhun). Die Ausstattung dieser Orte mit Bauwerken, Schiffen, Waffen, Alltagsgegenständen und die zahllosen Details, mit welchen all diese Dinge gestaltet wurden, sind absolut beeindruckend. Die handelnden Personen sind ebenso liebevoll, aber auch authentisch ausgestattet. Was sonst noch an Wesen in der Serie platziert wurde ist optisch faszinierend und tricktechnisch zu fast 100 % gelungen. Der Ausbruch des Schicksalsberges war ein Highlight. Die Serie halte ich in dieser Hinsicht für mindestens ebenbürtig im Vergleich zu den Trilogien. Positiv finde ich zudem, dass man sich die Mühe macht, auch Randthemen des Tolkienschen Universums zu beleuchten. Man befasst sich mit Harfüßen, einem Istar im Z.Z. oder einem Moriondar und bindet diese gut in dieses Universum ein. Man entwickelt Tolkiens Geschichten mit der Legende im Lied von Hithaeglir sogar weiter.
Bei den Figuren der Serie überwiegen die positiven Eindrücke. Es gibt Höhepunkte (Zwerge, Harfüße) und eher blasse Gestalten (Celebrimbor). Von Elrond war ich anfangs wenig angetan, was sich mit zunehmender Dauer der Staffel geändert hat. Die Leistungen einiger Protagonisten vermag ich noch nicht einzuordnen (z.B. Miriel). Galadriel sehe ich bislang als Pluspunkt der Serie auch wenn viel über die Ausgestaltung dieser Rolle diskutiert wurde. Ich halte diese Rolle für eine der schwierigsten, da sie als Hauptrolle konzipiert ist. Man muss mit einer anderen Galadriel anfangen, als sie uns aus den Trilogien bekannt ist. Anderenfalls riskiert man, dass sie mit ihrer Weisheit, Weitsicht und Güte alles überlagert. Das gute Ende von allem, was sie angeht, wäre geradezu vorhersehbar. Galadriel muss im Detail scheitern können, sonst würde es schnell langweilig.
Persönlich gefällt mir zudem, dass man im Vergleich zu den Trilogien bislang weitgehend auf Klamauk verzichtet und das Ganze stattdessen mit vielen Szenen auflockert, welche Wortwitz und Schlagfertigkeit vermitteln (Durin IV./Elrond/Disa; Harfüße).
Was scheinbare oder tatsächliche Logikfehler anbelangt, Abweichungen vom Kanon, den Handlungsaufbau etc. - es ist für mich nichts dabei, was die Serie kaputtmachen würde. Nichtsdestotrotz bin ich froh darüber, dass es genug Themen gibt, welche man hinterfragen kann und über welche sich diskutieren lässt. Anderenfalls wäre es auch irgendwie fad.