Ob diese "Mystery Boxes" nun von Tolkien stammen oder nicht, ist unter deiner Frage "Was für eine Kunst des Regisseurs ist es, dem Zuschauer einen gewissen Inhalt vorzuenthalten und später das Geheimnis zu lüften?" doch irrelevant, da Peter Jackson sie dankend aufgegriffen und sogar noch viele mehr hinzugefügt hat. Unzählige Male möchte er den Zuschauer*innen weiß machen, dieser oder jener Charakter wäre nun tot.
Jedoch ist der direkte Vergleich der Serie zu den Filmtrilogien nicht nur bezuglich der relativ konkreten Vorlagen(Der Hobbit, Der Herr der Ringe) schwierig. Filme bestehen meist aus drei Akten, weshalb PJ wohl auch die "Säuberung des Auenlands" aus seiner Geschichte strich. Damit hat er im Grunde genommen sogar den "Schlussakkord" der Erzählung Tolkiens vollkommen verändert, denn so kehren die Hobbits nicht wie im Buch als Helden, die sich dann ein weiteres Mal beweisen müssen, ruhmreich in ihre Heimat zurück. Stattdessen scheinen die Bewohner des Auenlandes nichts von ihren Taten mitbekommen zu haben. Für sie ist es so, als wäre nie etwas passiert.
Tolkien hat teilweise ganze Handlungsstränge komplett auserzählt, bevor er "in der Zeit zurücksprang" und sich dann dem nächsten widmete. Diese Struktur haben die Autor*innen von Der Herr der Ringe dann verständlicherweise aufgebrochen, um sich in erster Linie dem Medium Film unterzuordnen, welches bestimmten (anderen) "Regeln" unterliegt. Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach mehr als sehen lassen.
Eine Serie hat aber noch mal eine ganz andere Struktur und die zugrunde liegende Vorlage - im Gegensatz zu den Geschichten von Der Hobbit und Der Herr der Ringe - keinen roten Faden/klare Aufgabe a lá Böser Ring muss zerstört oder die Heimat der Zwerge muss zurück erobert werden. Im Zweiten Zeitalter passiert in den ersten 1500 Jahren so gut wie nichts oder wie es in der Synopsis der Serie heißt; „Die Serie beginnt in einer Zeit des relativen Friedens[...]". Äußerst vage, aber so sagt es die Vorlage. Der rote Faden der Serie ist somit wohl zunächst (nur) mit "Es schlummert etwas in Mittelerde" zu beschreiben, was für einige Zuschauer*innen dann nicht "greifbar" genug scheint - kann ich in gewisser Weise nachvollziehen, obwohl es mir persönlich gefällt.
Wenn wir das schon in "Schubladen" unterteilen, hätte hier gerne meine eigene gehabt. Ich habe jegliches Promomaterial zur Serie verschlungen, aber darauf folgend meine Erwartungen eben nicht "herunter geschraubt" - so etwas soll es tatsächlich auch geben. Peter Jacksons HdR-Trilogie ist meiner Ansicht nach das Beste, was die Filmindustrie je hervor gebracht hat. Doch wieso sollte dieser Umstand mir dann andere Interpretationen madig machen? Wieso sollte ich - bei solch einer Nebensache - alles in einer Arena gegeneinander antreten lassen? Wie kann die Serie gegen meine (idealisierten) Erinnerungen an die "alten Filme", die über zwanzig Jahre bei mir entstehen und wachsen konnten, dann auch nur den Hauch einer Chance haben?
... oder die Serienmacher orientieren sich an Tolkiens eigenen Worten;
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Ach, solang Du auch stets Töften (und Kaninchen) dabei hast, ist das doch legitim!