Ich hab mindestens ein Buch im Bücherschrank - und auch schon mal gelesen -, das dafür viele Beispiele aufweist. Eins davon heißt "Tolkien und der Erste Weltkrieg", von John Garth.
Es wäre toll, wenn man dieses Buch hier mal im Forum gemeinsam lesen könnte. Zumal es das ja auch auf Deutsch gibt. Ich kann aber versuchen, demnächst ein paar Beispiele hier zu posten.
Ich kann derzeit aber leider nicht viel lesen täglich, und ich bin grad am "Hobbit" dran, zu dem es ja auch noch Zusatzlektüre gibt: "The History of the Hobbit" von John D. Rateliff unter anderem.
Bei Rateliff sind die textlichen Vorstufen zum "Hobbit" abgedruckt und befriedigt mein Bedürfnis, den ursprünglichen Motivationen, ein solches Buch zu schreiben, nachzuspüren.
Danach möchte ich dann zeitlich noch weiter zurückgehen, sodass ich auch das Zweite Zeitalter, so wie Tolkien es ursprünglich entwickelt hat - und warum -, irgendwie drauf habe; um die Verfilmung dann besser damit vergleichen zu können.
Na ja. Ich meinte damit die Art, wie Corona-Leugner und Maskenverweigerer argumentieren. Wenn die Zwerge in manchen Situationen alle Schuld auf Bilbo schieben wollen, dann habe ich Déjà-vus bezüglich eines politischen Forums, in dem ich täglich lese und auch schreibe.
Bloß dass die Zwerge wieder einlenken, das tun Obengenannte nicht. Dadurch zeigt Tolkien eben gleichzeitig in die Zukunft, wie man aus seinem Lügengespinst wieder rauskommen kann. Realistische Werke können das nicht so einfach, mythische hingegen schon.
Was Du ansprichst:
dass man dann doch etwas so lassen kann, wie es ist, geht eben nicht. Ich hab ähnlich gedacht wie Du, bevor ich zum Theater kam. Aber in der Praxis sieht es so aus, dass man als Regisseur dem Schauspieler sagen muss, wie er einen Satz ausspricht: mit welcher Betonung, mit welcher Tendenz.
Und wenn der Satz die aktuellen Leugnertypen charakterisieren will, dann muss das eben für das Publikum klar werden.
Ich hab früher auch gedacht, dass der Regisseur tendenzfrei inszenieren muss. In der DDR aber hat man oft versucht, (verbotene) Kritik am Staat in der Form auszuüben, dass man in die klassischen Theatertexte durch Betonung oder Gestik - oder leichte Veränderung - reale Kritik an der Gegenwart gelegt hat.
Und heute stehen wir wieder vor einer hochaktuellen Gefahr. Vielleicht einer ähnlichen, die auch Tolkien vor Augen gehabt hat, wir Nachkriegsgeborenen aber bisher eher nicht. Und diese Gefahr ist weltweit.
Nein, das will ich natürlich auch nicht.
Ich kann mit "Mittelerde" meist sowieso nicht viel anfangen. Als ich HdR erstmalig gelesen habe, das war ziemlich direkt nach Tolkiens Tod 1973, habe ich darin kein "Mittelerde" gefunden, sondern eine Fortsetzung der literarischen Romantik um 1800. Darin war von Menschen die Rede, die in eine phantastische Welt gerieten, in der ihr eigenes gefährliches Innere gespiegelt war. Und Auswege aus dieser inneren Gefahr gezeigt wurden.
Dass im HdR ein Mittelerde geschildert sein soll, hörte ich erst ca. 30 Jahre später, als ich Internet akzeptierte und in ein Tolkienforum geriet.
Aber wie immer man diese Welt nennt:
Realistisches und Mythisches liegen eng nebeneinander und bedingen einander. Und beide sind kein Pappalappapp, sondern thematisieren das Wesen unseres Menschseins.
Übrigens lieben Dank, dass Du so aggressionsfrei argumentierst, obwohl wir so unterschiedlich denken. Das lässt hoffen.