Hallo!
Zu dieser Frage gibt es verschiedene Aspekte zu betrachten. Den moralischen Aspekt, den Volkswillen, die Notwendigkeit einer Führerschaft in dieser Situation,
den werksexternen Aspekt im Sinne einer guten Story und viele mehr. Der Adel und die hochgestellten Persönlichkeiten in Gondor werden vorallem einen ganz einfachen
Aspekt betrachtet haben: die Rechtslage und die Tradition. Zur Tronfolge gab es in Gondor und auch den irdischen Reichen eine umfangreiche Gesetzgebung bzw. Rechtsprechung.
Oft genug gibt es nämlich in diesen wichtigen Punkt Streit, wie z. B. den Bruderzwist (Kinstrife) in Gondor. Ob der "Nordkönig", dessen Nachfolger Aragorn war, einen rechtlichen Anspruch
auf die Krone Gondors hatte, wenn dort die Linie der Könige unterbrochen ist, wird in den Anhängen des HdR behandelt. Da eigentlich jedes Wort des Textes für diese Diskussion relevant ist,
erlaube ich mir, ein längeres Zitat hier anzubringen:
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Im Jahr 1944 fielen König Ondoher und seine beiden Söhne, Artamir und Faramir, in der Schlacht nördlich des Morannon, und der Feind ergoß sich nach Ithilien. Aber Eärnil, Befehlshaber des Südheeres, errang einen großen Sieg in Südithilien ....
Nach dem Tode von Ondoher und seinen Söhnen erhob Arvedui vom Nördlichen Königreich Anspruch auf die Krone von Gondor als unmittelbarer Ab-kömmling von Isildur und als Ehemann von Fíriel, des letzten überlebenden Kindes von Ondoher. Der Anspruch wurde zurückgewiesen, Hierbei spielte Pelendur, der Truchseß von König Ondoher, die Hauptrolle. Der Rat von Gondor antwortete: >Die Krone und Königswürde von Gondor gehört einzig und allein den Erben von Meneldil, Anárions Sohn, dem Isildur sein Reich abtrat. In Gondor gelten als Erben nur die Söhne; und wir haben nicht gehört, daß das Gesetz in Arnor anders ist.<
(Anmerkung von mir: jetzt kennen wir die Rechtsaufassung Gondors. Es verweigert die Tronfolge, obwohl Arvedui einen viel stärkeren Anspruch hat als später Aragorn, denn er ist ebenfalls ein direkter Nachkomme Isildurs, hat eine Tochter des Königs von Gondor zur Frau und ist kein Waldläufer sondern ein amtierender König mit eigenem Reich.)
Darauf erwiderte Arvedui: >Elendil hatte zwei Söhne, von denen Isildur der ältere und der Erbe seines Vaters war. Wir haben gehört, daß Elendils Name bis zum heutigen Tage an der Spitze der Linie der Könige von Gondor steht, da er als der Hohe König aller Lande der Dúnedain angesehen wurde. Noch zu Elendils Lebzeiten wurde die gemeinsame Herrschaft im Süden seinen Söhnen übertragen; aber als Elendil fiel, ging Isildur fort, um das hohe Königsamt seines Vaters zu übernehmen, und übertrug die Herrschaft im Süden in gleicher Weise dem Sohn seines Bruders. Er trat seine Königswürde in Gondor nicht ab, noch wollte er, daß Elendils Reich auf immerdar geteilt sei. Überdies ging einst in Númenor das Szepter auf das älteste Kind des Königs über, sei es Mann oder Frau. Es ist richtig, daß das Gesetz in den Landen der Verbannung, die immer in Kriege verwickelt waren, nicht befolgt wurde; doch so war das Gesetz unseres Volkes, auf das wir uns jetzt beziehen, da wir sehen, daß Ondohers Söhne kinderlos starben.
Darauf gab Gondor keine Antwort. Die Krone wurde von Eärnil beansprucht, dem siegreichen Heerführer; und sie wurde ihm zugestanden mit Billigung aller Dúnedain in Gondor, da er aus dem königlichen Haus war.
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Der Streit wurde leider nicht abschließend geklärt, aber beide Seiten haben sehr gut Argumente angeführt. Später schreib ich noch ein wenig weiter. Für heute langts.