Jump to content
  • TolkienForum
Tablet Logo
Phone Logo
Nelkhart

Sex in Mittelerde

Recommended Posts

Alsa

Danke, Tolwen. Ein bisschen hatte ich das auch noch so ähnlich in Erinnerung.

 

Das könnte belegen, dass Tolkien keineswegs "prüde" war oder dass in dieser Zeit es nicht üblich war, über Sex zu reden - was auch gar nicht stimmt -, sondern dass die mythischen Figuren nicht wie ich und du durch Sex auf die Welt gekommen sind.

Beispiel:

Mensch X meint, die Erfahrung gemacht zu haben, einen Schutzengel zu haben, der ihm in Notzeiten hilft. Und nun will er eine mythische/märchenhafte Erzählung darüber schreiben.

Ist dieser Schutzengel durch Sex entstanden?

Nein!

Der Schutzengel ist eine Symbolisierung und Personifizierung von Erfahrungen, die immateriell sind. Mensch X hat halt die Erfahrung gemacht, dass ihm in Notzeiten unbekannte Kräfte helfen, da wieder rauszukommen.

Diese unbekannten Kräfte personifiziert der Volksmund zu einem Wesen, also zu einem Schutzengel.

Die Erzählung über einen Schutzengel, die Mensch X nun schreibt, handelt dann von psychischen Erlebnissen, die personifiziert worden sind.

Psychische - bzw. seelische oder geistige - Erlebnisse existieren nicht aus einem Geschlechtsakt heraus. 

Und wenn man in einer Erzählung diese psychischen/seelischen/geistigen Erlebnisse in einer Figur darstellt, dann bleibt sie dennoch immateriell, also unkörperlich. 

 

Klar, Mensch X kann sich zur Not in diesen Schutzengel verknallen und hat nachts einen Traum, wo er mit ihm schläft und daraus ein Kind entsteht, eine Mischung aus Schutzengel und Mensch.

Und Mensch X kann dann daraus wieder eine Erzählung machen, die schein-realistisch aussieht.

Nichstdestotrotz wird über immaterielle Vorgänge geschrieben.

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Wilferedh

Erdgeburten gab es also nicht. Es ist schon sehr lange her, dass ich den HdR gelesen habe, sodass die Erinnerungen von Filmszenen überlagert werden. Der Hinweis von Tolwen stützt also meine Ansicht, dass es Geschlechtsverkehr auf Arda gabt/gibt, jedoch nicht groß Thematisiert wird.

Ich habe nicht behauptet, dass Tolkien prüde war, sondern lediglich, am Vergleich mit Martin dargestellt, zurückhaltender in seiner Darstellung. Tolwens erwähnter Text deutet auf ein Vorhandensein von Sex hin.

@Alsa

Also ist es so, dass du das von Tolwen zitierte Textfragment nicht in Frage stellst, aber in deinem Antworttext die These aufstellst, dass es keinen Sex in der Geschichte gibt. Das ist sehr verwirrend. 

Tolwen sagt - es gab Sex (in Arda)

Nelkhard sagt - es gab keinen

Wilferedh sagt - es gab

Alsa - sagt - es gab keinen.

An alle Skeptiker die Bitte, sagt mir wo Legolas hergekommen ist. Es gab die ungeschlechtliche Erzeugung, ja. Die Ainu, Erstelben, Erstmenschen, Erstzwerge und die ersten Pflanzen und Tiere. Was Legolas (stellvertretend gemeint) angeht, so sind mir die Namen seines Vaters und seiner Mutter bekannt.

 

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Alsa
vor 29 Minuten schrieb Wilferedh:

Tolwen sagt - es gab Sex (in Arda)

Das hat er nicht gesagt. Er hat gesagt, dass Sex in einer Geschichte von Tolkien vorkommt. 

 

vor 29 Minuten schrieb Wilferedh:

Alsa - sagt - es gab keinen.

Habe ich auch nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass mythische Erzählungen Sex nicht thematisieren.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Wilferedh

Arda ist Bestandteil der Geschichte Tolkiens. Was in dem einen vorkommt, kommt in dem anderen vor.

Wenn du mit mythischen Erzählungen das Werk Tolkiens meinst, stimme ich dir zu. Für mythische Erzählungen aus dem antiken Griechenland trifft dies nicht zu.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Alsa
vor 1 Stunde schrieb Wilferedh:

Arda ist Bestandteil der Geschichte Tolkiens. Was in dem einen vorkommt, kommt in dem anderen vor.

Was meinst Du mit "Geschichte"? Historie?

Wo kommt in Tolkiens "Leaf by Niggle" ("Blatt von Tüftler") Arda vor? Und wo in Tolkiens "Smith of Wootton Major" ("Schmied von Großholzingen"), und wo in seinen Gedichten? Und wo im "Hobbit?"

Und was genau ist Arda? Ein fiktiver Ort in ein paar seiner Erzählungen, oder ein realer Ort, in dem Tolkien gelebt hat?

Ich gebe Dir Recht darin, dass Tolkien ein Grundthema hat, dass er literarisch immer wieder neu verarbeitet hat - aber immer in neuer Gestalt. 

Unterschätze nicht die Fabulierkunst Tolkiens. Er hat viele unterschiedliche fiktive Ort erfunden, um seine Themen dort zu entwickeln. 

Genau genommen kann man auch nur die Werke daraufhin befragen, die er selber herausgegeben hat. Denn nur die haben die von ihm gewählte Endgestalt. 

bearbeitet von Alsa

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Tolwen

Vielleicht handelt es sich um eine unterschiedliche Wahrnehmung bzw. Herangehensweise der User/Leser.

Zum Einen gibt es diejenigen, die literarischen Aspekte wie Themen, Erzählweisen und damit transportierte Ebenen des "Fabulierens" interessieren und die Texte dementsprechend betrachten, bewerten und darüber diskutieren. Zu jenen würde ich auf jeden Fall Alsa zählen.

Zum Anderen gibt es jene, die Tolkiens Werke (und grundsätzlich egal ob selbst herausgegeben oder posthum) eher als - fragmentarische - historische Überlieferungen seiner fiktiven Welt(en) sehen und aus diesen Fragmenten wie ein realweltlicher Historiker entsprechende Rückschlüsse auf größere Zusammenhänge und Gegebenheiten der jeweiligen Fantasiewelt ziehen.

Obwohl beide die gleichen Texte lesen und darüber reden, meinen sie doch häufig verschiedene Dinge und reden dann aneinander vorbei. Vielleicht lohnt es sich, sich klarzumachen wer sich auf welcher "Ebene" bewegt, um Mißverständnissen vorzubeugen. Ich für meinen Teil bin klar einer der "Historiker" und werde auch primär in diesem Sinne argumentieren - eben weil mich diese Sichtweise fasziniert. Der "literarische" Teil vermag mich - leider - weniger zu fesseln. Dennoch lese ich auch diese Diskussionen gerne, aber dann halt als passiver Zuschauer.

Grüße
Tolwen

  • Danke 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Wilferedh

Ich meinte mit Geschichte das was T. zu Papier gebracht hat, in erster Linie HdR.

Ich bitte um Verständnis, dass ich das Thema "Sex in Mittelerde" nicht mehr weiterverfolgen möchte. Ich mag das Werk Tolkiens so wie es ist - und das genügt mir einfach. Das Schöne an der Fantasy ist ja, dass jeder das darin sehen kann, was immer er möchte. Einer sieht, z.B., in Eru das Gute und in Melkor das Böse und ein anderer sieht es umgekehrt. Das gilt für alle Bereiche.

  • Danke 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Alsa
vor 7 Stunden schrieb Wilferedh:

Das Schöne an der Fantasy ist ja, dass jeder das darin sehen kann, was immer er möchte. 

 

Für mich sind die Werke Tolkiens überhaupt keine Fantasy. Sie gehören für mich eindeutig nicht in diese Kategorie. 

Ob jeder nun in der Fantasy das sehen kann, was immer er möchte, weiß ich nicht, ich kann mit diesem Genre wenig anfangen. Kann ich mir aber eigentlich auch nicht denken. Denn auch ein Fantasy-Autor hat doch, denke ich, einen gewissen Anspruch. 

Bei "ernsthafter Literatur", und sei sie noch so mythisch und märchenhaft, kann man zwar niemanden darin hindern, das darin zu sehen, was er will - nur ist das dann im Zweifelsfall eben doch eine Entwürdigung des Autors. Man entmündigt ihn.

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Nelkhart

Tolwen und ich spielen dieses Spiel jetzt schon seit sechs Jahren. Und durch Copy Paste zwingen wir uns momentan gegenseitig, uns zu wiederholen. Aber das merkt zum Glück nur, wer sich die Mühe macht, den Thread nochmal komplett durchzuackern.

„Verblüffend ist allerdings, daß uns ausgerechnet DER Mann einen zarten Hinweis auf die Existenz von Sexualität in Mittelerde liefert, dessen Biographie sich gerade durch ein Nichtausleben dieser auszeichnet.
Erendis´ Zitat spricht für eine virile Libido [body’s need]. Ihre Situation und ihre Enttäuschung dagegen für eine weibliche Sehnsucht nach körperlicher Nähe.“


Aldarion hat nur seine Schiffe im Kopf. Er entbehrt jahrelang Frau und Bett und scheint beides nicht sonderlich zu vermissen. Wenn er in Andor ist, wird er schnell unruhig und will so schnell wie möglich wieder rüber nach Endor. Die männliche Libido, die Erendis behauptet, wird durch Aldarions gelebte Abstinenz widerlegt.

Aldarions Unlust wirkt in unserer hoffnungslos durchsexualisierten Welt dermaßen renitent, daß man polemisch werden und sich fragen könnte, welche „body’s needs“ sich so ein Mann von einer Frau eigentlich erfüllen lassen möchte. Vielleicht ein heißes Bad einlassen und den Rücken schrubben, einölen und massieren, das Lieblingsgericht kochen (leibliches Wohl!) und Wein einschenken, Wunden pflegen und immer ein sauberes Hemd bereit legen…?

Ist ja auch alles irgendwie körperlich, oder?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Arwen Mirkwood
vor 14 Stunden schrieb Alsa:

 

Für mich sind die Werke Tolkiens überhaupt keine Fantasy. Sie gehören für mich eindeutig nicht in diese Kategorie. 

 

 

In welche Kategorie würdest du denn dann Tolkiens Bücher einordnen?????

In jeder Buchhandlung stehen seine Bücher in der Rubrik Fantasy.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Alsa
Am 20.1.2019 um 18:18 schrieb Tolwen:

Vielleicht handelt es sich um eine unterschiedliche Wahrnehmung bzw. Herangehensweise der User/Leser.

Ganz sicherlich.

 

Zitat

Zum Einen gibt es diejenigen, die literarischen Aspekte wie Themen, Erzählweisen und damit transportierte Ebenen des "Fabulierens" interessieren und die Texte dementsprechend betrachten, bewerten und darüber diskutieren. Zu jenen würde ich auf jeden Fall Alsa zählen.

Zum Anderen gibt es jene, die Tolkiens Werke (und grundsätzlich egal ob selbst herausgegeben oder posthum) eher als - fragmentarische - historische Überlieferungen seiner fiktiven Welt(en) sehen und aus diesen Fragmenten wie ein realweltlicher Historiker entsprechende Rückschlüsse auf größere Zusammenhänge und Gegebenheiten der jeweiligen Fantasiewelt ziehen.

Ja, das sind zwei Umgangsformen mit literarischen Werken.

Die zweitgenannte würde ich als kreative - oder schöpferische - Umformung von Tolkiens Werken bezeichnen.

Die erstgenannte klammert die Tatsache nicht aus, dass Tolkien ein literarischer Schriftsteller war und erlaubt sich keine Umformung, sondern kümmert sich um ein Studium dessen, was ist.

Darum ist die zweitgenannte kreativer, die erste eher gebunden an literarische Traditionen, die Tolkien benutzt hat.

Solange ich in Tolkien-Foren bin - so seit ca 2001 - solange bin ich mit diesen beiden Arten konfrontiert worden.

Du, Tolwen, wirst Dich erinnern, dass in dem blauen Tolkienboard  - auf jeden Fall schon bei meinem Eintritt um ca 2001 - zwei Unterforen existierten: 

a. "Der Gelehrte" und b. "Der Schreiber".

In dem "Gelehrten" schrieben die, die Du oben an zweiter Stelle genannt hast, und in dem "Schreiber" schrieben die, die Du oben an erster Stelle genannt hast. 

Du also warst im Gelehrten zugange, und ich im Schreiber.

Es gab aber viele der "Gelehrten" - gemeint waren Gelehrte in Mittelerde ;-) -, die auch im Schreiber schrieben.

Das Interesse war für das Gelehrtenforum zwar größer als für das Schreiberforum, aber das Schreiberforum war ebenfalls ständig in Action.

Auch wenn ich das "Gelehrtenspiel" nicht mitmachte, so habe ich es doch als Basis für das Studium der Tolkienwerke permanent genutzt. Die "Gelehrten" kannten halt die gesamte HoMe. Und ich bin schwanzwedelnd hinterhergedackelt und kannte sie dann auch irgendwann.

Nur gingen wir mit den Ergebnissen eben unterschiedlich um. 

 

Dieses Tolkienforum hier - in dem ich im Moment schreibe - hat auch die oben genannte Zweiteilung, wenn auch nicht ganz deckungsgleich.  ->

Es gibt das Unterforum "Tolkiens Werke" - was in etwa dem "Schreiber" entspricht - und es gibt das Unterforum "Tolkiens Fans", was in etwa dem "Gelehrten" entspricht.

Nur gibt es in den Tolkienforen heute kaum noch welche, die sich für Tolkiens Kompositionsstil interessieren. Ihr Interesse liegt hauptsächlich im Verändern. 

Und so kann es mitunter kommen, dass man die Veränderungen für Tolkiens Werk hält. 

 

Ich bring mal eine Parallele, an der mir sehr liegt:

Es gibt den Komponisten Beethoven. Man kann ganz parallel wie oben beschrieben zum einen aus Beethovens Sinfonien Motive und Takte herausbrechen und daraus eine neue Musik machen. Das wäre die kreative bzw. schöpferische Methode. Das wäre Künstler-Denken.

Die andere Methode studiert Beethovens Kompositionsstil und versucht herauszufinden, was er Neues im Gegensatz zu früheren Komponisten entwickelt hat. Vielleicht hat er ja sogar schon etwas entwickelt, was noch moderner ist als bei den heutigen Komponisten. Das wäre dann die wissenschaftliche Herangehensweise. Sie erlaubt sich nicht, Beethoven zu verändern, sondern will ihn verstehen.

Ich selber habe beide Seiten in mir. Ich breche gerne aus anderen Schriftstellern Fetzen heraus und mache daraus was Neues.

Aber ich liebe es auch, einen Autor und seine Kompositionsmethoden zu entdecken und zu beschreiben. Vor allem dann, wenn das sonst kaum einer macht und lieber aus ihm neue Werke oder Spiele entwickelt.

Dass ersteres bei mir bei Tolkien - erneut, nach langer Pause - der Fall ist, liegt daran, dass, wie ich schon ein paar Mal geschrieben habe, wir inzwischen weltweit eine veränderte politische Lage haben. die mir ziemlich Angst macht. 

Mir ist dabei wieder Tolkien eingefallen, der sich mit genauso einer politischen Lage in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts - und auch schon davor - auseinandergesetzt hat. 

Und er hat damals eine Antwort gefunden, woran es fehlt, wenn dieses Freund-Feind-Denken so ausgeprägt sich entwickeln konnte. 

Diese Antwort ist so fundamental, dass sie mir auch in der momentanen Gefahr, wo überall in unserer Welt gezündelt wird und wo die Sehnsucht nach einem Starken Mann oder einem Diktator und möglicherweise auch nach einem neuen Weltkrieg ganz offensichtlich wieder aufgebrochen ist:

dass mir also Tolkiens Antwort, die er weitläufig durch alle seine Werke hindurchbitzen lässt,  so wichtig ist wie nie zuvor.

Darum tendiert mein Interesse momentan gegen Null, mir aus Tolkiens Werken ein neues Werk zu schnitzen, auch wenn ich das für vollkommen legitim halte.

Mein Interesse ist momentan, Tolkien als dichterischen Schriftsteller zu befragen, ob und wie seine damalige Antwort auch heute noch helfen kann. 

Es gibt verdammt wenig sinnvolle Antworten. Ich möchte die von Tolkien nicht verschenken, sondern neu aus seinem Werk herauspulen.  

Und dazu muss man wie bei Beethoven die Kompositionstechnik als erstes studieren. Es ist einfach nicht wurscht, ob etwas ironisch oder ehrlich gemeint ist, zum Beispiel. Ob es aus Hass oder aus tiefer Einsicht formuliert wurde, das als weiteres Beispiel. 

 

 

 

 

bearbeitet von Alsa
Falsche Bezüge korrigiert, Entschuldigung

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Nelkhart

Tolkien-Leser in zwei verschiedene Gruppen einteilen? Das klingt nach Schubladendenken.
Aber manchmal helfen Schubladen eben beim denken.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Alsa
Am 21.1.2019 um 17:12 schrieb Arwen Mirkwood:

In welche Kategorie würdest du denn dann Tolkiens Bücher einordnen?????

In jeder Buchhandlung stehen seine Bücher in der Rubrik Fantasy.

Dein zweiter Satz ist interessant. Irgend ein Tolkienspezialist - hab vergessen, wer - hat tatsächlich mal gesagt, nachdem er alle möglichen Theorien darüber, ob Tolkiens Werke "Fantasy" seien oder nicht, durchgenudelt hat:

Es sei doch ganz einfach: Tolkiens Werke gehörten in die Rubrik, in die die Buchläden ihn einordnen.

Das fand ich witzig. Denn meiner Meinung nach wollen die Buchläden kundenfreundlich sein und Tolkien da einordnen, wo die Käufer ihn vermuten. Sie untersuchen ja nicht selber, welches Genre das ist.

Ich habe dann mal in einer Hamburger Buchhandlung nachgeguckt. Tatsächlich standen sie unter "Fantasy".

Aber nicht nur

Sie standen auch da, wo die normalen englischen Schriftsteller, alphabetisch geordnet, glaube ich, standen. Tolkien fand ich also ebenfalls unter "Englische Literatur", Buchstabe T.

Dieser Buchladen wollte vermutlich sicher gehen, dass jeder seinen Tolkien findet, egal, ob er unter "Fantasy" guckt oder nicht. 

 

Zu Deiner ersten Frage:

Die ist leider nicht so einfach zu beantworten.

Man kann vielleicht sagen: Tolkien hat das Genre "Fantasy" begründet - man beruft sich auf ihn. Aber er selber gehört nach meiner Überzeugung nicht dazu. 

Er selber hat sich auf die alten Epen und mittelalterlichen Romanzen berufen, sie teilweise nachgeahmt. 

Bei Wikipedia steht im Fantasy-Artikel u.a. das:

Zitat

Fantasy wird oft als reine Unterhaltungs- und Trivialliteratur betrachtet, da Fantasyliteratur in ihrer Entstehungszeit zumeist in Pulp-Magazinen erschien und sich an ein entsprechendes Publikum richtete. Nach den kulturellen Wertungskategorien „Hoch-“ und „Popkultur“ wird Fantasy für gewöhnlich der Popkultur zugeordnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Fantasy

Tolkien würde sich bedanken, wenn seine Stabreim-Epen oder Silmarillion-Sagen zur Popkultur gezählt würden. 

Michael Ende z.B. zählt man ja auch nicht zur Fantasy - obwohl in "Die Unendliche Geschichte" ein Junge das Reich der Phantasie betritt und es retten will.  Bei Wikipedia wird es nur als "Roman" bezeichnet.

Den "Herrn der Ringe" würde ich auch einfach nur als Roman bezeichnen. 

Die Silmarillion-Sagen würde ich als Kunst-Sagen ansehen, die in ihrer Gesamtheit ein Kunst-Epos ausmachen könnten. 

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Nelkhart

Ließ sich das Argument aus der Erendis-Klage noch recht einfach relativieren, bereitet der berühmte ethnographische Aufsatz „Laws and Customs among the Eldar“ (aus Morgoth’s Ring) einem konsequenten Mittelerde-Puritanismus schon ernstere Probleme.

In besagtem Text verwendet Tolkien den Ausdruck „act of bodily union“ in einem Atemzug mit „joy“. Das genügt, um die Existenz von beidem zu beweisen: Elbensex und Elbenlibido.

Naïv, wer jetzt noch zur Ehrenrettung märchenhafter Keuschheit argumentieren wollte, auch eine Umarmung oder ein Kuß könne als körperliche Vereinigung gelten, bei der die Quendi Freude empfinden.
Daß wir aber nun wissen, daß es Sex in Mittelerde gibt – zumindest in der Theorie und zumindest bei den Elben – ändert aber nichts an seiner narrativen Bedeutungslosigkeit in Tolkiens Welt.

Im Gegensatz zu unserer Welt treibt der Trieb die Bewohner Mittelerdes nirgends hin: Keine Eifersucht, kein Ehebruch, kein Vertuschen, kein Skandal, keine Rache, kein Mord im Affekt, keine Tragödië.

An die Stelle der Sexualität tritt bei Tolkien dafür etwas neuës, das vielleicht zum großen Teil die einzigartige Atmosphäre seiner Welt ausmacht: Ich spreche von einer künstlerischen Libido.

So wie sich in unserer Epoche alles um sexuëlle Identität dreht, identifizieren sich die interessantesten Bewohner Mittelerdes über ihre schöpferische. Die drei großen Häuser der Eldalië gliedern sich in drei Dynastiën von Künstlern: Die Dichter, die Goldschmiede und die Sänger. Die Númenorer sind große Architekten und Schiffbauër, die Rohirim sind Reitkünstler und rühmen ihre goldene Halle und durch ihren kuriosen Schöpfungsmythos sind für die Naugrim Schmiedekunst und Religion mehr oder weniger dasselbe.

Dies könnte sogar eine kulturelle Erklärung für die Wunder Mittelerdes sein. Die Völker Ardas werden weit weniger von ihrer sexuëllen Verwirklichung in Anspruch genommen als wir und können dadurch ihre ganze Energie für megalomane Projekte wie z.B. gigantische Königsstatuën, unterirdische Paläste und fluoreszierende Metallproduktion verwenden – alles mit vorindustriëllen Mitteln wohlgemerkt (zuzüglich ein klein wenig Magie).

Einzig die Hobbits neigen zum Philistertum und verbannen alles künstlerisch Wertvolle ins Mathom-House. Aber diese Banausen sind ja auch das narrative Bindeglied hinüber in unsere weitgehend entzauberte Erfahrungswelt. Mit ihren Postämtern, Pubs und bürgerlichen Geburtstagstafeln sind sie uns von allen Bewohnern Mittelerdes am ähnlichsten.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Alsa
Am 22.1.2019 um 21:44 schrieb Nelkhart:

Tolkien-Leser in zwei verschiedene Gruppen einteilen? Das klingt nach Schubladendenken.
Aber manchmal helfen Schubladen eben beim denken.

Weder Tolwen noch ich haben auch nur im Ansatz "Schubläden" benutzt. ;-)  :prost:

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden

×