Ich übernehme mal die Nummern von Andre, dann kann man sich punktgenauer auf die einzelnen Gedanken beziehen.
1.
André sagte am 27.Apr 2009, 16:57:
Ramer hat eine Geschichte vorgelesen, nachdem er endlich mal wieder bei einer Sitzung anwesend ist. Er war beim Vorlesen jedoch auffallend nervös.
2.
André sagte am 27.Apr 2009, 16:57:
Nach dem Vortrag fragt Ramer zu Meinungen zu der Geschichte, spricht dann sogar Guildford direkt an, doch der weicht zunächst zögernd aus.
zu 1. + 2.
viator sagte am 28.Apr 2009, 20:25:
Die Grundsituation ist eigentlich eher noch verschärft: Ramer war sehr lange nicht mehr anwesend bzw. nur äußerst unregelmäßig, gehörte aber davor zu den engagiertesten Mitgliedern des Clubs und zu den ältesten obendrein. In dieser Nacht waren mehr Leute als sonst anwesend, obwohl sich dann in der Diskussion nur relativ wenige beteiligt haben. Ramer war extrem nervös, kam immer wieder ins Stocken und musste ganze Sätze wiederholen. Als er fertig war, schwiegen zunächst alle, es herrschte eine auffallende Stille im Raum. Schließlich sprach Ramer Guildford direkt an, wobei auch jener nur sehr zögerlich zu kritisieren anfing.
Diesen posts kann ich weiter nichts hinzufügen. Ich denke, es ist alles Wesentliche erfasst. Fragen habe ich dazu auch keine, die kommen erst später...
3.
Zitat
Nach kurzer Zeit kommt er dann aber doch mit seiner Meinung heraus: ihm missfällt vor allem die Rahmenhandlung, insbesondere das erste Kapitel und der Schluss des letzten Kapitels. Er nennt uns auch den Grund. Die Schwierigkeit von space-travel-Geschichten, bzw. das wogegen er Einspruch auch in Ramers Geschichte erhebt und was er sogar als unlösbares Problem benennt, sei die Schwierigkeit des Ankommens bzw. Hingelanges zu einem anderen Planeten. Beginnende Kapitel solcher Geschichten seien für ihn immer die schwächsten Kapitel, die zu sehr verwissenschaftlichte Methode der Art der Reise gefällt ihm nicht.
Zu dem von mir fettgedruckten Wort hat Alatariel ja schon korrigierend eingegriffen. Im Original steht
Scientifiction und ist wohl ein altes Wort von
Science-ficiton.
Was Ramer kritisiert, ist nicht das Verwissenschaftlichte, sondern das Genre an sich ->
"I suppose no one has ever solved the difficulty of arriving, of getting to another planet, bo more in literature than in life. Because the difficulty is in fact insoluble, I think. The barrier cannot and will not ever be passed in mortal flesh."
Das heißt, Guildford hält grundsätzlich dieses Genre, das wir Sciencefiction nennen, für ein unstimmiges. Auch wenn er Ramers Lösung noch für eine der besseren der fehlerhaften Lösungen hält.
Und darum halte ich diese Aussage, Alatariiel ->
Von 27.Apr 2009, 20:36:
Interessant, das habe ich ein wenig anders verstanden.
Guildford behauptet ja zumindest von sich selber (obwohl er augenscheinlich für seine "anti-machine mania" bekannt ist), dass es ihm eben per se nicht um den Einsatz einer Maschine an sich geht, sondern um die "credibility". [...]
für zumindest missverständlich. Es geht natürlich um die Glaubwürdigkeit, aber Raumschiffe schließen die Glaubwürdigkeit für Guildford per se aus.
Eine seiner Begründungen:
Selbst wenn er stories über heroische Krieger nicht mag, kann er sie ertragen, weil es heroische Krieger ja gibt.
Aber stories über Raumschiffe kann er nicht ertragen, weil es sie nicht gibt.
Interessant ist dann die Fortsetzung seiner Begründung:
Wenn ein Schriftsteller nun so tut, als ob es Raumschiffe gibt, dann landet er innerhalb seiner Erzählung immer nur da, wo auch die anderen mit Raumschiffen umgehen.
Genauer wird das nicht erklärt, aber ich lese das so: dass man mit einem Raumschiff z.B. nicht in einem Märchen landen kann. Denn das wäre eine andere Dimension. Die Märchenbewohner wissen nichts von Raumschiffen. Man kann unsere Welt auf diese Weise fiktional nicht verlassen.
Wie lest Ihr diesen Absatz? Seite 163 letzter großerer Absatz.
4.
Zitat
Ramers Meinung zu solchen Framework-Kapiteln folgt als Antwort darauf. Sie seien eine Notwendigkeit [hier bin ich nicht sicher, wie genau man das "awkward necessity", also insbesondere das "awkward" richtig zu übersetzen hat, hat da wer eine Idee? "heikel"?], die man aber leicht austauschen kann, weil sie wirklich nur der Rahmen um die eigentliche Geschichte seien und mit der Story selbst kaum etwas zu tun haben.
Ich würde für "awkward" "misslich" benutzen: eine "missliche Notwendigkeit" im Sinne von "höchst ärgerlich".
Und Guildford macht gleich noch einen Rundumschlag auf alle Science-Fiction-Autoren, die sich schon einen Namen gemacht haben, und auf die damaligen Magazine. Der Witz ist ja, dass es reale Autoren sind, deren Werke wir nachlesen können (und die Tolkien offenbar auch alle gelesen hat, inklusive der Magazine...)
Guildford sagt, dass es schon noch eine Lösung gäbe, Science-Fiction zu schreiben: den Weg der Inkonsistenz zu gehen; mit anderen Worten: schlechte Literatur zu schreiben. Und das hätten die von ihm genannten Autoren alle getan. Besonders Lewis mit seinem "Out of the Silent Planet" kriegt voll einen auf den Deckel.
Was ich besonders einleuchtend als Argument Guildfords finde:
So eine space-travel ist wie ein Märchen, von dem plötzlich behauptet wird, dass alles Märchenhafte, das da passiert, technisch demnächst hergestellt werden kann. Das würde das Märchen tatsächlich kaputtmachen.
10.
Zitat
Aber er bezweifelt, dass man hier eine Lösung finden kann. Man könnte genausogut den guten alten Magier hernehmen, der mit einem Schwung seinens Zauberstabes etwas bewirkt, und damit genausowenig glaubwürdig wäre: Es wäre wie ein plötzlich passierendes Wunder.
Guildford plädiert ja für den guten alten Zauberstab. Die miracles müssen wieder her (Seite 168 unten).
11.
Zitat
Jeremy schaltet sich nun zum ersten Mal in die Diskussion ein, hat jedoch alles bislang Gesagte munter verfolgt. "Warum ein Magier?" ist seine erste Frage.Warum einen Magier benutzen, der einen in die Geschichte wirft? Warum nicht einfach den guten alten "Es war einmal..."-Beginn für Geschichten [Once upon a time] auch für Space-stories verwenden? Autoren von Geschichten hätten die Macht, mehr als das zu sehen, was ihre Augen ihnen zeigen. Guildford würde in seinen Geschichten die Leute "in die Köpfe anderer Leute sehen" lassen, warum könne man sie also nicht auch in entfernte Teile des Raums sehen lassen?
Und Guildord fügt zustimmend hinzu: ja, er leugne nicht das Recht der Autoren, zu erfinden und zu
sehen.
12.
Zitat
Dolbear wurde bislang noch überhaupt nicht in dem Bericht zu Nacht 60 erwähnt. Jetzt wird erwähnt, dass er genau zu diesem Zeitpunkt aufzuwachen scheint, obwohl er sich eigentlich nur anders in den Stuhl setzt. (vgl. weiter unten)
Ja - der ständig schlafende und schnarchende Dolbear (der aber immer alles mitkriegt) rührt sich vermutlich wegen des Worts "sehen". Das ist ein Kunstmittel Tolkiens, wichtige Punkte in der Diskussion durch Dolbears Bewegungen zu unterstreichen.
15.
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Der Vergleich zur Fairy-storie wird von Frankley herangezogen. Warum könne man space-stories nicht wie in Fairy-stories mit eigenen Gesetzmäßigkeiten ausstatten? Solchen Gesetzmäßigkeiten, die bestimmte Dinge - solche, die eigentlich nicht möglich seien - zulassen?
16.
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Dazu hat Guildford folgende Meinung: Eine space-travel story sollte zu dem Universum, zu unserem Universum, passen. Passt sie dazu nicht, so ist die Geschichte keine space-travel story mehr, sie wird zu einer (entwerteten, minderen) Fairy-story. Denn es gibt keinen Grund, Faerie mit einer Rakete zu besuchen, Faerie könnte man auch anders finden - oder auch gar nicht.
Das sind zwei sehr wichtige Punkte. Sie werden im Folgenden eine Rolle spielen.
17.
Zitat
Ramer - die ganze Zeit still gewesen - sagt: "Aber mal angenommen, Du hast eine Reise unternommen und Du hast Faerie gefunden?"
18.
Zitat
Guildford und Jeremy sind sich einig, dass echte Fairy-stories keine unmöglichen Effekte durch schwindlerische Maschinen brauchen, daher widerspricht Jeremy auch heftigtst Ramer - man möge hier also doch bitte kein Raumschiff benutzen.
Und es geht weiter mit den wichtigen Punkten.
19.
Zitat
Guildford zählt die seiner Ansicht nach drei Möglichkeiten auf, die man für solch ein Framework in diesem Fall hat: a) ein Wunder, b) Magie oder c) den einzig bekannten und naheliegenden Weg, über den jeder jemals auf einer Welt gelandet sei: Durch Geburt. Inkarnation.
20.
Zitat
"'Incarnation. By being born.' said Guildford.". >> Genau in diesem Moment wacht Dolbear auf! Und er fragt, was Ramer dazu sagt. Ramer schließt sich hier nun doch Guildfords Meinung an, aber Dolbear geht es eigentlich um etwas ganz anderes:
Ursprünglich hatte Dolbear diese Wörter gesagt. Er wachte auf und sagte: 'Incarnation. By being born.'
21.
Zitat
Dolbears hat bemerkt, dass die Rahmenhandlung (also das erste Kapitel und das Ende des letzten Kapitels aus Ramers Geschichte) von Ramer wohl geschrieben wurden. Aber er ist davon überzeugt, dass der Rest der Geschichte nicht von Ramer geschrieben sein kann. Er korrigiert sich dann noch selbst, weil die anderen nicht verstehen: Die Geschichte innerhalb des Frameworks könne nicht von Ramer erfunden sein.
22.
Zitat
Dolbear scheint (evtl. Ramer auch) immer noch der einzige zu sein, der versteht. Darum hakt er nach, indem er Ramer direkt fragt: "Wo ist der Ort? Und wie bist Du dorthin gelangt?"
23. Zitat
Und Ramer gibt es zu: "... es gibt diese Welt und ich habe sie gesehen."
Und er sagt, dass unsere Sprache nicht zu dem Fall passt, also sie nicht wiedergeben kann.
Es muss noch hinzugefügt werden, dass die anderen plötzlich eine Art Alarm und auch Mitleid spürten. Ich denke, für sie ist offensichtlich: Professor Ramer ist seelisch erkrankt.